Der Wirt der Schützenheide, Sascha Djuric, in seinem Element am Herd. Er fürchtet, dass er trotz Abholservice nicht mehr lange durchhält. Die versprochenen finanziellen Hilfen vom Staat sind noch nicht angekommen, sagt er. © Marcel Drawe
Corona-Pandemie

Lockdown für Restaurants bis Ostern: „Das wäre für die Schützenheide fatal“

Anfang November musste Wirt Sascha Djuric die Schützenheide schließen. Seitdem versucht er, sich mit einem Abholservice über Wasser zu halten. Das hält er aber nicht mehr lange durch, fürchtet er.

Sascha Djuric steht am Herd und flambiert eines der Essen, die er auf seiner Speisekarte in der Corona-Pandemie hat. An der Arbeit in der Küche hat er sichtlich Spaß, aber ansonsten ist seine Stimmung ziemlich am Boden. Der Wirt der Schützenheide musste sein Restaurant am 2. November so wie alle anderen Gastronomen schließen – immerhin eines der größten und beliebtesten in Bergkamen.

Noch keine finanzielle Hilfe vom Staat angekommen

Seitdem versucht er, sich irgendwie über Wasser zu halten. Das fällt ihm nicht leicht. Von den Hilfen, die der Bund schon zu Beginn des sogenannten Lockdown Light versprochen hat, ist bisher nichts bei ihm angekommen, sagt Djuric. Ab dem 26. November sei es möglich gewesen, die Hilfe zu beantragen. „Das habe ich auch sofort gemacht“, sagt der Wirt. Bis zu dieser Woche war aber weder Geld eingegangen noch hatte er einen Bescheid bekommen.

So wie ihm geht es den meisten anderen Gastwirten in Bergkamen. Auch die warten noch auf die versprochenen finanziellen Hilfen. Das ausbleibende Geld und das schon seit zweieinhalb Monaten geschlossene Restaurant drücken bei Djuric aufs Gemüt. „Es ist sehr schwer zwischendurch“, sagt er, „Aber was soll man machen.“

Marijana Djuric an der Übergabe-Stelle für die Essens-Tüten: Das Ehepaar erledigt den kompletten Abholservice allein. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Er versucht mit einem Abholservice die Zeit bis zur Wiedereröffnung seines Restaurants zu überbrücken – so wie viele seiner Berufskollegen. Dafür benötigt er aber nicht sein komplettes Personal. Er hat für alle Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet und mit seiner Frau Marijana den Betrieb allein übernommen.

Abholservice wird nur mäßig angenommen

Darüber hinaus hat Djuric viele Initiativen gestartet, um bei seinen Gästen im Gedächtnis zu bleiben – zum Teil aber auch, um sich in der Pandemie solidarisch zu zeigen. Er hat zum Beispiel kostenlose Essen an das Rote Kreuz ausgegeben. Das war schon im ersten Lockdown im Frühjahr. Er hatte im Dezember beispielsweise einen Weihnachtsbaumverkauf, bei dem es auch Bratwurst vom Grill gab.

Im Frühjahrs-Lockdown 2020 spendete der Wirt Essen an das Rote Kreuz. Damals gab es noch keine Maskenpflicht. © Archiv © Archiv

Ausgezahlt haben sich diese Aktionen für ihn jedoch nur mäßig, wenn es um den Umsatz mit dem Außer-Haus-Verkauf geht, der zurzeit seine einzige Einnahmequelle ist. Damit erziele er allenfalls gerade einmal fünf Prozent des gewohnten Umsatzes, den er gemacht hatte, bevor er die Schützenheide in der Corona-Pandemie schließen musste.

Erlöse des Außer-Haus-Verkauf decken die laufenden Kosten nicht

In der Woche lohne sich der Außer-Haus-Verkauf von Essen eigentlich nicht. „Wir haben kaum Bestellungen“, sagt er. Am Wochenende ist die Situation etwas besser, aber weit entfernt davon befriedigend zu sein. Er denkt daran sein Angebot einzuschränken und nur noch abends Essen anzubieten. „Ich weiß aber noch nicht wann“, sagt Djuric.

Auch zu Weihnachten spendete Djuric ans DRK – diesmal mit Maske. © Stefan Milk © Stefan Milk

Was ihm besonders zu schaffen macht, sind die täglichen neuen Hiobsbotschaften, die er aus Berlin hört. Mutmaßungen der Lockdown könne angesichts der immer noch hohen Ansteckungsrate immer weiter verlängert werden – möglicherweise bis Ostern – lösen bei ihm Existenzängste aus. Der Ostersonntag ist in diesem Jahr am 4. April. „Dann ist das Restaurant schon fünf Monate geschlossen, wenn wir nicht früher wieder aufmachen dürfen“, rechnet Djuric vor.

„Das wäre für die Schützenheide fatal“, sagt er. Fünf Monate fast ohne Einnahmen, in denen aber die festen Kosten wie Miete und Strom weiterlaufen. Er kann sich im Moment nicht vorstellen, dass er mit der Schützenheide noch so lange durchhalten kann. Wenn der Lockdown nicht früher endet, könne es sein, dass er sein Restaurant überhaupt nicht wieder aufmacht – weil er bis dahin pleite ist.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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