Kröten, Frösche und Molche: Schon jetzt aus dem Winterschlaf erwacht

dzNaturschutz

Kröten, Frösche und Molche: Viele Amphibien sind jetzt schon aus ihrer Winterruhe erwacht. Bei milden Temperaturen im Januar wohl auch eine Folge des Klimawandels. Naturschützer sind alarmiert.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 08.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht wirklich überrascht waren Naturschützer Thorsten Bramey und seine Mitstreiter, als sie Ende Januar bei einem Kontrollgang am Schwanenweiher an der Erich-Ollenhauer-Straße feststellen mussten, dass die dort lebenden Amphibien längst aus ihrer Winterruhe erwacht waren. „Bei sechs Grad Tagestemperatur ist das mit Sicherheit auch eine Folge des Klimawandels“, so Thorsten Bramey.

Kröten, Frösche und Molche: Schon jetzt aus dem Winterschlaf erwacht

Engagierte Naturschützer in Aktion (v.l.): Thorsten Bramey, Uwe Janke, Sandra Prinz und Tanja Maskenbroek. „Durch die L821n wird der natürliche Lebensraum hier komplett zerschlagen und zusammen mit den Zufahrten ist es dann kaum noch möglich, die Amphibien vor ihrer lebensgefährlichen Wanderung zu schützen“, so Nabu-Mitglied Thorsten Bramey. © Hoffmann

Winterruhe jetzt auch für Naturschützer vorbei

Nichtsdestotrotz bedeutete das nun für ihn und seine Naturschützer, dass die Winterruhe jetzt auch für sie vorbei ist.

Denn kaum sind die Amphibien in dem kleinen Mischwald am Fuße der Halde „Adener Höhe“ aus dem Winterschlaf erwacht, werden diese auch schon von einem starken Vermehrungstrieb gepackt, der sie fest entschlossen zum nächsten Laichgewässer hüpfen lässt.

Da sich dieses aber im Schwanenweiher befindet, führt der Weg dorthin über die breite und vielbefahrene Erich-Ollenhauer-Straße, ein für die Kröten, Molche und Frösche todsicheres Unterfangen.

Um das zu verhindern, haben Naturschützer schon vor vielen Jahren entlang der Straße Krötenschutzzäune errichtet, die die Amphibien zwingen, am Zaun entlang zu wandern, wo sie irgendwann in einen im Boden eingelassenen Eimer plumpsen, von den Naturschützern aufgelesen und ins Laichgewässer getragen werden.

Durch L821n wird der natürliche Lebensraum komplett zerschlagen

Bis zum Jahr 2018 hatte noch der NABU die Verantwortung dafür übernommen. Doch als dann klar wurde, dass die L821n gebaut wird, hatte dieser kapituliert.

„Durch die L821n wird der natürliche Lebensraum hier komplett zerschlagen und zusammen mit den Zufahrten ist es dann kaum noch möglich, die Amphibien vor ihrer lebensgefährlichen Wanderung zu schützen“, so NABU-Mitglied Thorsten Bramey.

Nicht kapituliert haben indes Thorsten Bramey und seine aktuell sechs „Einzelkämpfer“. Mit dicker Jacke und Stiefeln wetterfest angezogen und ausgerüstet mit Spaten und Grabegabeln, trafen sie sich am Samstagmorgen, um den vorhandenen Schutzzaun zu reinigen und weitere Zäune aufzubauen.

Rund eintausend Amphibien jedes Jahr gerettet

Dass sich die Arbeit lohnt, zeigt die Statistik, die Tanja Maskenbroek seit 2019 führt. Immerhin konnten jedes Jahr rund eintausend Amphibien vor dem sicheren Reifentod gerettet werden.

Neben Molchen, Teichmolchen, sind auch so einige Exoten unter den aufgesammelten Tieren, wie Fadenmolche, Springfrösche, Wasserfrösche, Grasfrösche und der Bergmolch, zugleich Lurch des Jahres 2019, und auch der Kamm-Molch, der sogar auf der Roten Liste steht.

Bis zum April trifft sich die Gruppe nun jeden Abend, um die Amphibien aus den Eimern zu befreien und ins Laichgewässer zu transportieren. Wie bei vielen Vereinen und Gemeinschaften heutzutage, beklagen aber auch die Naturschützer den allseits grassierenden Nachwuchsmangel.

Wer daher Thorsten Bramey und sein Helfersteam unterstützen möchte, ist herzlich willkommen und kann ihn unter 02307/87802 anrufen oder über Mail Kontakt aufnehmen: Thorsten.Bramey@t-online.de.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger studio theater
Kabarett aus der Schweiz: Auf die Satire-Vorlesung von Andreas Thiel folgt Nonsens
Meistgelesen