Ein Spaziergang zu späterer Stunde könnte im Kreis Unna schon bald verboten sein, wenn die Ausgangssperre wie geplant kommt. (Symbolfoto) © picture alliance/dpa
Meinung

Macht endlich Schluss mit dem Regel-Wirrwarr und den 1000 Ausnahmen!

Die bundesweite Notbremse soll die dritte Corona-Welle mit einheitlichen, schärferen Einschränkungen brechen. Das Regel-Gewirr ist unerträglich geworden, meint unser Autor.

Es war ein Irrsinn. Während ich in Bergkamen nur noch mit einem negativen Schnelltest in viele Geschäfte gekommen bin, konnte ich ein paar Kilometer weiter in Hamm noch ohne Test einkaufen. Weil dort die Inzidenz etwas niedriger war als im Kreis Unna. Zumindest dieser Unfug ist seit diesem Mittwoch vorbei, weil nun auch in Hamm die Notbremse greift, die im Kreis Unna bereits Ende März gezogen wurde.

Kein harter Brücken-oder-sonstwas-Lockdown ohne zig Ausnahmen

Nun soll die bundesweite Notbremse kommen, die noch einmal verschärfte Regeln im Vergleich zur derzeit geltenden Notbremse mit sich bringt. Mal ehrlich: Blicken Sie da noch durch?

Ich gebe zu: Ich habe nicht mehr jede aktuelle und künftige Regel auf dem Schirm. Mit vielen Leuten darf ich mich gerade noch treffen? Und wie sieht es nächste Woche aus? Für wen gilt die Ausgangssperre und welche Geschäfte dürfen trotz hartem Brücken-oder-was-auch-immer-Lockdown weiter öffnen?

Politiker haben mit Zickzack-Kurs viel Vertrauen verspielt

Klar ist aus meiner Sicht: Mit ihrem Zickzack-Kurs nach dem Motto „Heute lockern, morgen wieder Lockdown“ haben der Bund und die Länder viel Vertrauen in der Bevölkerung verspielt. Viele Menschen sind ohnehin müde von all den Einschränkungen, die uns die Corona-Pandemie seit über einem Jahr abverlangt. Immer öfter vernehme ich in Gesprächen genervte Kommentare wie „Ich kann das alles nicht mehr hören“ und „Das ist doch alles Schwachsinn“.

Klar ist freilich auch: Die Pandemie ist noch nicht überstanden. Im Gegenteil: Die dritte Welle rollt, die Intensivstationen laufen voll. Es führt kein Weg an weiteren Einschränkungen vorbei. Ob eine Ausgangssperre von 21 Uhr abends bis 5 Uhr morgens die Zahlen drückt, daran habe ich so meine Zweifel. Die meisten Menschen sind in dieser Zeit zuhause auf dem Sofa oder im Bett, jedenfalls in meinem Umfeld. Wer arbeiten muss, wird das weiter tun dürfen. Über weitere Ausnahmen wird noch heftig diskutiert.

Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist ein Einkaufstourismus

Im Märkischen Kreis gilt wegen der besonders hohen Inzidenz bereits seit einigen Tagen eine Ausgangssperre, die das Arnsberger Verwaltungsgericht schon wieder einkassieren wollte. Überzeugend wirkt das alles nicht.

Aber es wäre ja schon ein Fortschritt, wenn es wenigstens mal einheitlich wäre. Denn das Letzte, was uns jetzt hilft, ist ein Einkaufstourismus, weil in der Nachbarstadt andere Regeln gelten als im eigenen Wohnort.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
Zur Autorenseite
Kevin Kohues
Lesen Sie jetzt