In Overberge wurde eine Weltkriegsbombe mit Langzeitzünder entdeckt. Weil die Gefahr groß war, musste sie umgehend gesprengt werden. Ein langer Abend mit böser Überraschung stand den Bewohnern bevor.

Bergkamen

, 13.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Ich habe gerade bei Google Earth geschaut, ob wir in dem 500-Meter-Radius liegen und gesehen, dass wir 425 Meter von der Bombe entfernt sind“, sagt Achim Wortmann. Wenige Minuten später habe das Ordnungsamt geklingelt. „Wir mussten sofort unser Haus verlassen.“ Wortmann wirkt gelassen - und ist es nach eigenen Angaben auch. „Es gibt so viele Nörgler. Aber warum sollten wir die Arbeit behindern?“ Marlene Stoltefuß wirkt noch etwas erschrocken. Sie erreicht kurz nach Wortmann die Sammelstelle an der Feuerwehr Overberge. „Ich wollte gerade mit Lana rausgehen, als das Ordnungsamt kam. Ich war also startklar“, schmunzelt sie. Etwa 34 Personen versammelten sich gegen 18 Uhr in der Sammelstelle. Die Stimmung ist überraschend gut. „So sieht man seine Nachbarn mal wieder“, sagt eine Frau.

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Bombenfund in Overberge

Das Grund für das spontane Nachbarschaftstreffen am Dienstagabend war jedoch ein durchaus ernster: Eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde im Bereich der Kreuzung Hüchtstraße/Hahnenpatt entdeckt. Sie sollte planmäßig erst am Mittwoch entschärft werden, erklärt Heiko Brüggenthies, Sachgebietsleiter im Bürgerbüro. Doch als der Kampfmittelbeseitigungsdienst sich ihr genähert hatte, entdeckten die Experten, dass die Bombe einen Langzeitzünder hatte, der nicht herausgedreht werden konnte. „Die Maßnahme darf nicht aufgeschoben werden“, sagte Brüggenthies. Und so gab die Stadt gegen 17.30 Uhr bekannt, dass kurzfristig evakuiert werden muss. 180 Haushalte waren betroffen, darunter auch das Senioren-Wohnheim an der Werner Straße.

Bombensprengung in Overberge: Beim zweiten Anlauf explodiert die Bombe endlich

Die Rettungswagen des Kreises Unna brachten hilfsbedürftige Menschen zur Sammelstelle. © Marcel Drawe

Erste Bombensprengung war erfolglos

Eigentlich sollte die Bombe bereits gegen 18 Uhr kontrolliert gesprengt werden. Doch die Evakuierung war erst kurz vor 19 Uhr abgeschlossen. Auch der Kampfmittelexperte benötigte noch Zeit für seine Vorbereitungen - unter anderem wurden 28 Tonnen Sand auf die Bombe geschüttet, um die Explosion zu mildern. „Auf die Bombe kommt noch ein zusätzlicher Sprengstoff“, erklärte Brüggenthies die hohe Sprengkraft, die zu erwarten war.

„Es ist gefährlich ein zweites Mal an eine angesprengte Bombe dranzugehen.“
Sprengmeister Volker Lenz

Gegen 19.30 Uhr warteten die Einsatzkräfte gespannt auf den Knall. Polizeihauptkommissar Marcel Pooth, der die Schenkstraße nahe der Sammelunterkunft bewachte, hielt sich sicherheitshalber die Ohren zu. Zu ihm gesellte sich auch Rainer Straeter. An eines seiner Felder grenzte der Bombenfund unmittelbar. „Vor vier Wochen wurde mir gesagt, dass eine Bombe entschärft werden muss“, so Straeter. Eingestellt habe er sich aber auf den Mittwoch.

Straeter und Pooth starrten gebannt in die Ferne - und dann kam die vermeintlich erlösende Botschaft: Die Bombe ist gesprengt, der Kampfmittelexperte kontrolliert nun, ob die Sprengung erfolgreich war. Das Kuriose: Von der Explosion war weder etwas zu sehen, noch zu hören. Dann erreichte die Einsatzkräfte gegen 20.30 Uhr die Hiobsbotschaft, denn tatsächlich hatten sie sich zu früh gefreut: Die Sprengung war nicht erfolgreich und muss wiederholt werden.

