Die Stadt Bergkamen setzt in den Schulen aufs Lüften beim Kampf gegen Corona. Von Lüftungsanlagen hält Bürgermeister Bernd Schäfer nicht viel. © picture alliance/dpa
Unterricht nach den Ferien

Lange Unterhose statt Lüfter beim Kampf gegen Corona

Die Schüler sollen nach den Ferien wieder Präsenzunterricht haben. Die Stadt trifft dafür nur die Vorkehrungen, die das Schulministerium fordert. Lüfter gibt es nicht, dafür einen Tipp vom Bürgermeister.

Wenn die Schule nach den Sommerferien am 18. August wieder beginnt, gilt auch für die Bergkamener Schüler Präsenzunterricht – vorausgesetzt das Infektionsgeschehen ändert sich nicht dramatisch. Besondere Vorbereitungen trifft die Stadt Bergkamen als Schulträger nicht – zumindest nicht über die Vorgaben hinaus, die das NRW-Schulministerium macht.

Vor allem wird es auch weiterhin keine Lüfteranlagen in Schulen geben, die Viren – einschließlich der Coronaviren – aus der Raumluft ausfiltern könnten. Die Linke war schon im Dezember mit einem entsprechenden Antrag an der rot-grünen Mehrheit im Stadtrat gescheitert. Auch die CDU, die erst ihre Zustimmung signalisiert hatte, stimmte angesichts von Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro für alle Bergkamener Schulen dagegen.

Vincent Brecht (16) gibt zu, dass es nicht immer leicht war, sich im Homeschooling zu motivieren. In der Schule fällt das lernen leichter. © Stefan Milk © Stefan Milk

An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert. Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD) hält die Anschaffung von Lüftungsanlagen nicht nur für teuer, sondern auch für überflüssig. Er ist fest davon überzeugt, dass regelmäßiges Lüften deutlich effektiver ist als die Anschaffung von Lüftungsanlagen.

Die ersetzten nicht das Querlüften und würden auch nicht vom Land gefördert, sagt er.

Die Schulen hatten dagegen schon im vergangenen Winter deutlich gemacht, dass sie sich den Einsatz von Luftfiltern wünschen würden. Unter anderen hatte Dr. Jennifer Lach, die Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule, berichtet, dass viele Schüler im Unterricht frieren, wenn alle 20 Minuten die Fenster für das Querlüften aufgerissen werden. Das sei alles andere als eine Ideallösung, so Lach. Sie hatte von Schülern in dicken Jacken, Mützen und mit haufenweise Kuscheldecken berichtet, um sich im Unterricht warm zu halten.

Bürgermeister empfiehlt lange Unterhosen

In eine ähnliche Richtung geht auch die Empfehlung des Bürgermeisters für die kalten Tage im Winter – offenbar noch geprägt von den Erfahrungen in der eigenen Kindheit und Jugend in den 70er- und frühen-80er Jahren. Eine lange Unterhose sei ein gutes Mittel gegen die Kälte im Klassenraum, sagte er.

Schuldezernentin Christine Busch äußerte sich trotz Anfrage nicht zu der Frage, wie es nach den Ferien in den Schulen weitergehen soll.

Die Sicht des Bürgermeisters stützen auch die Verbraucherzentralen, die davon ausgehen, dass Lüften besser ist als Luftfilter. Es gibt aber auch eine Studie der Uni Münster, die zeigt, dass die richtigen Luftfilter die Virenlast in der Raumluft deutlich mehr verringern als Lüften. Bei einem entsprechenden Experiment wurden 99,995 Prozent der Viren ausgefiltert.

Viren und Aerosole sollen die Luftreinigungsgeräte aus der Umgebungsluft filtern (Symbolfoto). In Fröndenberg hat man bereits Geräte mit Mitteln eines Förderprogramms des Landes angeschafft. © dpa © dpa

Einige Firmen, die ihre Büros mit solchen Luftfiltern ausgerüstet haben, sehen einen positiven Effekt, auch wenn die Pandemie irgendwann beendet ist: Sie filtern nicht nur Coronaviren aus, sondern auch andere Krankheitserreger, die sich in Aerosolen befinden. Die Ansteckungsgefahr mit Erkältungsviren würde ebenfalls reduziert.

Immerhin hatte der Bürgermeister auch eine gute Botschaft für alle Test-geplagten Schüler. Für die zweimal pro Woche vorgeschriebenen Tests für alle Schüler sollen auch im kommenden Schuljahr die deutlich angenehmeren Lolli-Tests zur Verfügung stehen.

Ansonsten gelten auch weiterhin die Regelungen der Coronaschutzverordung und des Schulministeriums NRW: Schüler müssen sich an die AHA-Regeln halten. Außerdem müssen sie in geschlossenen Räumen weiterhin medizinische Masken tragen. Verzichten können sie auf die Masken nur im Außenbereich.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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