Die Kleingärtner in Heil bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vor. Die Experten wissen, wie es der eigene Garten am besten durch den Winter schafft.

12.10.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kleingartenanlage in Heil erinnert am Samstagvormittag an einen Ameisenhaufen. Mit einem Ruck schaufelt ein Bagger leichterhand Stück für Stück der langen Hecke aus dem Boden. Die Gartenbesitzer schieben das herausgerupfte Geäst in Schubkarren davon – wie bei einer Ameisenstraße.

„Vor der Saison ist nach der Saison“, sagt Oliver Schröder, der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Haus Aden. Je im Herbst und im Frühling gibt es einen Gemeinschaftstag, an dem alle mit anpacken. Am Samstag steht die Hecke im Fokus. Sie muss weichen, weil sie schon 50 Jahre alt und größtenteils kaputt ist. Doch nicht nur das Alter und der trockene Sommer, sondern auch Käferlarven im Boden sind Schuld daran. „Das ist ärgerlich, aber eine Chance für ein neues Bild“, sagt Schröder. Im Sommer sollen bienen- und insektenfreundliche Blumen den Hauptweg der Anlage „bunt erleuchten.“

Kleingärtner machen es vor: So wird der Garten fit für den Winter

Emsig wie die Ameisen transportieren die Kleingärtner die Reste der Hecke ab. Sie ist zu alt und wird entfernt. © Boyrs Sarad

Kleingärtner in Bergkamen bereiten ihre Gärten auf den Winter vor

Kleingärtner, die nicht gerade die letzten Teile der Hecke abtransportieren, wuseln im eigenen Garten herum. Das gute Wetter nutzen sie aus, um ihre Gärten allmählich auf den Winter vorzubereiten. Dabei gehen sie das dieses Jahr recht gelassen an. „Es soll keinen Frost geben, nur viel regnen“, sagt Maria Baumann, deren Garten auch im Herbst noch farbenfroh blüht.

Ihren Garten in Heil pflegt sie bereits seit 13 Jahren. Wichtig sei für den Winter, dass der Boden bedeckt ist. Dazu sollte man neutralen Dünger nutzen. Von Senf als Dünger rät sie ab, da es sich dabei um Kreuzblütler handelt und andere Kreuzblütler dort dann nicht mehr wachsen. Einmal habe sie den Fehler gemacht und konnte danach kaum Gemüse ernten. Zu Kreuzblütlern gehören etwa Kohlrabi, Weißkohl und Radieschen.

Dieses Jahr verwendet sie Zinnien. Noch blühen sie in bunten Farben, doch im Winter sterben sie ab. „Ich lasse sie dann liegen und ziehe sie im Frühjahr vom Feld ab“, erklärt Brinkmann. So ist ihr Boden im Winter geschützt. „Ein Acker soll nicht freiliegen.“

Kleingärtner machen es vor: So wird der Garten fit für den Winter

Martina und Kira Gayer (l.) haben einen Pool in ihrem Kleingarten. Das Wasser werden sie in den nächsten Tagen herauslassen. © Boyrs Sarad

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Wasser abstellen und Hecken schneiden

Nahe am Eingang der Anlage sind Martina und Kira Gayer in ihrer Parzelle beschäftigt. Auch sie haben vor dem Winter noch einiges zu erledigen. Bis auf Kohlsorten, die Frost brauchen, steht Ernte und Heckenkürzen auf dem Plan. Das mache man im Herbst, da man sonst im Frühjahr die Knospen mit abschneiden würde, weiß Gayer.

Obwohl die beiden erst seit einem Jahr Mitglieder im Verein sind, kennen sie sich bestens aus. Tatsächlich gehört der Garten nicht Mutter, sondern Tochter. Die 25-Jährige vermisst den Garten, den die Familie immer hatte. Kira Gayer wohnt mittlerweile in einer Mietwohnung in Bergkamen und hat sich als Ergänzung das Fleckchen Grün in Heil angeschafft.

Obwohl er an dem sonnigen Samstag noch zum Hineinspringen einlädt, werden die Gayers vor der kalten Jahreszeit auch noch das Wasser aus dem Pool lassen. Auch die Wasserpumpe wird abgestellt. „Aber damit warten wir noch etwas. Wir genießen noch den goldenen Herbst“, sagt Martina Gayer.

Fast fertig mit den Vorbereitungen auf den Winter ist Friedhelm Dunker. Mit seinen 89 Jahren wuselt er am Samstag genau so emsig herum, wie die anderen. Dunker ist das einzige Gründungsmitglied des Vereins, das dort immer noch einen Kleingarten besitzt. Seit 54 Jahren pflegt er seinen Garten – und denkt noch nicht ans Aufhören. „Der Garten hält mich fit“.

Kleingärtner machen es vor: So wird der Garten fit für den Winter

Mit einem Bagger rupft ein Kleingärtner die Hecke heraus. Sie wird im Frühjahr durch ein Blumenbeet ersetzt. © Boyrs Sarad

Dunker will vor dem Winter noch Kohlrabi, Weißkohl, Wirsing und Co. ernten. „Der Porree bleibt stehen, der ist winterhart.“ Und auch die Erdbeeren, die Dunker schon jetzt angepflanzt hat, können Kälte und Frost gut ab.

Während Dunker sich jetzt schon auf frische, eigene Erdbeeren im Sommer freuen kann, erinnert Gayer daran, Zwiebeln jetzt einzupflanzen. „Wer im Frühjahr Tulpen oder Narzissen haben möchte, muss sie jetzt in die Erde bringen.“

Der Gemeinschaftstag in Heil zeigt, dass es vieles gibt, an das Gartenbesitzer vor dem Winter noch denken müssen, damit ihr Garten gut für die nächste Saison gewappnet ist. Doch bei der Sonne macht das den Kleingärtner nichts aus, sondern offenkundig viel Spaß. Gayer freut sich schon am Vormittag auf das Beisammensitzen nach getaner Arbeit. „Es geht hier auch um die Gemeinschaft.“

Kleingärtner machen es vor: So wird der Garten fit für den Winter

Maria Baumann hat schon mehrere Auszeichnungen für den schönsten Kleingarten erhalten. Die Tomaten will sie vor dem Winter noch ernten. © Boyrs Sarad

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