Bombensprengung in Overberge: Beim zweiten Anlauf explodiert die Bombe endlich

Für die Kinder wurde kurzerhand ein Notfall-Unterhaltungsprogramm in der Sammelunterkunft angeboten. Sie durften Kinderfilme auf einem Tablet schauen und in einem echten Feuerwehrauto sitzen. © Claudia Pott

Gleiche Ladung, erfolgreiche Sprengung

In der Sammelstelle verloren die Menschen unterdessen langsam die Geduld. Einige fuhren davon, andere zogen lange Gesichter und manch einer fluchte sogar. Wie lange es nun dauern würde, bis die Bombe wieder zugeschüttet war und erneut gesprengt werden konnte, war zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Dann kam gegen 21.30 Uhr die frohe Botschaft: Die zweite Sprengung – übrigens mit der gleichen Sprengladung – war zwar wieder leise, aber dieses Mal erfolgreich. Die Straßensperrungen wurden danach zügig wieder aufgehoben, die Leute durften nach Hause.

Warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat, konnte Sprengmeister Volker Lenz nach dem zweiten erfolgreichen Versuch nicht sagen. Doch ein zweites Mal zu graben, war auch für ihn kein Spaß: „Es ist gefährlich ein zweites Mal an eine angesprengte Bombe dranzugehen“. Angst hatte Lenz nicht, er ist seit 30 Jahren bei der Kampfmittelbeseitigung und sehr erfahren. „Wir überlegen drei Mal, was wir machen.“ Dass es nicht geknallt habe, erklärt er mit den vielen Tonnen Sand, die auf der Bombe lagen.

Bombensprengung in Overberge: Beim zweiten Anlauf explodiert die Bombe endlich

Eine Anwohner-Katze beobachtet das Treiben an der Polizei-Sperrstelle. © Marcel Drawe


Bombensprengung Overberge
Liveticker abgeschlossen
Bei Bauarbeiten ist auf einem Acker in Overberge eine Fliegerbombe gefunden worden. Sie hat noch einen scharfen Langzeitzünder und muss deshalb kontrolliert gesprengt werden.
  • 17:38 Uhr13.08.2019

    Evakuierung hat begonnen

    Mitarbeiter des Bergkamener Ordnungsamtes haben begonnen den Bereich 500 meter um den Bombenfundort zu evakuieren. Betroffen sind vor allem Bereiche mit Eigenheimen östlich der Werner Stra0e und am Hof Theiler.

  • 17:40 Uhr13.08.2019

    Seniorenwohnheim muss ebenfalls evakuiert werden

    Vor besondere Schwierigkeiten stellt die städtischen Mitarbeiter, dass auch das Senioren-Wohnheim an der Werner Straße zum Evakuierungsbereich gehört. Rettungskräfte sind als Helfer im Einsatz.

  • 17:44 Uhr13.08.2019

    Bombe stellt sich als besonders gefährlich heraus

    Der Einschlagpunkt der Bombe ist bei einer Luftbildauswertung aufgefallen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte sie vorgenommen, weil in dem Bereich Tiefbauarbeiten für die Kuhbachentflechtung geplant sind. Die Bombe hat einen noch scharfen Langzeitzünder. Eine Entschärfung ist zu gefährlich.

  • 17:47 Uhr13.08.2019

    Mitarbeiter der Stadt klingeln an den Haustüren

    Die Mitarbeiter der Stadt schellen an allen Haus- und Wohnungstüren. Einige gebrechliche Anwohner müssen vom Rettungsdienst liegend transportiert werden.

  • 17:54 Uhr13.08.2019

    Sprengung verzögert sich

    Thorsten Meyer von der Bezirksregierung geht davon aus, dass sich die Sprengung der Bombe wegen der Evakuierung verzögert.

  • 18:03 Uhr13.08.2019

    Straßen gesperrt

    Die Straßen in der Zone, die von der Evakuierung betroffen sind, hat die Polizei bereist gesperrt. Die Werner Straße wird erst gesperrt, wenn der Bereich komplett geräumt ist.

  • 18:04 Uhr13.08.2019

    Ordnungsamt geht von schneller Evakuierung aus

    Heiko Brüggenthies vom Bergkamener Ordnungsamt geht davon aus, dass die Evakuierung in etwa 20 Minuten abgeschlossen ist.

  • 18:05 Uhr13.08.2019

    Sprengung in einer halben Stunde

    Wen die Evakuierung weiter planmäßig läuft, könnte die Bombe gegen 18.30 Uhr gesprengt werden.

  • 18:06 Uhr13.08.2019

    Betroffene sind noch entspannt

    Die ersten aus dem evakuierten Bereich, die am Sammelpunkt am Feuerwehrgerätehaus an der Hansastraße eintreffen, wirken recht entspannt. Der eine oder andere scherzt sogar noch etwas.

