Die Straßen in Schönhausen sind Platanenalleen. Die Stadt ist der Ansicht, dass fast alle Bäume gefällt werden müssen. Viele der Bewohner sind weder damit noch mit dem Konzept der Stadt zur Begrünung einverstanden. © Michael Dörlemann
Platanen-Alleen

Kritik am Konzept für Schönhausen: „Damit schafft die Stadt eine Wüste“

Das Baudezernat muss mit erheblichem Widerstand rechnen, wenn es seine Pläne für den Baumbestand in der Siedlung Schönhausen umsetzen will. Einige Bewohner übten schon bei der Vorstellung der Pläne scharfe Kritik.

Die Stadt Bergkamen wird es schwer haben, vielen Bewohnern der Siedlung Schönhausen ihre Pläne zur Umgestaltung des Baumbestandes schmackhaft zu machen. Bei den Bewohnern, die zur Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz an diesem Donnerstagabend gekommen waren, fanden die Pläne, die ein Landschaftsarchitekt aus Kamen anstelle der Platanenalleen entwickelt hatte, keine Gegenliebe.

Der Ausschussvorsitzende Thomas Grziwotz (Grüne) hatte die Sitzung eigens unterbrochen, damit das gut Dutzend Schönhausener, die auf der Tribüne in der Römerberghalle saßen, zu Wort kommen konnten. Reinhard Zolper, der stellvertretende Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Schönhausen kritisierte das Konzept als „unakzeptabel“. Die Stadt und der Landschaftsarchitekt hätten die kleinklimatische Wirkung der Platanen völlig außer acht gelassen. „Wir werden uns nicht mehr wohlfühlen in unseren Häusern“, sagte er.

Baumexperte der Stadt hält Fällen für alternativlos

Zuvor hatte der Baumexperte der Stadt, Frank Golz, das Fällen fast aller der über 100 Jahre alten Platanen als völlig alternativlos dargestellt. Stehen bleiben sollen nur die Bäume am Beginn und am Ende der Russel- und der oberen Hansemannstraße. Einige der großen Bäume ständen zu nah an Häusern, ihre Wurzeln verschärften Bauschäden noch, sagte Golz. Außerdem beschädigten oder bedrohten die Wurzeln die Versorgungsleitungen in den Straßen und die öffentlichen und privaten Abwasserleitungen, argumentierte er. Auch bei den Bäumen, bei denen es noch keine Probleme gebe, erwarte er sie in den nächsten Jahren. Für die großen Platanen sei der Straßenraum zu eng.

Einige Bäume stehe sehr nah an der Fassade. Das führt zu Gebäudeschäden oder verstärkt sie zumindest. Die Siedlergemeinschaft will, dass nur solche Bäume gefällt werden. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Die Siedlergemeinschaft wies darauf hin, dass sie schon seit mehr als 20 Jahren darauf aufmerksam mache, dass einzelne Platanen Probleme machen und möglicherweise gefällt werden müssten. Geschehen sei jedoch nichts. Die Stadt mache sich erst jetzt Gedanken, weil die Gemeindeversicherung nicht mehr bereit sei, für Schäden aufzukommen. Die Bewohner der ehemaligen Zechensiedlung seien von den Plänen der Stadt völlig überrumpelt worden, sagte Zolper. Sie hätten erst aus der Zeitung erfahren, dass es diese Pläne überhaupt gebe.

Golz dagegen vertrat die Ansicht, dass kein „Kahlschlag“ geplant sei. Er verwies auf das Konzept, dass kleinere, schmalkronige Bäume gepflanzt werden sollen, wenn auch in geringerem Umfang als die gefällten Platanen. Außerdem sind blühende Großbüsche und Rosensträucher vorgesehen. Das Konzept zeigten Golz und der Landschaftsarchitekt für beide Straßen in einer Animation.

Die ausgehängten Pläne am Eingangsbereich der Römerberghalle stießen auf großes Interesse bei den Schönhausenern. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Gnade fand es trotzdem nicht bei den Bewohnern der Siedlung, die gekommen waren. „Sie sollten die Schäden beheben und nicht fast 100 Bäume wegreißen“, sagte Zolper. „Damit schafft die Stadt eine Wüste.“

Entscheidung erst nach einer Bürgeranhörung

Einen Erfolg verzeichneten die Gegner der städtischen Pläne schon, bevor sie sich zu Wort melden konnten. Der Ausschuss stimmte einstimmig dem Antrag der CDU zu, keinen Beschluss zu fassen, bevor nicht die Bürger von Schönhausen gehört wurden. Planungsamtsleiter Thomas Reichling verwies darauf, dass die Stadtverwaltung durchaus eine Bürgerbeteiligung geplant habe. Sie wollte die Pläne, die auch im Eingangsbereich der Römerberghalle hingen, ins Internet stellen. Die Bürger sollten sich angesichts der Corona-Pandemie online äußern.

Auch das verwarf der Ausschuss. Er will eine Bürgerversammlung, zu der die Bürger persönlich kommen, sobald sie möglich ist.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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