Lange Leitung beim schnellen Internet – das Glasfasernetz ist 2024 fertig

dzBreitbandausbau

Der Breitbandbetrieb Bergkamen macht einen großen Schritt beim Bau eines Glasfasernetzes in Bergkamen, Kamen und Bönen. Trotzdem müssen Kunden noch länger aufs schnelle Netz warten.

Bergkamen

, 29.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den nächsten Wochen kommt der Ausbau eines schnellen Glasfasernetzes für Bergkamen, Kamen und Bönen einen entscheidenden Schritt voran. Die Vergabe der „Feinplanung“ steht unmittelbar bevor. Das bedeutet aber nicht, dass sich die ersten Bürger oder Unternehmen in den drei Kommunen schon bald ans schnelle Netz anschließen lassen können.

Marc Alexander Ulrich, Dezernent in der Bergkamener Stadtverwaltung und Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs „Breitband Bergkamen“ (BBB), rechnet damit, dass die Feinplanung 18 bis 20 Monate dauert. Die Planung des Glasfasernetzes sei in einer so dicht besiedelten Region nicht einfach, erläutert Ulrich.

Das Verlegen der Kabel ist nicht so schwierig wie die Planung des Netzes. Sie nimmt allein schon bis zu 20 Monate in Anspruch.

Das Verlegen der Kabel ist nicht so schwierig wie die Planung des Netzes. Sie nimmt allein schon bis zu 20 Monate in Anspruch. © Helga Felgenträger

Planung muss mit vielen Institutionen abgestimmt werden

Die Glasfaserkabel müssen Autobahnen, Eisenbahnlinien und den Datteln-Hamm-Kanal unterqueren. Biotope und Naturschutzgebiete müssen berücksichtigt werden, denn sie dürfen nicht einfach durchquert werden. Außerdem muss das Büro berücksichtigen, dass sich möglichst viele Haushalte und Gewerbebetriebe in allen drei Kommunen möglichst leicht an das schnelle Netz anschließen lassen.

Jetzt lesen

Von allen möglichen Institutionen – von der Landesbehörde Straßen NRW über die Bahn bis zum Wasser- und Schifffahrtsamt – sind Genehmigungen erforderlich.

Außerdem soll das Netz so geplant werden, dass es auch für die kommenden Jahrzehnte ausreichende Reserven hat. Ulrich geht davon aus, dass auch private Haushalte in einigen Jahren auf deutlich größere Bandbreiten angewiesen sind – zum Beispiel für die Online-Sprechstunde beim Arzt.

Die Grobplanung sieht vor, die Glasfaserkabel in die sogenannten „Weißen Flecken“ zu verlegen. Es ist aber deutlich zu sehen, dass dadurch auch die dichter besiedelten Bereiche leicht angeschlossen werden können.

Die Grobplanung sieht vor, die Glasfaserkabel in die sogenannten „Weißen Flecken“ zu verlegen. Es ist aber deutlich zu sehen, dass dadurch auch die dichter besiedelten Bereiche leicht angeschlossen werden können.

Netz ist auch für Kunden außerhalb der „Weißen Flecken“ gedacht

Eigentlich hat Bergkamen federführend für alle drei Kommunen Fördermittel beantragt, um die sogenannten „Weißen Flecken“ mit Glasfaserkabeln zu erschließen. Dabei handelt es sich um die, meist ländlichen Bereiche, die eine besonders schlechte Anbindung ans Netz haben. Ziel war aber von Anfang an, über diese Kabel auch die dichter besiedelten Bereiche anzuschließen. Daher muss der Feinplaner auch schon möglichst gebietsscharf erfassen, welche Bereiche wo angeschlossen werden können.

Jetzt lesen

Der BBB-Geschäftsführer geht davon aus, dass das Glasfasernetz ab 2022 gebaut werden kann. Zuvor müssen aber auch diese Arbeiten öffentlich ausgeschrieben werden. Erst nachdem der Preis für das Netz feststeht, kann der BBB die endgültigen Förderanträge für den Breitbandausbau stellen. Grundsätzlich haben der Bund und das Land zwar eine Förderung bewilligt. Die endgültigen Förderbeträge stehen aber erst fest, wenn die endgültigen Kosten ermittelt sind.

Spätestens für Dienste wie die Online-Sprechstunde beim Arzt sind auch für Private größere Bandbreiten erforderlich.

Spätestens für Dienste wie die Online-Sprechstunde beim Arzt sind auch für Private größere Bandbreiten erforderlich. © pa/obs BKK Mobil Oil

Auch der Netz-Bau dauert wahrscheinlich über ein Jahr

Der anschließende Bau des Glasfasernetzes sei deutlich einfacher als die Planung, meint Ulrich.

Glasfaser

Bergkamen ist beim Netzausbau federführend

  • Bergkamen hat federführend auch für Kamen und Bönen den Breitbandausbau mit übernommen.
  • Die drei Kommunen haben einen gemeinsamen Förderantrag gestellt, weil sie sich dadurch größere Chancen auf eine Förderung erhofften.
  • Tatsächlich haben Land und Bund rund 14 Millionen Euro für den Weiße-Flecken-Ausbau zugesagt.
  • In einem Ausschreibungsverfahren haben sie bereits den regionalen Anbieter „Helinet“ aus Hamm als späteren Betreiber für das Breitbandnetz gefunden.
  • Parallel betreibt der BBB auch die Breitband-Anbindung von Schulen in Bergkamen und Kamen und von Gewerbegebieten.
  • Dafür gibt es Geld aus anderen Fördertöpfen.

Trotzdem geht er davon aus, dass die Bauzeit für das Glasfasernetz weitere 12 bis 18 Monate beansprucht. Das liegt unter anderem daran, dass es für relativ viele Menschen gedacht ist. Der Versorgungsbereich in den drei Kommunen habe insgesamt immerhin etwa 120.000 Einwohner, meint der BBB-Geschäftsführer. Das sind etwa so viele wie in einer kleineren Großstadt.

Entsprechend lang sind die Leitungen, die verlegt werden müssen. Ulrich geht von insgesamt 160 bis 200 Kilometern Glasfaserkabel aus.

Im Jahr 2024 soll es dann so weit sein, dass das Netz steht und die ersten angeschlossen werden können. „Damit sind wir wahrscheinlich nicht die schnellsten. Aber wir haben ein solides Netz mit vielen Reserven für die Zukunft“, sagt Ulrich.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Automatensprengungen
Angst vor Sprengungen: Sparkasse nimmt Geldautomaten in Unna und Fröndenberg vom Netz
Hellweger Anzeiger Streit um Einkaufszentrum
Turmarkaden: Investoren setzen ihre Anwälte in Marsch, die Politik fühlt sich getäuscht
Hellweger Anzeiger Eichenprozessionsspinner
Mit Video: So kämpft die Stadt Bergkamen gegen gefährliche Raupen in den Eichen
Hellweger Anzeiger Betrugsprozess in Dortmund
Rüffel vom Gericht: Angeklagter Gastro-Großhändler hat seinen Lebenslauf nicht parat