Kein Kahlschlag bei den Platanen in Schönhausen

dzBaumgutachten

Ein Fachbüro aus Kamen hat sich die Platanen in Schönhausen angeschaut. Die Bestandsaufnahme für die Bäume in der ehemaligen Zechensiedlung soll in drei Wochen abgeschlossen sein

Bergkamen

, 08.08.2018, 12:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kamener Büro, das die Stadt zur Begutachtung der Bäume eingeschaltet hat, soll pünktlich bis zum Jahresende ein Konzept vorlegen, was mit den über 100 Jahre alten Platanen an der nördlichen Hansemannstraße und der Russelstraße passieren soll. Die Bäume sind eigentlich durch einen Eintrag im Alleenkataster NRW geschützt. An einigen Stellen gibt es allerdings Probleme mit den Wurzeln der Bäume, die bis in das Fundament einiger Häuser wachsen. Die Beigeordnete Christine Busch, die zurzeit den Baudezernenten Dr. Hans-Joachim Peters vertritt, dementierte allerdings, dass die Stadt einen „Kahlschlag“ bei den Bäumen plant. „Wir wollen auf jeden Fall so viele Bäume wie möglich erhalten“, sagte sie.

Bewohner der beiden Straßen registrierten in den vergangenen Wochen Vermessungsarbeiten im Bereich ihrer Straßen und die Gutachter, die jeden einzelnen Baum in Augenschein nahmen. Die Gemengelage in der ehemaligen Zechensiedlung ist schwierig: Einige Bäume wurden unmittelbar nach dem Bau der Siedlung vor dem Ersten Weltkrieg so nah an einige der Häuser gepflanzt, dass ihre Wurzeln jetzt bis in den Bereich des Fundaments vorgedrungen sind. Zudem wurden die Bäume zu einer Zeit gepflanzt, als es noch keinen Autoverkehr gab und entsprechend viel weniger versiegelte Flächen in der Siedlung. Mittlerweile sind einige Bäume fast bis an den Stamm zugepflastert und treiben die Wurzeln dadurch noch weiter in die Umgebung. Oft ist auch nicht klar, wo Versorgungsleitungen in den Straßen verlaufen. Zum Teil sind die Wurzeln der Bäume um die Leitungen herumgewachsen.

Die Gutachter sollen klären, ob und wo möglicherweise Bäume weggenommen werden müssen. Dabei prüfen sie auch, ob dadurch die Standfestigkeit der gesamten Allee beeinträchtigt würde. In den vergangenen Jahren haben die Platanen in Schönhausen alle Stürme überstanden – unter anderem die Sturmtiefs „Kyrill“ und „Friederike“, die erst Anfang des Jahres tobte.

Die Gutachter sollen auch berücksichtigen, welche Bedeutung die Bäume für das Mikroklima in der Zechensiedlung haben. Gerade an heißen Tagen wie zurzeit, spenden sie nicht nur Schatten, sondern sorgen durch die Verdunstung von Wasser für ein angenehmeres Klima. Auch deshalb sollen die Gutachter Aufforstungsmaßnahmen vorschlagen, falls Bäume weggenommen werden müssen. Wahrscheinlich werden aber keine Platanen nachgepflanzt: Die Bäume sind zwar so robust, dass sie gut für die Bedingungen in der Stadt geeignet sind – beanspruchen aber viel Wurzelraum. Das Gutachten für die beiden Straßenzüge soll exemplarisch Aufschluss über den Umgang mit den Bäumen in der gesamten Siedlung geben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Verfahren um Elfjährigen
„Familienaktivist“ protestiert vorerst nicht im Bergkamener Rathaus – Verfahren läuft noch
Meistgelesen