Kunstlese zwischen Vogelnest und vergessenen Schubladen

Kunstwerkstatt „sohle 1“

Literatur, Musik und Kunst in allen Variationen waren die Zutaten, mit denen die Kunstwerkstatt „sohle 1“ am Wochenende ihre diesjährige „Kunstlese 2018“ in der Ökologiestation garnierte.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 28.10.2018, 15:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kunstlese zwischen Vogelnest und vergessenen Schubladen

Gitta Nothnagel (r.) zeigt und erklärt Christa Meurer und Jürgen Riesen während der „Kunstlese“ der „Kunstwerkstatt sohle 1“ am Wochenende auf der Ökologiestation ihre Arbeiten. Milk © Stefan Milk

Anders als sonst, gab es dieses Mal bewusst keine Mitmachaktionen, wie Schmieden oder Kunstdruck, dafür aber einen „Wühltisch“, auf dem es von den Künstlern „Kunstschätzchen zum kleinen Preis“ zu ergattern gab.

Auch dieses Mal bewiesen die umtriebigen Künstler der Bergkamener Künstlergruppe ihre große Kreativitäts-Bandbreite, die von federleicht bis fast tonnenschwer, von abstrakt bis surreal reichte. So modelliert Peter Wiesemann gerne mit seltenem Gestein, wie afrikanischem Serpentin, den er sogar eigens aus Afrika hat anliefern lassen.

Kunstlese zwischen Vogelnest und vergessenen Schubladen

Jannik (8) und Mattes (6) sind begeistert von den Arbeiten von Martina Dickhut. © Stefan Milk

Natürlich sind dann auch die Skulpturen nicht mal eben gemacht. Für seine ruhende „Yoga-Frau“ aus rotem Granit hat Wiesemann mit Meißel und Polierscheibe denn auch rund zwanzig Jahre gebraucht.

Viel leichter ist dagegen das Material von Martina Dickhut, die bei dieser Ausstellung ihre „Upcycling“-Kunstwerke aus Abfällen, wie zerknülltem Verpackungspapier oder Bilderrahmen-Keilen, ausgestellt hatte, wo man mit der Lupe schon genauer hinschauen musste, wenn beispielsweise oben auf der grazilen Wendeltreppe ein kleines Männchen nach dem Postboten Ausschau hält.

Klaus Wlekliks Kunstwerke sind ebenfalls nicht schnell gefertigt, sind es doch lebensgroße Gestalten aus Ton, die sich mit besonderen Gesten hervortun, wie ein Boxer, eine Träumerin oder ein Nachdenklicher.

Kunstlese zwischen Vogelnest und vergessenen Schubladen

Dieter Treeck blätterte in seinen literarischen Notizen und präsentierte amüsante Limericks. Milk © Stefan Milk

Stolpersteine in Berlin

Fotograf Marc-Oliver Knappmann hält auf seinen Reisen immer Ausschau nach großen Objekten im Gegenlicht, wie das Fußballstadion „Vogelnest“ in Peking, um diese dann in Ausschnitten auf das Wesentliche zu reduzieren. Ebenfalls mit Gegenlicht gearbeitet hat Helmut Ladeck bei einigen seiner Fotografien, wie den überdimensionalen Stolpersteinen des Berliner Holocaust-Museums.

Kunstlese zwischen Vogelnest und vergessenen Schubladen

Künstlerin Emilia Fernandez erläutert Klaus Scholz die Entstehung ihres Frida-Kahlo-Portraits. Milk © Stefan Milk

Eis und heiß

Matthias Raßmann hingegen experimentiert gerne bei seinen Foto-Arbeiten, indem er analoge Dias wie ein Sandwich stapelt, diese direkt bemalt und die Farbspiele dann als Kunstdruck verewigt.

Silke Kieslich hat sich in ihren Fotomontagen eher auf Kontraste wie „Eis und Heiß“ konzentriert, wo beispielsweise das Alpenglühen in bedrückender Weise zum Gletscherschmelzen führt.

Malerin Gitta Nothnagel hat die Lady of Swing, Ella Fitzgerald, mit gekonnt abstrakten Pinselstrichen verewigt, Barbara Strobel dokumentierte mit bunten Pinselstrichen ihr Faible für Romy Schneider, Nina Hagen und Prince. Das geheimnisvolle Eigenleben von vergessenen Schubladen hat hingegen Dietrich Worbs zu originellen Kunstwerken verarbeitet.

Kunstlese zwischen Vogelnest und vergessenen Schubladen

Der Künstler Dietrich Worbs mit seinen Skulpturen und Plastiken, die in unterschiedlichen Techniken entstehen. © Stefan Milk Stefan Milk

Richtig amüsant wurde es dann, als der bekennende Bergkamener Dieter Treeck bei seinen drei Lesungen in seinen literarischen Notizen blätterte und so manch selbstgedichteten Limerick fand. Nicht minder amüsant waren Dieter Treecks Erlebnisse mit seinem „Weib“ Kriszti Kiss auf Lanzarote oder die Geschichte von dem Chanson, zu dem der Oberhausener Intendant Otto Beatus extra für Treeck die Melodie geschrieben hatte. Allerdings musste Treeck dieses dann auf Drängen seines „Weibes“ mit einem anderen Text versehen, weil sie es unbedingt selbst singen wollte. Mit Ohrwürmern und Liedern über Freundschaft, Liebe und Glück, von Edith Piaf bis Hannes Wader, begeisterten dann am Ende des ersten Ausstellungstages auf der Ökologiestation Mona Lichtenhof und Dieter Dasbeck das Kunstlese-Publikum.

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