Land verbietet Musikunterricht der Musikschule in den Bergkamener Kindergärten

dzMusikalische Früherziehung

In den Kindergärten sammeln Kinder erste musikalische Erfahrungen. Aber die Musiklehrer der Musikschule dürfen dort jetzt nicht mehr tätig werden. Das Land NRW hat etwas dagegen.

Bergkamen

, 10.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit vielen Jahren kommen Musiklehrer der Städtischen Musikschule in die Kindertagesstätten, um den Kindern Musikunterricht zu geben. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Das Land verbietet den Kindergartenträgern Aktivitäten, für die Eltern über die üblichen Kita-Beiträge hinaus bezahlen müssen.

Genau das war bei der „Musikalischen Früherziehung“, wie die Musikschule ihr Kita-Angebot nennt, der Fall. Die Eltern konnten es buchen, mussten aber dafür zahlen. Väter und Mütter, die Hartz IV oder eine ähnliche Leistung beziehen, konnten die Musikkurse über das so genannte „Bildungs- und Teilhabe-Paket“ finanzieren.

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Der Landes-Erlass ist schon fünf Jahre alt

Der Erlass des Landes stammt eigentlich schon aus dem Jahr 2015. Damals sei es um ein Institut gegangen, das gegen Bezahlung Englisch-Unterricht im Kindergarten anbieten wollte, berichtet der Leiter des städtischen Jugendamtes, Ludger Kortendiek. In Bergkamen sei es aber nicht zum Zuge gekommen. Laut Kortendiek wurde der Erlass im Jahr 2017 noch einmal erneuert - offenbar hat bei der Stadt und bei den anderen Kindergartenträgern dabei aber niemand an die Kurse der Musikschule gedacht.

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Bis das Landesjugendamt Ende August ein Rundschreiben aufsetzte, das noch einmal auf das Verbot zusätzlicher Elternbeiträge hinweist. Darin ist als Beispiel die musikalische Früherziehung genannt, die nur angeboten werden darf, wenn „alle betreuten Kinder diese Angebote ohne zusätzliche Beiträge wahrnehmen können“.

Musikschule will nicht kostenlos arbeiten

Die Stadt und die anderen Träger bekommen zwar Zuschüsse vom Land, sagt Kortendiek. Aber das reiche nicht, um den Musikunterricht zu finanzieren. Die Musikschule könne ihre Dienste aber auch nicht kostenlos anbieten, sagte deren stellvertretender Leiter Thorsten Lange-Rettich.

Im Moment gibt es wegen der Corona-Einschränkungen ohnehin keine musikalische Früherziehung in den Kitas. Wenn die Musiklehrer sie wieder betreten dürfen, will die Stadt zumindest die begonnenen Kurse zu Ende führen. Wie die anderen Träger vorgehen, ist noch nicht klar.

Laut Kortendiek ist es denkbar, die kostenpflichtige musikalische Früherziehung nach dem Ende der Betreuungszeit in den Kindergärten anzubieten – das würde nicht gegen die Landesregel verstoßen. Thorsten Lange-Rettich von der Musikschule hält nicht allzu viel von dieser Alternative: „Das würde sicherlich nicht den Vorstellungen der Eltern entsprechen.“

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