Erste Arbeiten im Kleingartenverein Heidegraben in Bergkamen: Maik Michels (vorne) schneidet in seinem Kleingarten die trockenen Zweige von Sträuchern. Auch den Vorsitzenden des Vereins Marian Kardelka, zieht es bei dem Wetter zur Parzelle. © Claudia Pott
Kleingärten

Lust auf eigenes Gemüse: Kleingärtner geben Tipps für Garten und Balkon

Die Kleingärtner vom Heidegraben in Bergkamen zieht es am sonnigen Wochenende in die Parzelle. Sie berichten, warum sie ihren Garten lieben und wie man auch auf dem Balkon Kartoffeln anbauen kann.

Alte Äste aus den Sträuchern schneiden, Hecken stutzen, Unkraut jäten und die Erde in den Beeten auflockern. „Das ist wichtig, damit Luft in den Boden kommt und die Wurzeln sich besser ausbreiten können. Das Gemüse wächst so viel besser“, sagt Heinrich Dziuba. Seit mittlerweile elf Jahren besitzen Dziuba und seine Frau eine Parzelle im Kleingartenverein „Am Heidegraben“.

„Ich bin im Garten geboren“, bringt er seine Liebe zu dem Fleckchen Grün zum Ausdruck. Schon seine Eltern hätten einen Garten gehabt, in dem er immer gerne war. Dziuba kennt sich aus mit dem Gärtnern und er weiß, was Garteninhaber und die, die es noch werden wollen, jetzt schon tun können. Sogar einpflanzen könne man schon manches – zum Beispiel Zwiebeln oder Kartoffeln.

Besuch im Kleingartenverein Heidegraben: Vorsitzender Marian Kardelka und seine Frau Agnes konnten die Fische über den Winter im Teich lassen, sie kommen auch mit kalten Temperaturen klar. © Claudia Pott © Claudia Pott

Mit Tomaten oder auch Gurken müsse man aber vorsichtig sein, warnt Dziuba. „Gurken gehen bei unter sechs Grad ein“. Am frühlingshaften Wochenende zieht es viele in ihre Kleingärten. Endlich raus aus den eigenen vier Wänden, in die der Wintereinbruch und die Pandemie viele zwang.

Ob Spazieren gehen, das erste Eis genießen, ausgiebig Radfahren oder eben die Zeit im Kleingarten genießen – am Wochenende zog es viele Bergkamener nach draußen.

Was ein Kleingärtner zu tun hat, entscheidet er selbst

„Es ist ruhig, die Vögel zwitschern. Das hier ist meine Auszeit“, sagt der Altenpfleger Christian Klein. In dem Garten kommt er zur Ruhe, kann den stressigen Corona-Alltag hinter sich lassen. Die Parzelle, in der er gerade ackert, sticht unter den anderen hervor, denn sie erinnert eher an einen Skulpturenpark.

Heinrich Dziuba ist seit elf Jahren Kleingärtner und weiß: Nur wenn der Boden richtig locker ist, kann Gemüse gut wachsen.
Heinrich Dziuba ist seit elf Jahren Kleingärtner und weiß: Nur wenn der Boden richtig locker ist, kann Gemüse gut wachsen. © Claudia Pott © Claudia Pott

„Unser Garten ist etwas anders“, schmunzelt Klein, der demnächst die zahlreichen weißen Figuren, die darin verteilt stehen, säubern und neu anstreichen will. Was man als Kleingärtner so zu tun hat, hängt also auch mit der Art des Gartens und den eigenen Vorlieben zusammen. Die Arbeit scheint jedenfalls nicht auszugehen.

Aber macht ein Kleingarten wirklich so viel Arbeit? Das dürfte vor allem jene interessieren, die jetzt überlegen, sich einen anzuschaffen. „Es hört sich nach viel Arbeit an, aber im Sommer wird der Kleingarten zur Ruheoase, man erfreut sich an den Blüten, die Kinder spielen im Garten oder auf dem Spielplatz und abends wird gegrillt“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Marian Kardelka.

Vereinsheim im Kleingarten wird in der Corona-Pause renoviert

Gemeinschaft, Rückzugsort, eigenes Gemüse und Spielmöglichkeiten für Kinder: Besonders junge Menschen und Familie entdecken Kleingärten seit ein paar Jahren immer mehr für sich, weiß Kardelka. Aktuell haben sie auch gute Chancen, denn es gebe einige langjährige Gartenbesitzer, die ihre Parzelle verkaufen und die jüngere Generation rutscht nach.

Zwar gibt es aktuell eine Warteliste, aber wer auf dieser steht, muss nicht unbedingt lange warten. Wird eine Parzelle frei, gibt es ein Bewerbungsverfahren. Wer wirklich für den eigenen Garten brennt und ihn auch pflegen wird, hat dann die besten Chancen. Interessierte können sich jederzeit bei Kardelka melden (Tel. 0163/56 89 61 4).

