Klassenfahrten ja oder nein – Schulen sind verunsichert und fürchten hohe Stornokosten

dzAusflugsfahrten für Schüler

Grundsätzlich sind Klassenfahrten erlaubt, aber nur ins Inland. Was sich nach einer einfachen Regelung anhört, ist aber bei näherer Betrachtung keine. Die Schulen und die Eltern sind verunsichert.

Bergkamen

, 16.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Susanne Fahrner, die Rektorin der Jahnschule, ist auf Nummer sicher gegangen: Sie hat alle geplanten Klassenfahrten ihrer Schüler abgesagt, damit der Schule und den Eltern keine Stornokosten entstehen. In der jüngsten Sitzung des Schulausschusses erfuhr sie, dass sie damit möglicherweise nicht richtig gelegen hat: Nach der Direktive des NRW-Schulministeriums sollen nur die Klassenfahrten ins Ausland abgesagt werden. Schüler, die eine Fahrt im Inland unternehmen, könnten verreisen.

Nicht alle Bundesländer erlauben Gruppenausflüge

Das ist aber nach den Erfahrungen von Schuldezernentin Christine Busch nur bedingt richtig. Einige Bundesländer erlauben noch keine Gruppenfahrten. Das gilt auch für Gruppen, die aus einem anderen Bundesland einreisen. Diese Erfahrung hat Busch selbst bei ihrem Engagement für die evangelische Kirche gemacht. Sie musste eine Jugendfahrt auf eine der ostfriesischen Inseln absagen, weil die Reise den Bestimmungen in Niedersachsen widersprechen würde.

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Hinzu kommt, dass die Klassenfahrten im Inland nur unter der Auflage stattfinden können, dass die Schulen überprüfen, ob in der Unterkunft und auf der Fahrt alle Hygiene- und Abstandsbestimmungen eingehalten werden. Damit fühlen sich die meisten Schulen überfordert – zumal sie die Einhaltung der Bestimmungen am Ziel der Fahrt überprüfen müssten. „Ich bin schon EDV-Beauftragte und jetzt auch noch Hygienebeauftragte – das ist zu viel“, sagte Bärbel Heidenreich, die Leiterin des Städtischen Gymnasiums.

Die Schulen müssen auch überprüfen, ob der Veranstalter vor Ort Hygiene- und Abstandsregeln einhält. Gedränge an der Essensausgabe wäre nicht möglich.

Die Schulen müssen auch überprüfen, ob der Veranstalter vor Ort Hygiene- und Abstandsregeln einhält. Gedränge an der Essensausgabe wäre nicht möglich. © picture alliance / dpa

Storno-Risiko ist den Eltern kaum zu vermitteln

Die Schulen fürchten vor allem, dass sie auf den Stornokosten sitzen bleiben, wenn die Klassenfahrt doch nicht stattfinden kann. Das Problem: Eine kostenlose Stornierung ist nur möglich, wenn sie auf einer offiziellen Reisewarnung beruht.

Die Schulleitungen befürchten deshalb auch Probleme mit den Eltern, wenn sie für eine Klassenfahrt in Vorkasse treten sollen. „Wie soll ich den Eltern vermitteln, dass sie möglicherweise in ein schwarzes Loch zahlen“, sagte eine Schulleiterin.

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In dieser Situation hat auch die Schuldezernentin keinen Rat für die Schulen. Ihnen bleibe nur, mit den Veranstaltern über die möglichen Stornokosten zu verhandeln, sagte Busch. Und sie müssten sich immer genau beim Schulministerium über die derzeit geltende Erlasslage informieren. Die ist jedoch nicht sehr verlässlich und ändert sich schnell wieder, wie die Schulen festgestellt haben.

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