L 821n-Gegner demonstrieren bei Sturm und Regen und im Karnevalskostüm

dzProtestmarsch

Der harte Kern der L 821n-Gegner lässt sich auch von Regen und Sturmböen nicht vom Protestmarsch abhalten. Dass der weniger Zulauf als frühere Demos findet, liegt womöglich nicht nur am Wetter.

Bergkamen

, 23.02.2020, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eines kann man den Gegnern der L 821n wirklich nicht vorwerfen: Dass sie Schönwetter-Demonstranten sind. Diese Bezeichnung trifft auf diejenigen keinesfalls zu, die am Sonntagnachmittag zum Protestmarsch gegen den Straßenbau gekommen waren: Sie demonstrierten trotz Regen und Sturmböen.

Etwa 50 Gegner der L 821n kommen zur Demo

Allerdings blieb die Beteiligung deutlich hinter der früherer Demonstrationen zurück: Etwas 50 Straßengegner trafen sich zunächst unter dem schützenden Vordach der Realschule Oberaden, um sich dann am Kuhbach entlang auf den Weg in Richtung des zweiten Bauabschnittes der L 821n zu machen.

Die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen die L 821n, Lucie Kleinstäuber, hatte bei der Anmeldung der Demonstration in Bergkamen eigens auf die Verkleidung der Teilnehmer hingewiesen.

Die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen die L 821n, Lucie Kleinstäuber, hatte bei der Anmeldung der Demonstration eigens auf die Verkleidung der Teilnehmer hingewiesen. © Stefan Milk

Die relativ überschaubare Beteiligung lag möglicherweise nicht nur am schlechten Wetter. Die Straßenbauarbeiten an der Lünener Straße haben längst für alle sichtbar begonnen. Und der ein oder andere, der die Straße ablehnt, hat das inzwischen akzeptiert und sieht keinen Sinn mehr darin, zu protestieren.

Die Bürgerinitiative„L 821n – Nein!“ spüre das bisher aber nicht, sagte deren Sprecherin Lucie Kleinstäuber: „Wir haben immer noch 46 Mitglieder.“ Die waren allerdings nicht in jedem Fall mit den Sonntagsdemonstranten identisch. Ein Teil der BI-Mitglieder blieb laut Kleinstäubers zu Hause, dafür kamen einige unorganisierte L 821n-Gegner.

Demonstration im Karnevalskostüm

Obwohl sich abzeichnet, dass sie ihr Ziel nicht erreichen, haben sie zumindest ihren Humor nicht verloren. Angesichts des Karnevalswochenendes waren einige von ihnen verkleidet zum Protestieren gekommen. Kleinstäuber, die als Nonne erschien, hatte das eigens mit angegeben, als sie die Demonstration anmeldete. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kam, die Demonstranten würden gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

Bei der Kostümwahl der Demonstranten dominierten morbide Motive.

Bei der Kostümwahl der Demonstranten dominierten morbide Motive. © Stefan Milk

Bei der Kostümwahl dominierten Totengräber und andere morbide Motive. Auch einen Sarg hatte die Bürgerinitiative gebaut. Schließlich, so klagten die Demonstranten, werde durch den Bau der L 821n die Natur in Bergkamen zu Grabe getragen. Zu ernst nahmen sie das aber auch nicht. Der Sarg enthielt „Anti-L-821n“-Berliner, mit denen sich die Demo-Teilnehmer bei ihrem Marsch druch den Regen stärkten.

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Selbst der harte Kern der Straßen-Gegner, der an diesem Regensonntag zum Protestmarsch kam, glaubt wohl nicht mehr ernsthaft daran, die L821n noch aufhalten zu können.

Zur Stärkung gab es in Bergkamen „Anti-L 821n-Berliner“.

Zur Stärkung gab es „Anti-L 821n-Berliner“. © Stefan Milk

Der erste Bauabschnitt ist schon relativ weit fortgeschritten und vor kurzem haben auch die Rodungsarbeiten für den zweiten Bauabschnitt begonnen. Dabei, beklagte Kleinstäuber, seien auch Eichen gefällt worden, deren Erhalt der Landesbetrieb Straßen NRW zugesagt habe.

Bürgerinitiative denkt über neue Ziele nach

Trotz oder gerade wegen des Baufortschritts der Straße wolle die Bürgerinitiative aber auf jeden Fall weitermachen, sagte Kleinstäuber. Möglicherweise allerdings mit einer neuen Zielrichtung. Beim nächsten Treffen, das allerdings noch nicht terminiert ist, wollen die Mitglieder über neue Veranstaltungs- und Aktionsformen nachdenken - und vielleicht auch über einen neuen Namen.

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Angesichts der Kommunalwahl im September werde die BI das Thema L 821n weiter auf der Tagesordnung halten, sagte Kleinstäuber. „Aber wir suchen uns auch andere Ziele.“ Ein Fehler sei es gewesen, dass die Proteste gegen die Umgehungsstraße erst begonnen hätten, als die L 821n kaum noch zu verhindern gewesen sei, meinte die Initiativen-Sprecherin: „Das passiert uns nicht noch einmal.“

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