Die Klöcknerbahntrasse soll zum Radschnellweg ausgebaut werden. Nur wann, ist die große Frage, auf die es seit Jahren keine Antwort gibt. © Stefan Milk
Radfahren

Kommt Radschnellweg RS1 am Sankt-Nimmerleinstag?

Autofrei auf einer gut ausgebauten, asphaltierten Strecke von Kamen nach Bergkamen oder von Unna nach Dortmund: Das verspricht der Radschnellweg RS1. Aber wann er endlich kommt, kann keiner sagen.

„Der schnellste Weg am Stau vorbei“: Mit diesem flotten Spruch wirbt Straßen NRW für den RS1 – den Radschnellweg durchs Ruhrgebiet, der Duisburg und Hamm verbinden soll. Mit über 100 Kilometern Länge soll der RS1 der längste Radschnellweg Europas werden. Doch während Radfahrer andernorts in Europa längst eine prima ausgebaute Infrastruktur vorfinden, ist beim RS1 vieles auch elf Jahre nach der Idee immer noch Vision.

Die Planungen für das Teilstück durch den Kreis Unna, das von Dortmund über Unna, Kamen und Bergkamen weiter nach Hamm führen soll, kommen einfach nicht voran. Das bestätigte sich jüngst einmal mehr im Kreisausschuss für Mobilität und Bauen, als Dezernent Ludwig Holzbeck einen Brief des Landesbetriebs Straßen NRW vorlas.

Führung des RS1 über Klöcknerbahntrasse ist noch gar nicht sicher

Dieser fungiert als Baulastträger und plant den Radweg wie eine Landesstraße. Es laufe noch immer die Umweltverträglichkeitsprüfung und damit stehe sogar noch in Frage, ob es überhaupt bei der geplanten Linienführung über die Klöcknerbahntrasse bleibe, berichtete Holzbeck. Schließlich handele es sich um eine recht schmale Trasse mit zwei Gräben und hoher Böschung.

Die Vorgaben des RS1 sehen eine Breite von mindestens 6,50 Metern vor, von denen 4 Meter für Radfahrer und 2,50 Meter für Fußgänger zur Verfügung stehen sollen. Man prüfe seitens Straßen NRW, so zitierte Holzbeck weiter, ob Prüfungspunkte aus dem Kriterienkatalog für Landesstraßen weggelassen werden könnten, die für Radwege nicht so relevant seien. Dann folge ein Kostenentwurf, den das Verkehrsministerium genehmigen müsse. Dann wiederum schließe sich ein Planfeststellungsverfahren unter Beteiligung der Träger öffentlicher Belange an. Holzbeck: „Die gehen von zwei Jahren für das Genehmigungsverfahren aus, haben aber nicht dargelegt, wie lange es vorher noch dauert.“

Zwei Jahre seien erfahrungsgemäß nur einzuhalten, „wenn alles optimal durchläuft“. Danach erfolge dann die Ausführungsplanung, der nötige Erwerb von Grundstücken, schließlich der Bau.

Reaktionen aus der Politik: „Extremst frustrierend“

Die Politiker im Ausschuss reagierten zuweilen entsetzt auf diesen Ausblick. „Extremst frustrierend“ sei das, sagte Anke Schneider von den Grünen im Kreistag. Der Baubeginn könne demnach also frühestens in fünf bis sechs Jahren erfolgen. „Darauf können wir doch nicht allen Ernstes warten“, befand sie und schlug vor, schon vorab tätig zu werden, um die Klöcknerbahntrasse aufzuwerten. „Die ist jetzt schon gut genutzt, aber im Sommer zu staubig und im Winter zu matschig“, so Schneider.

Bis zur IGA 2027 – also der Internationalen Gartenausstellung, an der Bergkamen beteiligt ist – müsse die Befahrbarkeit des RS1 hergestellt sein, sagte Martina Eickhoff für die SPD. Ob das gelingt, scheint freilich völlig offen.

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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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