Kreis-Gutachter schauen auf die Bergkamener Miete

dzNeuer Mietspiegel

Wenn potenzielle Neu-Bergkamener im Rathaus anfragen, mit was für Mietkosten sie zu rechnen haben, erhalten sie allenfalls veraltete Zahlen. Doch das soll sich bald ändern.

Bergkamen

, 16.11.2018, 15:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Üblicherweise lässt sich die ortsübliche Miete anhand eines Mietspiegels feststellen. In Bergkamen gibt eines solchen jedoch nicht – zumindest keinen der Rückschlüsse auf die aktuelle Lage zulässt. Deshalb soll jetzt ein neuer Mietspiegel erstellt werden. Diese Aufgabe übernehmen Fachleute vom Kreis Unna. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 22. November einer entsprechenden öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zustimmen. Die Stadt muss dem Kreis dann 7000 Euro pro Jahr für den Personalbedarf bezahlen. Kamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede und Selm gehen ähnlich vor.

Der letzte Bergkamener Mietspiegel stammt aus dem Jahr 2013. Ihn haben damals die Verband Haus und Grund sowie der Mieterverein im Kreis Unna erstellt. Allerdings hätten sich Mieter- und Vermieter-Vertreter bei der Arbeit darüber zerstritten, berichtet der Städtische Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters. Auch er hätte gerne aktuelle Daten zu den Mieten in Bergkamen – kennt aber allenfalls Durchschnittswerte, die wenig aussagekräftig sind. Und da Immobilienpreise und Mieten in den vergangenen fünf Jahren massiv gestiegen sind, dürfte es auch in Bergkamen gravierende Änderungen gegeben haben.

Diese zu ermitteln ist die Aufgabe des „Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Unna“, der für alle Kommunen im Kreis zuständig ist – mit Ausnahme von Lünen und Unna. Der Ausschuss ist ein unabhängiges, nicht an Weisungen gebundenes Gremium. Seine Geschäftsstelle im Unnaer Kreishaus leitet der Diplom-Ingenieur Martin Oschinski.

Kreis-Gutachter schauen auf die Bergkamener Miete

In den vergangenen Jahren war die Innenstadt auch von Leerständen geprägt. Wie sich das auf die Mieten ausgewirkt hat, kann im Moment niemand exakt sagen. © Marcel Drawe

Es geht um Transparenz

„Es geht vor allem um Transparenz“, beschreibt er den Sinn und Zweck eines Mietspiegels. Mieter und auch Vermieter hätten ein Interesse daran, Vergleichswerte zu bekommen, um zu wissen, welche Miethöhe in der jeweiligen Kommune realistisch ist.

Oschinski und seine Kollegen werden nicht etwa nur Schätzungen oder grobe Hochrechnungen veröffentlichen, betont Oschinski: „Wir schauen nicht einfach in irgendwelche Immobilien-Portale im Internet.“ Vielmehr analysieren sie die Zahlungen, die Bergkamener Mieter tatsächlich leisten. Wie die Gutachter an das Datenmaterial kommen, will Oschinski lieber für sich behalten. Allerdings müssen sie auch nicht jeden einzelnen Mietvertrag in Augenschein nehmen. „Für eine Stadt wie Bergkamen reicht es sicherlich, wenn wir 400 bis 500 Fälle kennen“, sagt Oschinski. Anhand von mathematischen Modellen ließen sich darauf aussagekräftige Werte errechnen. Wobei die Gutachter natürlich berücksichtigen, dass Bergkamen aus sechs ziemlich heterogenen Stadtteilen besteht. Das Mietniveau in einem Wohnblock in Mitte ist sicherlich ein anderes als in einem Neubau in guter Lage in einem anderen Teil der Stadt. Aber solche Unterschiede deutlich zu machen, ist ja einer der Zwecke des Mietspiegels.

Prognosen oder Hypothesen über das Ergebnis verkneifen sich die Gutachter. Sie warten lieber darauf, bis belastbares Daten-Material vorliegt. Allerdings steht zu vermuten, dass sich Oschinski und Co. nicht nur einmal mit dem Mietniveau in Bergkamen befassen werden. Denn die Regeln zur Aufstellung eines Mietspiegels sind im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben. Und unter dem einschlägigen Paragrafen 558c steht unter anderem: „Mietspiegel sollen im Abstand von zwei Jahren der Marktentwicklung angepasst werden.“

Kreis-Gutachter schauen auf die Bergkamener Miete

Wer in Bergkamen eine Wohnung mieten oder vermieten will, hat ein Interesse daran, die Höhe der Vergleichsmieten zu kennen. © Marcel Drawe

Mietspiegel wird veröffentlicht

Für ihre Analyse der Bergkamener Mietverhältnisse werden die Fachleute aus dem Gutachter-Ausschuss rund ein Jahr benötigen: „Ich gehe davon aus, dass der neue Mietspiegel Ende 2019 vorliegen wird“, sagt Geschäftsstellen-Leiter Martin Oschinski. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch soll das Zahlenwerk veröffentlicht werden. Diese Aufgabe allerdings obliegt der Stadt, sagt der Gutachter. Und die werde ihrer Veröffentlichungspflicht auch nachkommen, versichert Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters: „Wenn der Mietspiegel fertig ist, wird er bei uns im Baudezernat und im Bürgerbüro einsehbar sein.“ Allerdings werden sich Mieter und Vermieter und alle anderen, die sich für das Mietniveau in Bergkamen interessieren, nicht unbedingt ins Rathaus bemühen müssen: „Wir werden sicherlich eine Möglichkeit finden, ihn im Internet zu veröffentlichen.“

Entscheidung im Stadtrat

  • Der Stadtrat kommt am Donnerstag, 22. November, um 17.15 Uhr im Ratssaal im Ratstrakt neben dem Rathaus zusammen.
  • Die Sitzung ist öffentlich.
  • Der Mietspiegel steht auf Punkt 7 der Tagesordnung.
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