Kraftwerk Heil: Die Steag soll sich nach der Stilllegung selbst um die Fläche kümmern

dzKohleausstieg

Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, aber das Steag-Kraftwerk Heil wird im Rahmen des Kohleausstiegs stillgelegt. Die Steag soll sich auch danach noch um die Fläche kümmern, fordert der Bürgermeister.

Bergkamen

, 24.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in den Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes schaut, das der Bundestag noch vor der Sommerpause beschließen soll, der kann fast nur zu dem Schluss kommen, dass die Tage des Kraftwerks Heil schon recht bald gezählt sind. Falls das Gesetz so in Kraft tritt, wie es der Entwurf vorsieht, geht das letzte deutsche Kohlekraftwerk spätestens bis 2030 vom Netz. Nur bis 2026 soll es noch Entschädigungen geben – und zwar nach einer Art negativem Bieterverfahren: Wer am wenigsten für die Stilllegung verlangt, bekommt den Zuschlag.

Bürgermeister kann sich späte Stilllegung vorstellen

Das scheint dafür zu sprechen, dass das Kraftwerk in Heil bis dahin vom Netz geht. Für Betreiber Steag wäre es die Chance, für das vermutlich lange abgeschriebene Kraftwerk noch Geld zu bekommen. Öffentlich diskutiert wird zurzeit daher auch über die neuen Kraftwerke – zum Beispiel das Steag-Kraftwerk Walsum, das noch neu und nicht abgeschrieben ist. Wenn die Steag es stilllegen muss, bedeutet das einen erheblichen finanziellen Verlust.

Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer kann sich aber auch den umgekehrten Effekt vorstellen: Dass die Steag und andere Kraftwerksbetreiber ihre älteren und schon abgeschriebenen Kraftwerke so lange wie möglich laufen lassen, um damit Geld zu verdienen.

Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer fordert, dass sich Kraftwerksbetreiber Steag Gedanken darüber macht, ob sich die Gebäude ganz oder zum Teil anders nutzen lassen. Die Lagerflächen bieten Platz für Neuansiedlungen.

Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer fordert, dass sich Kraftwerksbetreiber Steag Gedanken darüber macht, ob sich die Gebäude ganz oder zum Teil anders nutzen lassen. Die Lagerflächen bieten Platz für Neuansiedlungen. © Stefan Milk

Regionalverband hat Weichen für ein Gewerbegebiet gestellt

Dieses Szenario würde die Stilllegung des Kraftwerks verzögern, obwohl der Regionalverband Ruhr (RVR) erst vor wenigen Tagen die Weichen für die Zukunft der Kraftwerksfläche gestellt hat. Die Verbandsversammlung hat beschlossen, 24 sogenannte „regionale Kooperationsstandorte“ zu entwickeln, unabhängig vom neuen Regionalplan, dessen Fertigstellung nicht abzusehen ist. Das sind große, interkommunale Gewerbegebiete und die Kraftwerksfläche in Heil ist eine davon.

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Wenn es zur Stilllegung des Kraftwerks kommt, sieht Schäfer jedoch nicht die Wirtschaftsförderung am Zug, die für den Abriss des Kraftwerks und die Aufbereitung des Geländes für Neuansiedlungen sorgen könnte.

Steag soll prüfen, ob sich die Gebäude auch anders nutzen lassen

Schäfer will stattdessen den Betreiber Steag selbst in die Pflicht nehmen. Er soll zum Beispiel prüfen, ob sich die Gebäude ganz oder zumindest zum Teil neu nutzen lassen. Schäfer kann sich durchaus vorstellen, dass ein Teil der Gebäude nach Umbauten weiter genutzt werden kann, obwohl sie für den Kraftwerksbetrieb gebaut wurden. Die Steag könne sie zum Beispiel für eine andere Art von Energieerzeugung als bisher nutzen, meint er – möglicherweise für die Wasserstoffproduktion.

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Schäfer geht davon aus, dass das Unternehmen ohnehin auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell ist und sich Gedanken über eine neue Nutzung seiner Standorte macht. Es ist absehbar, dass der bisherige Haupt-Geschäftszweig wegfällt – das Betreiben von Steinkohlekraftwerken.

Das Kraftwerk Heil liegt direkt am Datteln-Hamm-Kanal und hat einen eigenen Hafen. Das könnte ein Standortvorteil auch für neues Gewerbe sein.

Das Kraftwerk Heil liegt direkt am Datteln-Hamm-Kanal und hat einen eigenen Hafen. Das könnte ein Standortvorteil auch für neues Gewerbe sein. © Stefan Milk

Lagerflächen bieten Platz für Neuansiedlungen

Selbst wenn sich die Steag überlegt, das Kraftwerksgelände selbst für etwas anderes zu nutzen, würde die Fläche Platz für Neuansiedlungen bieten. Es gibt zum Beispiel große Lagerflächen, die nicht mehr benötigt würden.

Schäfer sieht gute Chancen, für Neuansiedlungen. Das Kraftwerk habe über den Westenhellweg eine recht gute Anbindung an das Autobahnnetz. Außerdem habe sie einen großen Standortvorteil: Sie liegt direkt am Datteln-Hamm-Kanal. Einen Hafen gibt es sogar schon. Er wird für die Kohlenanlieferung genutzt solange das Kraftwerk noch in Betrieb ist.

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