Kulturdezernent ist sauer, weil Hamm den neuen Bergkamener Büchereichef nicht gehen lässt

dzStadtbibliothek

Die Stadt Hamm verhindert einen vorzeitigen Wechsel des neuen Bergkamener Bibliotheksleiters Jörg Feierabend. Der Kulturdezernent hat nur wenig Verständnis für die harte Linie der Nachbarstadt.

Bergkamen

, 24.03.2020, 14:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kulturdezernent Marc-Alexander Ulrich bemüht sich um Diplomatie. Aber am Telefon ist ihm schon anzumerken, dass er auf die Kollegen im Hammer Rathaus nicht so richtig gut zu sprechen ist. Die Nachbarstadt weigert sich, den designierten Leiter der Stadtbibliothek Bergkamen, Jörg Feierabend, vorzeitig aus seinem Vertrag zu entlassen, sodass er seinen Dienst erst zum 1. Oktober antreten kann.

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Der Dezernent findet das Verhalten „ungewöhnlich“

Nun weiß Ulrich als Jurist um die Bedeutung von Verträgen und Kündigungsfristen. Aber er weiß auch, dass es Arbeitgeber gibt, die Kulanz walten lassen - insbesondere, wenn es um einen Wechsel innerhalb des öffentlichen Dienstes geht: „Das ist schon ungewöhnlich“, beschreibt er das Verhalten der Hammer Verwaltung.

Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich findet das Verhalten der Nachbarstadt Hamm ungewöhnlich.

Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich findet das Verhalten der Nachbarstadt Hamm ungewöhnlich. © Borys Sarad

Üblicherweise dürfe ein öffentlich Beschäftigter seinen alten Arbeitsplatz nach drei Monaten verlassen, wenn er eine neue Stelle gefunden hat. In der Kulturabteilung im Hammer Rathaus sieht man das anders. Offenbar sind die Verantwortlichen nachhaltig beleidigt über den Weggang von Feierabend. Jedenfalls verweigerte ihm die Stadt Hamm die Erlaubnis, sich im Gespräch mit unserer Zeitung an seiner neuen Wirkungsstätte vorzustellen.

Feierabend leitet derzeit die EDV, den Online-Katalog und die Onleihe der Stadtbüchereien Hamm. Diese Qualifikation war wohl ausschlaggebend, warum er sich unter mehreren Bewerbern um die Leitungsstelle in Bergkamen durchsetzte. Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Büchereichefs wird darin bestehen, ein Digitalisierungs- und Medienkonzept zu entwickeln.

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Im Moment haben die Verwaltungen andere Sorgen

Das kann Feierabend nun wohl erst im Herbst in Angriff nehmen. Ulrich will jedenfalls zunächst auf eine geplante Intervention im Nachbar-Rathaus verzichten. Das allerdings hängt weniger mit Verständnis für die harte Hammer Linie zusammen, sondern vor allem mit der aktuellen Corona-Krise. In Zeiten wie diesen hätten die Verwaltungen zunächst einmal Besseres zu tun, als sich über Personalangelegenheiten zu streiten, meint Ulrich. Außerdem sind die Bibliotheken ohnehin auf unabsehbare Zeit geschlossen.

Ulrich stellt sich deshalb darauf ein, dass Feierabend seinen Dienst tatsächlich erst im Herbst antritt. Immerhin kann er dem Hammer Verhalten auch etwas Positives abgewinnen will: „Ich stelle lieber einen neuen Mitarbeiter ein, den sein alter Arbeitgeber nicht gehen lassen will, als einen, den er loswerden möchte.“

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