Lehrer musste nach Schulhof-Attacke vorzeitig in den Ruhestand

dzProzess in Dortmund

Der Angriff auf einen Lehrer der Willy-Brandt-Schule beschäftigt das Dortmunder Landgericht. Dabei wird deutlich, wie schwer die Attacke den Pädagogen getroffen hat.

Bergkamen

, 04.06.2020, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der Vernehmung einer Vielzahl von Zeugen steht inzwischen fest, dass der 36-jährige Angeklagte mit seiner Version der Geschichte ziemlich alleine dasteht. Er behauptet weiterhin steif und fest, er sei an jenem 12. April 2018 bei einem Besuch auf dem Schulhof seiner Tochter grundlos von einem Aufsicht führenden Lehrer angegriffen und mit einer Aktentasche geschlagen worden. Nur deshalb habe er sich mit einem japanischen Würgeholz gewehrt.

Die Zeugen erinnern sich jedoch an einen ganz anderen Tathergang. Danach wurde der Angeklagte sofort aggressiv, als der Lehrer ihn auf dem Schulhof ansprach und zum Verlassen des Geländes aufforderte. Mehrmals soll er mit der fernöstlichen Waffe auf den Pädagogen eingeprügelt haben. Dabei erlitt der Mann mehrere Blutergüsse an den Armen.

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Psychische Beeinträchtigung

Die körperlichen Verletzungen waren jedoch bei weitem nicht die schlimmsten Folgen der Attacke. Vor allem psychisch erlitt der Lehrer einen Knacks, wie bei seiner Zeugenvernehmung im Landgericht deutlich wurde. Fest steht: Seit jenem Apriltag ist der Pädagoge nicht wieder in der Schule gewesen. Inzwischen wurde er sogar vorzeitig in den Ruhestand versetzt - nachdem die Bezirksregierung den Vorfall als Dienstunfall anerkannt hatte.

Nach der Schlägerei soll der Angeklagte weitere Passanten bedroht haben, indem er mit dem Auto auf sie zuraste. Doch auch diesen Vorwurf streitet der 36-Jährige ab. Auf die Frage des Richters, wie es ihm derzeit gehe, antwortete der Mann am Donnerstag: „Schlecht. Das liegt alles an diesen Anschuldigungen, die einfach nicht wahr sind.“

Zahlreiche Polizeieinsätze

Tatsache ist aber auch, dass die Polizei in Bergkamen den Angeklagten mit einigem Recht als Stammkunden bezeichnen kann. Staatsanwalt Michael Wirriger überreichte dem Gericht jetzt einen ganzen Stapel von Einsatzprotokollen. Mindestens 40 Mal musste die Polizei in den vergangenen Wochen und Monaten ausrücken, um den 36-Jährigen aufzugreifen und zumindest kurzzeitig festzuhalten.

Auch in seiner Nachbarschaft ist der Angeklagte inzwischen gefürchtet. Ein Ehepaar, das in seiner Nähe wohnt, soll von ihm immer wieder bedroht und belästigt worden sein. „Wenn wir keine Eigentumswohnung hätten, sondern zur Mieter wohnen würden, wären wir schon lange weg“, hieß es im Gericht.

Ob die Vorwürfe am Ende dazu reichen, den Angeklagten in die geschlossene Psychiatrie einweisen zu können, wird sich zeigen.

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