Künstler erzählt mittelalterliche Geschichte in Millionen Pixeln

Malerei auf Horn

Mittelalterliche Bilder erzählen Geschichten über eine Welt der Burgfräulein, Kreuzritter und Drachen. Jörg Wedemeyer ist von ihr so fasziniert, dass er sie nacherzählt. Auf seine Weise.

Bergkamen

, 07.01.2019 / Lesedauer: 3 min
Künstler erzählt mittelalterliche Geschichte in Millionen Pixeln

Jörg Wedemeyer ist Kunsthandwerker und erstellt Gemälde in mittelalterlichem Stil auf zum Teil ungewöhnlichen Untergründen, wie zum Beispiel Hörnern. © Stefan Milk

Der Kunsthandwerker liebt die mittelalterliche Malerei und hat seinen eigenen Weg gefunden, die alten Geschichten in Bildern zu erzählen. Dabei entnimmt er die Vorlagen für seine Kunst alten Büchern. Das, was ihm gefällt, kopiert er nicht, er zeichnet es nach. Erst mit Bleistift, dann mit Tusche. Schließlich mit Farbe. Strich für Strich, auf altes Leinen, Kartonage und auch auf Horn. Seine Kunst in mittelalterlichem Stil präsentiert Wedemeyer auf zum Teil ungewöhnlichen Untergründen. Stundenlang, nächtelang und manchmal auch jahrelang kann er sich mit nur einem Kunststück beschäftigen. „Mir geht es darum, alles, was im Mittelalter gemalt oder geschnitzt worden ist, neu umzusetzen“, sagt Wedemeyer. Das Ergebnis fasziniert. Nicht nur die Besucher seines Zeltes auf einem der mittelalterlichen Märkte, wo der 52-Jährige regelmäßig zu finden ist, sondern erst vor kurzem noch die Rünther Weihnachtsmarktbesucher. Für Wedemeyer war das Mittelalter nicht nur grau und duster, so wie es meist dargestellt werde, sondern viel lebensfroher und lustiger.

Künstler erzählt mittelalterliche Geschichte in Millionen Pixeln

Mittelalterliche Bilder erzählen Geschichten – Jörg Wedemeyer erzählt sie auf seine Weise. © Stefan Milk

Mit Dame und Bube fing es an

„Damals konnten die meisten Menschen doch weder schreiben noch erzählen, aber sie hatten diese Bilder, und die faszinieren mich“, sagt Wedemeyer. Am liebsten würde er auf echtem Pergament malen, doch das ist zu teuer. Stattdessen benutzt er etwas festere Kartonage und verleiht ihr ein wenig Patina, indem er sie an einigen Stellen ansenkt. Jörg Wedemeyer hat schon als kleines Kind gemalt, irgendwann immer wieder Bube, Dame und König vom Skatspiel nachgezeichnet. Damit fing es an, mit „Walther von der Vogelweide“ ging es weiter. Malkurse hat er nie genommen. Wedemeyer ist Autodidakt. Im realen Leben Maschinenarbeiter, auf dem Mittelaltermarkt ein Skriptor, der wie früher Bücher und ihre Geschichten durch Abschreiben und -malen vervielfältigt. Jede Menge Geduld benötigt der Bergkamener, wenn er seine Zeichnungen angefertigt.

Künstler erzählt mittelalterliche Geschichte in Millionen Pixeln

Auch auf den Bechern aus Horn installiert Jörg Wedemeyer seine Kunst. © Stefan Milk

Malen auf Rinderhorn

Noch mehr Geduld, wenn er die Geschichten auf Horn malt. Rinderhorn benutzt er dazu, ein besonders großes Exemplar stammt von einem Watussi-Rind aus Afrika. Daran arbeitet er schon mehrere Jahre. „Das ist wie mit einem Buch, das man besonders gern liest, da möchte man ja auch nicht, dass es schnell zum Ende kommt“, meint der Künstler, dem es mit dem imposanten Horn ähnlich geht. Um die Farbe überhaupt auf die glatte Oberfläche auftragen zu können, brennt er mit einem Lötkolben kleine Kerben ins Horn, nicht größer als der Kopf einer Stecknadel, und rauht so das Horn auf. Tausende dieser kleinen Punkte reihen sich wie Pixel auf einem Foto aneinander. Das rieche zwar kurz nach angesenkten Haaren, aber der Effekt sei enorm, meint Wedemeyer, der nach dem Löten die Strukturfarbe auftragen kann.

Für die Präsentation seines Handwerks auf den mittelalterlichen Märkten hat Jörg Wedemeyer auch die Einrichtung seines Zeltes dem Thema angepasst, er selbst hält sich soweit möglich ebenfalls an die Kleiderordnung des 12. Jahrhunderts. Zwei Tage, bevor ein Markt öffnet, ist er meist schon da und baut alles auf. Neben der Malerei gehören mittlerweile auch Schnitzarbeiten zum Angebot. „Die Wikinger haben nicht gemalt, die haben geschnitzt, um ihre Geschichten weiter leben zu lassen“, sagt Wedemeyer. Dazu benutzt er die Geweihe von Rehen und Hirschen.

Künstler erzählt mittelalterliche Geschichte in Millionen Pixeln

Neben der Malerei lässt der Bergkamener auch aus Holz neue Kunst entstehen. © Stefan Milk

Hinein ins Mittelalter

Wenn er sich mit seiner Kunst beschäftigt, vergisst er alles andere um sich herum. Auch die Zeit. Am liebsten arbeitet er unter freiem Himmel, im Garten oder zumindest im Gewächshaus. Wegen des hellen Lichts. Und der Atmosphäre. Es scheint, als lebt Wedemeyer selbst mit jedem seiner Kunstwerke auch ein Stück weit in der Zeit der Ritter und Burgen. Immerhin behauptet er schmunzelnd: „Man kann in diese Welt auch hinein klettern.“

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