  • 18:11 Uhr13.08.2019

    Polizei hilft bei der Evakuierung

    Auch die Polizei überwacht die Evakuierung des Bereichs. Die letzen Anwohner verlasen ihre Häuser, während ein Streifenwagen auf der Straße hält.

  • 18:21 Uhr13.08.2019

    Nicht alle wissen von der Evakuierung

    An der Friedhofstraße versuchen immer wieder Anwohner, die von der Evakuierung noch nichts wissen, in die Hüchtstraße zu fahren. Alle reagieren sehr verständnisvoll, wenn sie zum Wenden aufgefordert werden.

  • 18:31 Uhr13.08.2019

    Evakuierung zum Teil abgeschlossen

    In drei von sechs Bereichen, die geräumt werden müssen, ist die Evakuierung jetzt abgeschlossen.

  • 18:33 Uhr13.08.2019

    Bombe ist vorbereitet

    Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat die Bombe für die Sprengung präpariert. Er hat die Sprengladung angebracht. Auf die Bombe, die in etwa fünf Metern Tiefe liegt, sind 28 Tonnen sand gekippt worden. Er soll die Explosion dämpfen.

  • 18:47 Uhr13.08.2019

    Evakuierung abgeschlossen

    Das Bergkamener Ordnungsamt hat den gesamten Bereich 500 Meter um den Bombenfundort evakuiert. Theoretisch kann die Sprengung starten.

  • 18:48 Uhr13.08.2019

    Kampfmittelexperte benötigt noch etwas Zeit

    Der Experte ist mit seinen Vorbereitungen zur Sprengung noch nicht ganz fertig. Die Evakuierung ging schnellet vonstatten als seine Vorberitungen.

  • 18:49 Uhr13.08.2019

    Sprengung in etwa 30 Minuten

    Der große Knall lässt nach Angaben des Ordnungsamtes noch etwa 30 Minuten auf sich warten.

  • 19:05 Uhr13.08.2019

    Werner Straße bleibt noch offen

    Die Werner Straße wird erst gesperrt, wenn der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit seinen Vorbereitungen fertig ist. Das Ordnungsamt will die Hauptverkehrsachse nicht unnötig lange abriegeln.

  • 19:07 Uhr13.08.2019

    34 Menschen in der Sammelstelle

    In der Sammelstelle im Feuerwehrgerätehaus an der Hansastraße werden zurzeit 34 Menschen betreut. Die Leitung hat Marion Korte-Rahn.

  • 19:10 Uhr13.08.2019

    Rund 20 Mitarbeiter der Stadt im Einsatz

    Etwa 20 städtische Mitarbeiter müssen wegen des Bombenfundes Überstunden machen. Sie sind bei der Evakuierung, bei Absperrmaßnahmen und bei der Betreuung von Betroffenen im Einsatz.

  • 19:11 Uhr13.08.2019

    Polizei hilft mit Sonderkräften

    Zum Glück für die Stadt war gerade ein Sondertrupp der Polizei mit zehn Beamten im Raum Bergkamen/Kamen verfügbar.

  • 19:12 Uhr13.08.2019

    Sprengung steht unmittelbar bevor

    Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Sobald die Werner Straße gesperrt ist, wird die Bombe gesprengt.

  • 19:17 Uhr13.08.2019

    Die Feuerwehr unterhält die Menschen am Sammelpunkt

    Um die Menschen, die ins Gerätehaus gekommen sind, zu unterhalten, führt die Feuerwehr ein Fahrzeug vor. Für die Kinder gibt es einen kleinen Fernseher.

  • 19:19 Uhr13.08.2019

    Zweite Bombe in wenigen Tagen

    Erst vor wenigen Tagen kam Bergkamen um eine große Evakuierung herum, weil an einer Bombe in der City der Zünder fehlte. Der Zünder an der Bombe in Overberge ist umso gefährlicher.

  • 19:21 Uhr13.08.2019

    Werner Straße ist gesperrt

    Auch die Werner Straße ist jetzt für den Verkehr im evakuierten Bereich gesperrt.

  • 19:36 Uhr13.08.2019

    Warten auf den großen Knall

    Der Feuerwehrker ist mit dem Vorbereitungen fertig, die Stadt auch. Das Ordnungsamt rätselt, warum die Bombe noch nicht gesprengt ist.

  • 19:39 Uhr13.08.2019

    Die Bombe ist gesprengt

    Die Bombe soll gesprengt sein. Zu hören war außerhalb des evakuierten Bereichs nichts.

