Das Mähen der Wiese am Wieckenbuschteich mit einem Roboter erregte den Unmit eines Oberadeners. Die Mitarbeiter hätten vor dem Einsatz des Mähers ähen aber das Gelände auf Tiere untersucht, versichert Dr. Hans-Joachim Peters. © Stephanie Tatenhorst
Ärger über Wiesenmahd

Mähroboter am Ententeich: „Die metzeln hier alles nieder“

Zum „Ententeich“ gehen viele, und meinen damit den Wieckenbuschteich an der Bruktererstraße. Aus dem einstigen Regenrückhaltebecken ist ein Refugium geworden. Doch nun gibt es Ärger.

Wasservögel jeglicher Art, aber auch Kröten und andere Kleintiere haben rund um den Wieckenbuschteich in Oberaden schon seit Jahrzehnten ein neues Zuhause gefunden. Gerade im Frühjahr beobachten viele Familien und Spaziergänger, wie dort Jungtiere aufgezogen werden. Derzeit ist bei den Gänsen der Nachwuchs dabei, die Welt zu erkunden.

Umso krasser stach daher vielen Passanten das Treiben am frühen Dienstagmorgen ins Auge – und ins Ohr. Landschaftspfleger waren dabei, die Wiesen rund um den Teich zu mähen und das hochstehende Gras zu beseitigen. Bislang Rückzugsort und sicheres Versteck für die Tiere. Aber auch Nahrungsquelle.

Mähroboter im Einsatz

„Die metzeln hier alles nieder“, schilderte Werner Löbbe erbost. „Und das, wo die Gänse brüten und die Kröten wandern.“ Besonders ärgerte sich der Oberadener Naturfreund darüber, dass die Mahd in der jetzigen Brut- und Nistzeit mit einem Roboter erfolgte.

Denn nähert sich ein Mensch beim Mähen einem Tier, nimmt es entweder Reißaus oder der Mensch kann sein Vorgehen rechtzeitig stoppen. Der Roboter indes, so die Befürchtung des Oberadeners, ziehe unbarmherzig seine Bahn und „metzelt alles klein“.

Dem widerspricht der Erste Beigeordnete der Stadt Bergkamen, Dr. Hans-Joachim Peters, vehement. Die Mitarbeiter hätten ihm versichert, vor der Mahd das Gras nach Tieren abgesucht zu haben. „Und da, wo Küken waren, wurde auch nicht gemäht.“ Ein Ortsbesuch zeigt jedoch: Der Bereich hält sich in Grenzen. Rund um den Teich ist der Großteil der Wiesen gemäht und gemulcht.

Mahd ist normal und turnusmäßig – aber oft zu früh

Dass derzeit überall im innerstädtischen Bereich gemäht wird, hat auch Bernd Margenburg, langjähriger Vorsitzender des Naturschutzbunds Nabu, festgestellt. „Das ist um diese Zeit normal und turnusmäßig“, weiß Margenburg.

Aus Naturschutzgründen, appelliert Margenburg aber an alle Verantwortlichen, zu überlegen, wo eine Mahd wirklich sinnvoll sei. „Verkehrssicherungspflicht ist klar.“ Aber es gebe auch im innerstädtischen Bereich Orte, die man später mähen könnte. „Wir müssten keine Blühstreifen anlegen, wenn nicht überall alles abgemäht würde.“ Das Insektensterben habe auch mit solchen Mähaktionen zu tun.

Ein abschnittsweises Vorgehen würde Margenburg begrüßen. Dann wären die Wege frei, aber im hinteren Teil könnten Pflanzen noch blühen und Gräser hätten die Chance, die Samenreife zu erlangen. Das diene nicht nur den Insekten, auch die Körner und Samen dienen Wildtieren als Futter. „Gerade in der Brutzeit und so nah an einem Gewässer sollte man nicht so früh mähen“, urteilt der Umwelt-Fachmann. „Aber meist ist das so ausgeschrieben oder ist im Pflegeplan eingetragen, dann wird im innerstädtischen Bereich gemäht.“ Auch wenn es ein paar Wochen später vielleicht sinnvoller sei

Dass man inzwischen umdenke, gibt Dr. Peters bereits zu. „Wir gehen neue Wege. Fahren Kampagnen zu Gunsten von mehr Blühflächen, setzen verstärkt auf klimaresistente Pflanzen“, zählt er auf. Das Team des Grünflächenamtes sei da innovativ.

Blühpflanzen werden vernichtet

Es gleich naturnah zu lassen wäre den Umweltschützern dennoch lieber. Und das Botaniker Margenburg bitterer aufstößt ist die Tatsache, dass „vermutlich aus Kostengründen“ gemäht und gemulcht wird. Durch diese ständige Aufdüngung gingen die Blühpflanzen ein, weil die magere Böden bevorzugten. „So haben wir nur noch Diesteln und Brennnesseln“, so Margenburg.

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