Keine Gefahr durch Giftstoff PCB – wenn die Bürger sich an die Verzehrwarnung halten

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Die Anwohner des Gewerbe- und Industriegebietes Neu-Monopol sind wegen einer möglichen PCB-Belastung besorgt und der Stadtrat diskutiert erregt. Die Bezirksregierung gibt relative Entwarnung.

Bergkamen

, 27.08.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich in den vergangenen Tagen mit Bewohnern des westlichen Teils der Gartensiedlung unterhalten hat, spürt pure Verunsicherung. Die Bezirksregierung hat vor einigen Tagen die Empfehlung erlassen, in diesem Bereich kein Blattgemüse aus dem eigenen Garten zu essen – zum Beispiel Salat oder Kohl. Hintergrund: Die Landesanstalt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat bei Löwenzahn-Proben aus diesem Bereich eine verdächtig hohe Konzentration von Polychlorierten Biphenylen (PCB) gemessen – ein krebserregender Stoff, dessen Herstellung schon lange weltweit verboten ist.

Einige der Anwohner hatten sich am Dienstagabend zur Sonder-Ratssitzung aufgemacht in der Hoffnung, dort Näheres zu erfahren. Außerdem stand der Vorwurf im Raum, dass die Stadt schon seit Ende 2019 von der PCB-Konzentration im Löwenzahn gewusst habe.

Das Lanuv hat eine erhöhte PCB-Konzentration in Löwenzahn im Bereich des Gewerbegebiets Neu-Monopol gemessen.

Das Lanuv hat eine erhöhte PCB-Konzentration in Löwenzahn im Bereich des Gewerbegebiets Neu-Monopol gemessen. © Stefan Milk

Auch die Stadt hat erst im August von der Belastung erfahren

Hat sie nicht, wie Bürgermeister Roland Schäfer sagte. Die ersten verdächtigen PCB-Werte sind tatsächlich schon Ende des vergangenen Jahres aufgetaucht, wie Christoph Söbbeler bestätigte, der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Der Lanuv waren offenbar bei einer Messung, die routinemäßig an unterschiedlichen Stellen vorgenommen wird, verdächtige Werte aufgefallen.

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Die Stadt Bergkamen erfuhr davon jedoch nichts, ebenso wenig wie ihre Bürger. Dafür seien die Erkenntnisse noch nicht weit genug gediehen gewesen, sagt Söbbeler. Erst am 11. August und damit eine knappe Woche, bevor die Bezirksregierung selbst die Verzehrwarnung herausgab, hat auch die Stadt von der PCB-Belastung erfahren.

In diesen beiden Bereichen von Bergkamen gilt die Empfehlung, kein Blattgemüse aus dem eigenen Garten zu essen. Beide grenzen an das Gewerbegebiet Neu-Monopol an.

In diesen beiden Bereichen von Bergkamen gilt die Empfehlung, kein Blattgemüse aus dem eigenen Garten zu essen. Beide grenzen an das Gewerbegebiet Neu-Monopol an. © Bezirksregierung Arnsberg

Experten wollen mit Warnung „auf der sicheren Seite sein“

Mit der Warnung hätten sich die Experten schwer getan, machte Söbbeler deutlich. Sie hätten sich schließlich dazu entschlossen, um „auf der sicheren Seite zu sein“, wie er sagte. Zurzeit gehen das Lanuv und die Bezirksregierung davon aus, dass auf keinen Fall eine Gefahr besteht, wenn die Bewohner der beiden gekennzeichneten Bereiche sich an die Empfehlung halten und kein Blattgemüse aus dem eigenen Garten essen.

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Genauere Erkenntnisse sollen Grünkohlpflanzen bringen, die in den nächsten Tagen in Bottichen mit gereinigter Erde in diesem Bereich angepflanzt werden. Im Herbst sind die Pflanzen so weit, dass sie untersucht werden können. Dann hoffen die Experten auch auf Erkenntnisse, woher das PCB stammt. Im Verdacht ist die Firma M&R Recycling Solutions – aber auch nur, weil bei der Behandlung von Recyclingschrott theoretisch auch PCB freiwerden kann, wie Söbbeler sagte.

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