  • 19:41 Uhr13.08.2019

    Ordnungsamt gibt noch keine Bestätigung

    Beim Bergkamener Ordnungsamt ist noch keine Bestätigung angekommen.

  • 19:43 Uhr13.08.2019

    Sperrungen bleiben noch bestehen

    Die Sperrungen sollen auf jeden Fall erst ausgehoben werden, wenn die Kampfmittelexperten ausdrücklich ihr Einverständnis geben.

  • 19:52 Uhr13.08.2019

    Ordnungsamt bestätigt die Sprengung

    Die Bombe ist gesprengt. Die Detonation war allerdings kaum zu hören und zu spüren. Die Kampfmitelexperten graben sich jetzt duch den Sand, um zu sehen, dass die Bombe ordnugsgemäß detoniert ist.

  • 19:54 Uhr13.08.2019

    Sperrung bleibt bestehen

    Bevor sie Experten nicht sicher sind, dass keine Gefahr mehr besteht, bleibt der Bereich weiter gesperrt.

  • 20:19 Uhr13.08.2019

    Noch keine endgültige Entwarnung

    Offenbar ist es nicht so einfach, sich durch 28 Tonnen Sand bis zu den Bombenresten vorzugraben. Eine endgültige Entwarnung gibt es noch nicht.

  • 20:26 Uhr13.08.2019

    Ordnungsamt wartet ebenfalls

    Auch das Bergkamener Ordnungsamt hat damit gerechnet, dass die Sperrung schneller aufgehoben werden kann.

  • 20:28 Uhr13.08.2019

    Zweck der Sprengung noch nicht klar

    Noch ist unklar, was der Feuerwerker mit der Sprengung bezweckt hat - ob er die Bombe zur Explosion bringen wollte oder ob er sie nur aufreißen wollte, damit der Sprengstoff im Inneren kontrolleirt abbrennt.

  • 20:42 Uhr13.08.2019

    Sprengung nicht erfolgreich

    Der Feuerwerker hat festgestellt, dass die Sprengung nicht erfolgreich war.

  • 20:43 Uhr13.08.2019

    Zweiter Versuch wird gestartet

    Jetzt wird ein neuer Sprengsatz angebracht, der möglicherweise stärker ist. Dann wird der Sand wieder auf die Bombe gehäuft.

  • 20:44 Uhr13.08.2019

    Erklärung für fehlende Detonation

    Das erklärt wohl auch, warum keine lautere Detonation zu hören war.

  • 20:47 Uhr13.08.2019

    Verzögerung um mindestens eine weitere halbe Stunde

    Das Ordnungsamt geht davon aus, dass in etwa 30 bis 45 Minuten der nächste Sprengversuch erfolgt.

  • 20:54 Uhr13.08.2019

    Straßen bleiben gesperrt

    Alle Straßen bleiben gesperrt, auch die Werner Straße. Ist sei nicht sinnvoll sie für kurze Zeit zu öffnen und dann gleich wieder zu sperren, sagt Heiko Brüggenthies, der Sachgebietsleiter im Ordnungsamt. Eine Umfahrung ist über die Heinrichstraße und die Landwehrstraße möglich.

  • 21:23 Uhr13.08.2019

    Zweite Sprengung erfolgreich

    Das Ordnungsamt meldet Vollzug. Die zweit Sprengung war erfolgreich.

  • 21:24 Uhr13.08.2019

    Evakuierung aufgehoben

    Die Straßensperren werden beseitigt. Die Bewohner es evakuierten Bereichs können in ihre Wohnungen zurück.

     

  • 21:26 Uhr13.08.2019

    Keine laute Explosion

    Auch diesmal war von der Sprengung außerhalb des evakuierten Bereichs nichts zu hören. 

  • 21:37 Uhr13.08.2019

    Keine Erklärung für fehlgeschlagenen Versuch

    Sprengstoffexperte Volker Lenz hat keine Erklärung dafür, warum der erste Sprengversuch ein Fehlschlag war. Er berichtet, dass es gefährlich war, die angesprengte Bombe erneut auszugraben.

  • 21:38 Uhr13.08.2019

    Gleiche Ladung, besseres Ergebnis

    Lenz hat nach eigener Aussage noch einmal die gleiche Sprengladung an der Bombe angebracht, die vier Meter tief im Erdboden lag. Diesmal mit Erfolg.

  • 21:39 Uhr13.08.2019

    Anwohner kehren zurück

    Die Anwohner kehren zurück in ihre Häuser, die Straßensperren werden beseitigt.


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