Letzter Wunsch eines Verstorbenen: Eine Fahrt über die neue Brücke

dzJahnstraße

Klaus Schäfer durfte schon einen Tag vor der Freigabe über die neue Jahnstraßen-Brücke fahren: Der Bestatter lenkte den Leichenwagen auf dem Weg zur Beerdigung und erfüllte den Wunsch des Toten.

Bergkamen

, 25.02.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das erste Auto, das über die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht freigegebene neue Jahnstraßen-Brücke fuhr, war ein Leichenwagen. Am Steuer saß der Bergkamener Bestatter Klaus Schäfer, auf dem Beifahrersitz Pfarrer Reinhard Chudaska. Die beiden erfüllten damit den letzten Wunsch eines Verstorbenen:

Horst Brüggemann starb in der vergangenen Woche im Alter von 98 Jahren. Ihm gehört einst die Gaststätte Haus Brüggemann.

Horst Brüggemann beobachtete die Bauarbeiten

Das Gebäude gibt es noch. Es steht an der Jahnstraße/Ecke Waldstraße. Mit Blick auf die die Bahnstrecke. Und auf die werdende Brücke über die Gleise. Horst Brüggemann, der noch immer an der Jahnstraße wohnte, hatte die Bauarbeiten seit ihrem Beginn im Sommer 2018 beobachtet. Mit großem Interesse sah er, wie das Bauwerk heranwuchs. Wie Schäfer von Angehörigen erfuhr, wollte er es unbedingt noch erleben, über die neue Brücke zu gehen. Das war ihm zu Lebzeiten nicht vergönnt.

Bestatter Klaus Schäfer (M.) hat die Fahrt des Verstorbenen über die Brücke ermöglicht

Bestatter Klaus Schäfer (M.) hat die Fahrt des Verstorbenen über die Brücke ermöglicht © Stefan Milk

Aber da die Brücke praktisch schon fertig war, erfüllte ihm Bestatter Schäfer diesen letzten Wunsch zumindest posthum. Am Donnerstag, einen Tag vor der Brückenfreigabe, steuerte Schäfer den Leichenwagen auf dem Weg zur Beerdigung über die Brücke. Als einziges Fahrzeug: Die anderen Mitglieder der Trauergesellschaft mussten wegen der eigentlich noch gesperrten Jahnstraße die Umleitung fahren. Horst Brüggemann fand seine letzte Ruhe auf dem evangelischen Friedhof in Heil. Der befindet sich am Westenhellweg auf der Nordseite des Datteln-Hamm-Kanals. Das Haus Brüggemann steht im südlichen Teil von Heil.

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Straßen NRW zeigt Verständnis

Natürlich hat Klaus Schäfer nicht einfach die Absperrungen auf der Jahnstraße zur Seite geräumt, sondern sich mit dem zuständigen Bauleiter von Straßen NRW abgestimmt. Der hatte Verständnis für die ungewöhnliche Aktion: „Wir haben das auf dem kleinen Dienstweg geregelt“, sagt der Bestatter.

Die Fahrt über die Brücke war auch für Schäfer etwas Außergewöhnliches. Allerdings komme es durchaus vor, dass er auf der Fahrt zum Friedhof den letzten Wunsch des Verstorbenen berücksichtigt. So nehme er schon mal einen Umweg, um an dem Haus des Toten vorbeizufahren oder an einem Ort, der ihm besonders am Herzen gelegen habe, sagt Schäfer.

Eine Erstlingsfahrt über ein neues Bauwerk habe er aber auch noch nicht erlebt, sagt. „Wir haben die Brücke gewissermaßen eingeweiht“, sagt er. Zumal er ja auch einen Pfarrer an seiner Seite hatte.

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