Konflikt bei Kaufland in Bergkamen: Endlich wird verhandelt

dzStreit um Corona-Schutz

Seit zwei Monaten schwelt der Konflikt bei Kaufland in Bergkamen-Mitte. Die Mitarbeiter können nicht arbeiten, Kunden sind sauer. Nun sprechen Betriebsrat und Geschäftsleitung miteinander

Bergkamen

, 07.07.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Unmut der Kunden über die Verhältnisse bei Kaufland in Bergkamen-Mitte wächst. Seit über zwei Monaten kann das Stammpersonal nicht arbeiten, stattdessen erledigen mit Werkverträgen ausgestattete Aushilfen den laufenden Betrieb – offenbar mehr schlecht als recht. Grund ist ein Konflikt zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat über den Gesundheitsschutz vor dem Corona-Virus.

Wochenlang tat sich nichts, die Fronten waren verhärtet. Nun reden die Konfliktparteien zumindest miteinander: Für diesen Mittwoch ist ein Treffen zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Geschäftsführung vereinbart, wie der Rechtsanwalt Albrecht Seidel am Dienstagnachmittag berichtete. Seidel vertritt den Betriebsrat.

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Versuch einer außergerichtlichen Vereinbarung

Er hat bereits mehrere Termine vor dem Arbeitsgericht absolviert. Bei den Verhandlungen am Mittwoch gehe es allerdings darum, eine außergerichtliche Vereinbarung zu erzielen, betonte Seidel. Ihm und dem Betriebsrat wäre es lieber gewesen, den Streit vor einer Einigungsstelle beizulegen, in der ein Richter das letzte Wort hat.

In dem Streit zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung geht es um den Gesundheitsschutz vor Corona (das Bild stammt aus einem anderem Supermarkt).

In dem Streit zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung geht es um den Gesundheitsschutz vor Corona (das Bild stammt aus einem anderem Supermarkt). © picture alliance/dpa

Die Arbeitgeberseite habe das abgelehnt, sagte Seidel.

Deshalb gehe er „skeptisch“, aber auch mit „verhaltenem Optimismus“ in die Gesprächsrunde am Mittwoch. Der Nachteil eines außergerichtlichen Einigungsversuches bestehe darin, dass es niemand gebe, der einen Vergleich vorschlagen könnte: „Man muss sich ganz oder gar nicht einigen“, sagte Seidel.

Betriebsrat besteht auf einer Betriebsvereinbarung

Der Betriebsrat besteht darauf, den Corona-Schutz in einer verbindlichen Betriebsvereinbarung festzuschreiben. Die Kaufland-Geschäftsleitung hatte das bisher abgelehnt. Im Gegenzug verweigerte der Betriebsrat die Zustimmung zu den Dienstplänen, sodass die 108 Mitarbeiter von Kaufland an der Töddinghauser Straße derzeit freigestellt sind. Falls sich die Konfliktparteien am Mittwoch einigen, sei es möglich, dass die Beschäftigten kurzfristig wieder zur Arbeit gingen, meinte Seidel.

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Möglicherweise bewirkt der Leidensdruck auf beiden Seiten eine gewisse Kompromissbereitschaft. In den Reihen der Mitarbeiter gibt es durchaus Beschäftigte, die mit dem Kurs des Betriebsrates nicht einverstanden sind. Das Handelsunternehmen verärgert nicht nur seine Kunden, sondern hat zusätzliche Kosten. Es zahlt nach Angaben der Kaufland-Pressestelle nicht nur für die Aushilfen: Das Stammpersonal sei „bei voller Lohnfortzahlung freigestellt“.

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