Blühstreifen und Zwischenfrüchte für Insekten- und Gewässerschutz

dzLandwirtschaft

Schon jetzt stellen die Landwirte die Weichen für neue Blühstreifen. Das soll bedrohten Insekten Lebensraum verschaffen. Umweltschutzziele werden außerdem mit sogenannten Zwischenfrüchten erreicht.

von Werner Wiggermann

Bergkamen

, 12.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Blühstreifen haben die heimischen Landwirte ein Zeichen für ökologisch verantwortliches Wirtschaften gesetzt. Selbst jetzt noch kann man manchmal das Leben darin beobachten, sagt Heinz-Dieter Kortenbruck, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Bergkamen, „Kleinvögel zum Beispiel, die Maden suchen. Ein starker Beitrag zum Artenschutz“ - und der soll fortgesetzt werden.

Auf unterschiedliche Weise übrigens. Einige Streifen bleiben einfach unbearbeitet und werden im kommenden Frühjahr wieder erblühen; an anderen Flächen sieht man nur die Absicht einer neuen Blühpflanzen-Aussaat. Etwa dann, wenn auf einem Feld bereits das sprießende Wintergetreide zu sehen ist, am Rand daneben aber nur der gepflügte Acker. Das sei logistisch etwas einfacher als die Variante, die ganze Fläche erst im Frühjahr zu bestellen. Zum Beispiel wenn der Blühstreifen am Rand eines Kartoffelackers platziert ist.

Landwirte machen neue Erfahrungen

Einige Erfahrungen müssen die Landwirte bei der Suche nach dem besten Kombinationsrezept übrigens selbst machen. So hat Heinz-Dieter Kortenbruck in diesem Jahr festgestellt, dass Roggen als Fruchtfolge auf einen Blühstreifen nicht gut gedeiht. Das sei bisher nicht bekannt gewesen. Besser sei es offenbar, in einer solchen Kombination den Blühstreifen an seinem Ort zu belassen.

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Unterm Strich seien die Landwirte aber überzeugt von der Blühstreifen-Idee. Das zeige auch ihr Einsatz: Das Saatgut wurde zwar gesponsort, Maschineneinsatz und eigene Arbeit mussten sie aber selbst einbringen. „Das ist es den Landwirten aber wert“, versichert Kortenbruck. Wie weit das Ziel erreicht wurde, besonders etwas für bedrohte Insektenarten zu tun, muss im Detail noch untersucht werden.

Bachelor-Arbeiten zum Thema

Wird es aber auch, versichert Petra Drees-Hagen, Pressesprecherin des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Zahlen und Fakten wertet die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft aus. „Es gibt auch schon einige Bachelor-Arbeiten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagt Drees-Hagen.

Dass auch in den vergangenen Wochen prachtvolle Blüten im späten Herbst zu beobachten waren, hat indessen weniger mit dem Konzept der Insektenwiesen am Ackerrand zu tun. Und es handelt sich auch nicht um winterfesten Raps, wenn ein ganzes Feld Ende Oktober gelb leuchtet. Sehr wohl könnte es sich aber um Senf handeln, der als „Zwischenfrucht“ ausgesät wurde.

Zwischenfrüchte haben viele Vorteile

„Wird das Getreide im Sommer geerntet und soll die nächste Frucht – wie Mais oder Rüben - erst im nächsten Frühjahr ausgesät werden, bestellen wir Landwirte unsere Felder häufig mit einer ,Frucht zwischen den Früchten‘, der Zwischenfrucht“, erklärt Kreisverbandsvorsitzender Hans-Heinrich Wortmann.

Solche „Zwischenfrüchte“ können entweder als Viehfutter oder als Material in Biogasanlagen genutzt werden - oder sie dienen in erster Linie der Bodenverbesserung.

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Eine positive Funktion erfüllen sie auch für den Gewässerschutz. Indem solche Pflanzen nämlich Nährstoffe aufnehmen und verwerten, die sonst durch den Regen ins Grundwasser gespült würden.

Besonders trickreich lassen sich die Zwischenfrüchte darüber hinaus als natürliche „Pflanzenschutzmittel“ für Zuckerrüben einsetzen. Senf-Pflanzen locken die gleichen Schädlinge an, die sonst später die Rüben schädigen würden. Da sie in der Senfpflanze aber nicht überleben können, haben‘s die Rüben anschließend leichter.

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