Kraftwerk Heil droht das Aus schon vor 2026

dzKohleausstieg

Dem Kohlekraftwerk in Heil droht die Stilllegung schon in den nächsten Jahren. Betreiber Steag hofft, dass ein Referentenentwurf zum Ausstieg aus der Kohleverstromung nicht zum Gesetz wird.

Bergkamen

, 24.01.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Kraftwerk Heil mit rund 150 Arbeitsplätzen droht die Stilllegung spätestens im Jahr 2026, wahrscheinlich aber sogar schon früher. Hintergrund ist ein Referentenentwurf für das Gesetz zum Ausstieg aus der Kohleverstromung, über den das Bundeskabinett in der kommenden Woche beraten will.

Er sieht vor, dass die Betreiber von Steinkohlekraftwerken nur bis 2026 eine Entschädigung bekommen, wenn sie ein Kraftwerk freiwillig abschalten. Danach droht die Zwangsabschaltung – ohne Entschädigung. Die Abschaltung mit Entschädigung soll nach und nach erfolgen. Dabei soll es eine Art Bieterwettbewerb geben. Den Zuschlag bekommt das Unternehmen, das am wenigsten Entschädigung verlangt.

Steag will noch keine Stellung nehmen

Kraftwerke, die besonders viel CO2 ausstoßen, sollen nach einem Bericht der Funke-Mediengruppe bevorzugt werden. Ihre Betreiber könnten höhere Abfindungen bekommen. Die Abschaltungen mit Entschädigung sollen nach und nach erfolgen: Schon in diesem Jahr sind vier Gigawatt Steinkohle-Kraftwerksleistung zur Stilllegung ausgeschrieben.

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Die Steag wollte zu einer möglichen Stilllegung der von ihr betriebenen Kraftwerke noch keine Stellung nehmen. Ihr Sprecher Daniel Mühlenfeld wies darauf hin, dass es sich bisher um einen Referentenentwurf handelt. Sie hofft offenbar, dass die Regelungen bei der Beratung im Kabinett und später im Bundestag noch geändert werden. „Wir wollen uns noch nicht offiziell äußern“, sagte Mühlenfeld.

Kraftwerk Heil droht das Aus schon vor 2026

Das Kraftwerk liegt am Datteln-Hamm-Kanal und wird mit Kohle betrieben, die über die Wasserstraße angeliefert wird. Ursprünglich gab es ein Förderband zur schon lange stillgelegten Bergkamener Zeche Monopol. © Stefan Milk

Kraftwerk Heil hat möglicherweise keine guten Karten

Falls der Referentenentwurf im Wesentlichen übernommen wird, dürfte der Kraftwerksstandort schlechtere Karten als andere haben. Insgesamt betreibt die Steag noch sechs Kohlekraftwerke – drei im Saarland und drei im Ruhrgebiet. Zwei der drei Kraftwerke im Saarland hängen nicht ständig am Netz, sondern gehören nach Mühlenfelds Angaben zur sogenannten „Netzreserve“. Sie gehen nur bei Bedarf ans Netz.

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Die drei Ruhrgebiets-Kraftwerke sind alle am Netz. Das Kraftwerk in Walsum hat den modernsten Kohleblock, der erst 2013 in Betrieb gegangen ist. In Herne baut die Steag zurzeit einen neuen mit Gas betriebenen Kraftwerksblock. Das Kraftwerk in Heil wurde bereits ab ende der 70er Jahre gebaut und ist schon 1981 in Betrieb gegangen.

Mittlerweile gibt es bereits Widerstand von Stadtwerken und Städten gegen den Gesetzentwurf. Dabei geht es um die Stadtwerke-Tochter Trianel, die unter anderem in Lünen ein relativ neues Kohlekraftwerk betriebt. An der Steag sind außerdem eine ganze Reihe von Kommunen beteiligt.

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