Kostenlose Eintrittskarten bei Geldnot: Sogar BVB-Tickets sind mit etwas Glück drin

dzKulturpott Ruhr

Ins Theater oder zu einem Fußballspiel gehen ist für viele Menschen Luxus. Doch auch diese Menschen können mal in die Oper gehen. Dafür sorgt ein Verein, der jetzt auch in Bergkamen eine Zweigstelle hat.

Bergkamen

, 04.11.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich bin selber Kulturfan und weiß, wie teuer Eintrittskarten sein können“, sagt Simone Leuthold-Haverkamp. Die Bergkamenerin hat lange darüber nachgedacht, ob sie Teil eines neuen Kulturprojektes werden möchte. Ihre eigene Liebe zur Kultur überzeugte sie schließlich: Sie will, dass alle Menschen ins Theater oder zum Konzert gehen können. Auch wenn sie die Karten nicht bezahlen können.

Genau das ermöglicht der Verein „KulturPott Ruhr“. Er vermittelt Menschen mit wenig Einkommen oder kleiner Rente Karten für Kulturveranstaltungen. Für ihre sogenannten Kulturgäste hinterlegt der Verein Karten an der Abendkasse. Die Gäste zahlen nichts „und sie müssen sich nicht outen“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Brigitta Blömeke.

Kostenlose Eintrittskarten bei Geldnot: Sogar BVB-Tickets sind mit etwas Glück drin

In Bergkamen gibt es jetzt im Martin-Luther-Haus eine Zweigstelle des Vereins „Kulturpott Ruhr“. Die Stadt und die Kirchengemeinde unterstützen den Verein. © Stefan Milk

Bergkamen ist bereits Kooperationspartner des Vereins. Das Kulturreferat stellt regelmäßig Freikarten zur Verfügung. Nun geht es einen Schritt weiter: Bergkamener sollen aktiv beraten und über Kulturveranstaltungen informiert werden. Und da kommt Simone Leuthold-Haverkamp ins Spiel. Gemeinsam mit Christine Skirde und Burkhard Grabau bildet sie ein Ehrenamtsteam für Bergkamen.

Die drei werden ab sofort jeden Dienstag zwischen 11 und 13 Uhr während der Tafelausgabe im Martin-Luther-Haus über das Projekt informieren, dafür werben, aber vor allem: Tickets an die Bedürftigen bringen.

Das Team wählt aus der Kultur-Pott-Datenbank Kulturgäste aus und informiert sie telefonisch oder persönlich über bevorstehende Veranstaltungen. Die Gäste, die bereits registriert sind, haben vorab ihre Präferenzen ausgewählt. Zur Auswahl stehen etwa Konzerte, Theater oder auch Sportveranstatungen. Der Verein hat schon Eintrittskarten für Spiele des BVB oder Schalke verteilt. Er ist ständig auf der Suche nach neuen Partnern, die Karten zur Verfügung stellen.

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Kulturgäste dürfen mit Begleitpersonen kommen

Kulturgast werden ist nicht schwer. Wer netto weniger als 1096 Euro verdient, kann in das Programm aufgenommen werden.

Kulturgast werden

Kostenlose Kultur

  • Wer Kulturgast werden und kostenlose Veranstaltungen im ganzen Ruhrgebiet besuchen möchte, muss ein Anmeldeformular des Vereins „Kulturpott Ruhr“ ausfüllen.
  • Zugelassen ist, wer Transferleistungen erhält oder ein geringes Einkommen hat. Man kann entweder eine Kopie des jeweiligen Bescheides einreichen. Es reicht aber auch der Stempel eines Sozialpartners des Vereines Kulturpott Ruhr. Eine Liste der Partner gibt es unter kulturpott.ruhr/partner-unterstuetzer/.
  • Die Unterlagen können dann persönlich in den Zweigstellen – also in Bergkamen dienstags zwischen 11 und 13 Uhr im Martin-Luther-Haus – abgegeben oder per Post an anmeldungen@kulturpott.ruhr geschickt werden.
  • Was für Tickets es gibt, wissen die Ansprechpartner in Bergkamen.
  • Der Verein Kulturpott Ruhr gründete sich im Jahr 2010. Mittlerweile gibt es 14 Zweigstellen. Neben zahlreichen Sozialpartnern, die den Menschen den Eintritt ins Programm erleichtern, sind auch etwa 300 Veranstalter im Boot. Sie stellen kostenlose Karten zur Verfügung.

Menschen, die eine soziale Unterstützung bekommen, können sich etwa bei der Tafel, im Jobcenter oder im Sozialamt eine entsprechende Bescheinigung abholen.

„Es kommen auch Leute in Frage, die davon gar nichts wissen“, sagt Heinz Briefs aus dem Vorstand des Vereins. Briefs hat das Vorhaben, eine Zweigstelle in Bergkamen zu eröffnen, angestoßen. Doch die Zweigstelle reicht längst nicht aus, um die potenziellen Kulturgäste zu erreichen. „Man muss auf die Menschen zugehen. Das ist kein Selbstläufer“, betont Briefs.

Sein Verein wird Flyer verteilen und hofft auch auf Unterstützung der Stadt. Die soll es geben – das verspricht Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich. Er will das Projekt mit Sachgebiets- und Amtsleitern besprechen und dafür werben.

Besonders in persönlichen Kundengespräche können viele Bergkamener erreicht werden.

Übrigens gibt es pro Person zwei Karten – ganz egal, wie viel die Begleitperson verdient. Wie Brigitta Blömeke erklärt, ist die Distanz zu den Veranstaltungsorten und fehlendes Geld für den Transport oft eine große Hürde für die Menschen. Nehmen sie jemanden mit, der ein Auto hat, ist das Problem gelöst.

Wegfahren müssen die Bergkamener aber gar nicht, wenn es nach Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel geht. Die Stadt habe viel zu bieten – und das in den meisten Fällen sogar recht günstig. Doch auch günstige Eintrittspreise läppern sich. Da sind sich Stadt und Verein einig.

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