Der Stadtrat muss entscheiden, ob das alte Rathaus saniert oder ein neues gebaut werden soll. Bei einem Neubau könnten auch noch andere zentrale Einrichtungen umziehen.

Bergkamen

, 27.11.2018, 13:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die ersten Entwürfe für das neue Einkaufszentrum am Rathaus gesehen hat, könnte leicht auf die Idee kommen, dass die Stadtverwaltung dort einzieht: Auf den ersten animierten Ansichten ist auf dem Gelände der heutigen Turmarkaden ein großes, mehrstöckiges Gebäude zu sehen, das am Kreisverkehr Töddinghauser Straße/Hubert-Biernat-Straße steht. Bisher geht Alexander Dold, Geschäftsführer der Interra Immobilien, die das neue Einkaufszentrum plant, davon aus, dass das Gebäude deutlich kleiner ausfällt, weil sich in Bergkamen wohl kein Interessent für so viele Büroräume finde. Auch Bürgermeister Roland Schäfer hält den Umzug der Stadtverwaltung in ein Gebäude, das ein privater Investor als Teil eines Einkaufszentrums baut, für eher unwahrscheinlich. Ein Privater könne ein solches Gebäude zwar wahrscheinlich schneller und kostengünstiger bauen als die öffentliche Hand. Schäfer sieht jedoch schon allein das Problem, dass auch das neue Konzept für das neue Einkaufszentrum irgendwann scheitern könnte. Dann stehe das Rathaus in einem verlassenen und nach einiger Zeit maroden Bereich, so wie sich die „Turmarkaden“ jetzt präsentieren.

„Kulturforum“ zwischen Rathaus und Ratstrakt

Im Bergkamener Rathaus ist Asbest verbaut. Das macht es unmöglich, dass Mitarbeiter der Stadt während der Sanierung weiter dort arbeiten. © Marcel Drawe

Gefährliche Schadstoffe

Deshalb wird es wohl bei den beiden Varianten bleiben, die Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters dem Stadtrat wahrscheinlich im Laufe des kommenden Jahres vorschlagen wird – entweder die Sanierung und der Umbau des bestehenden Rathauses oder ein Neubau direkt dahinter in Richtung des ehemaligen Friedhofs Bergkamen-Mitte.

Bei einer Sanierung müsste das Rathaus allerdings komplett freigezogen werden – unter anderem, weil beim Bau Anfang der 70er Jahre unter anderem Asbest verbaut wurde. Diese Bauteile müssten unter größeren Sicherheitsvorkehrungen beseitigt werden. „Dass parallel jemand im Rathaus arbeitet, ist undenkbar“, machte der Bürgermeister deutlich. Da es in Bergkamen keine Büroräume gibt, die groß genug sind und für die Stadtverwaltung ausreichen würden, geht Schäfer davon aus, dass das komplette Rathaus in gemietete Container umziehen müsste. Die sollten möglichst an einem zentralen Ort stehen. „Die Fläche von Grimberg 3/4 käme infrage“, meint der Bürgermeister. Hinzu kommt, dass es nicht bei der Sanierung bleiben würde. Das Rathaus ist zu klein und müsste aufgestockt oder durch einen Anbau erweitert werden.

„Kulturforum“ zwischen Rathaus und Ratstrakt

Das Rathaus und seine Umgebung. Der Neubau könnte auf der umrandeten Fläche rechts entstehen. Der jetzige Platz des Gebäudes würde frei für eine andere Nutzung.

Neu bauen ist in vieler Hinsicht praktischer

Unter diesen Umständen erscheint ein kompletter Neubau nicht unwahrscheinlich. Der Vorteil: Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung könnten im alten Rathaus weiterarbeiten und umziehen, wenn das neue fertig ist – „praktisch an einem Wochenende“ meint Schäfer. Er geht wie der Baudezernent davon aus, dass der Platz hinter dem Rathaus ausreicht, wenn für den Neubau ein schmaler Streifen des Friedhofs mit in Anspruch genommen wird, auf dem es keine Bestattungen gegeben hat.

„Kulturforum“ zwischen Rathaus und Ratstrakt

Bibliotheksleiterin Jutta Koch vor der Stadtbibliothek am Stadtmarkt. Die Einrichtung könnte in ein neues Gebäude am Rathaus ziehen, wenn das Rathaus neu gebaut wird und dort Platz für eine Art kulturelles Forum ist. © Marcel Drawe

Gebäude für Bibliothek und Galerie

Auch für den freien Platz, der zwischen Rathaus und Ratstrakt entstehen würde, wenn das alte Rathaus abgerissen ist, hat der Bürgermeister schon Ideen. Er kann sich vorstellen, dass dort eine Art „Kulturforum“ entsteht, in das die Stadtbibliothek und die städtische Galerie sohle 1 einziehen. Dort könnten die Stadtbibliothek und die städtische Galerie sohle 1 einziehen.

„Kulturforum“ zwischen Rathaus und Ratstrakt

Die Räume der Stadtbibliothek sind schon jetzt eng und bieten keine Erweiterungsmöglichkeiten. © Marcel Drawe

Zu eng und nicht barrierefrei

Über die Stadtbibliothek muss sich die Stadt nach Schäfers Angaben ohnehin Gedanken machen. Die Räume am Stadtmarkt, in denen die Bibliothek seit etwa 20 Jahre zuhause ist, sind mittlerweile zu klein geworden – unter anderem, weil die Bibliothek mittlerweile deutlich mehr Aufragen übernommen hat wie die Bewerbungsberatung und Computerarbeitsplätze bietet. Hinzu kommt, dass sich die Bibliothek mittlerweile über zwei Etagen erstreckt, seit die Jugendbibliothek einiger Zeit nach oben gezogen ist. Die obere Etage ist außerdem nicht barrierefrei erreichbar. Das könnte in einem Neubau zwischen Rathaus und Ratstrakt anders werden.

Schäfer kann sich vorstellen, dass auch die städtische Galerie vom Stadtmuseum in Oberaden in das neue Kulturgebäude umzieht. Museumsleiter Mark Schrader werde sicherlich nicht unglücklich sein, wenn er die Räume der Galerie für das Museum nutzen könne.

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