Kleingärtner müssen erst einmal ihren eigenen Rhythmus finden

Junge Familien sollten sich dabei Zeit lassen, wie der Familienvater Maik Michel weiß, den es am frühlingshaften Wochenende ebenfalls in den Garten zieht. Seine Familie pflegt den Kleingarten mittlerweile seit fünf Jahren. Bis richtig Routine eingekehrt ist und sich Abläufe eingespielt haben, hat es etwas gedauert.

Der Kleingarten, in dem Christian Klein gerade Sträucher stutzt unterscheidet sich von vielen anderen Gärten. „Ich mag Skulpturen, vor allem Löwen“, erzählt er. © Claudia Pott © Claudia Pott

„Nach zwei, drei Jahren war die Arbeit nicht mehr so mühselig wie anfangs. Gestern Nachmittag waren wir hier und haben uns später gewundert, wie viel wir in so kurzer Zeit geschafft haben“, sagt Michel. Wer zum Beispiel im Herbst ganze Arbeit bei den Wintervorbereitungen leistet, hat im Frühling weniger Arbeit. Auch beim Kleingärtner gilt also offenbar: Übung macht den Meister.

Und das, was am Ende dabei herauskommt bzw. geerntet wird, ist jede Mühe wert. Michel habe früher keine Zucchini gemocht, seitdem er sie selbst anbaut, kann er kaum noch ohne – sie landen zum Beispiel auf dem Grill. „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, findet auch Heinrich Dziuba. Nicht einmal Bio-Gemüse komme geschmacklich an selbst angebautes Gemüse ran.

Tipps für das erste Gemüse im eigenen Garten oder auf dem Balkon

Doch freilich: Nicht jeder kann sich einen Kleingarten leisten bzw. hat das Glück einen zu bekommen. Und es gibt genug Bergkamener, die keinen eigenen Garten haben. Auch für sie finden die Kleingärtner vom Heidengraben Tipps, wie man trotzdem eigenes Gemüse anbauen kann kann, denn auch auf dem Balkon und in der Wohnung ist so manches möglich, wie Michel erklärt. Gerade jetzt in der Pandemie ist das ein schönes Hobby. Drei seiner Tipps lauten:

  • Tipp 1 – Vorziehen auf der Fensterbank: Bevor die Tomaten oder Paprika in den Garten oder in großen Töpfen auf dem Balkon eingepflanzt werden, kann man sie am Fenster vorziehen. Dafür einfach die Kerne einer Tomate ein paar Tage trocknen, einpflanzen und den Topf an eine sonnige Stelle ans Fenster stellen. „Auch wenn es draußen kalt ist, wachsen die Pflanzen an einem Sonnenplatz gut.“ Sind sie dann stabil, können sie später auf den Balkon oder im Fall Michel in den Kleingarten.
  • Tipp 2 – Kartoffeln ohne Ende: Wie auch bei den Tomaten sorgt Familie Michel auch bei den Kartoffeln selber für „Nachwuchs“. Dafür einfach Kartoffeln im Keller keimen lassen und dann einpflanzen. Das könnte man auch sogar jetzt schon tun. Übrigens: Es gibt auch spezielle, tiefe Eimer für den Balkon, die die Kartoffelernte auch ohne Garten ermöglichen.
  • Tipp 3 – Erdbeeren gehen immer: Gartenanfänger stehen zunächst vor der Frage, was sie wann einpflanzen sollten. Jetzt könnten langsam Zwiebeln und Knoblauch eingepflanzt werden, sobald die Temperaturen konstant mild bleiben, folgen Tomaten, Gurken, Möhren Zucchini und Co. Damit könnte man im April anfangen. Übrigens: Erdbeeren sind winterfest und können immer eingepflanzt werden. Sie kommen dann von alleine Jahr für Jahr wieder.
Die ersten Krokusse blühen schon und auch manche Tulpe zeigt sich schon. Mitten im Februar kamen am Wochenende Frühlingsgefühle auf. © Claudia Pott © Claudia Pott

Als Kleingärtner gehört man einer Gemeinschaft an

Doch im Kleingarten dreht sich nicht alles nur um Gemüse und Co., wie der Vorsitzende Kardelka erklärt. Der Verein sei eine Gemeinschaft. Wenn nicht gerade eine Pandemie wütet, werden hier Feste gefeiert oder in Gemeinschaftsaktionen die Anlage auf Vordermann gebracht – was sich zusammen sicherlich gar nicht so sehr nach Arbeit anfühlt. Und die Belohnung, eine eigene Oase zu haben, ist es sicherlich wert.

Während der anhaltenden Pandemie bleibt das große Vereinsheim, das sonst gerne für Geburtstage, Feiern und sogar Hochzeiten gemietet wurde, jedoch leer. Auch wenn dadurch Einnahmen fehlen, nutzt der Verein die Zeit sinnvoll. Das 1985 errichtete Heim wird renoviert und eine neue Küche eingebaut. Auch eine Licht- und Musikanlage wurde neu angeschafft: Sobald die Pandemie überstanden ist, möchte der Verein ein Komplettpaket für Feiern bieten. Dass der Bedarf nach Gemeinschaft und Festen bei den Bergkamenern dann groß sein wird, steht wohl außer Frage. (Kontakt: Tel. 0163/56 89 61 4).

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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