Sigrid Brandt weiß, wie Familien ihre Wohnungen und Häuser jetzt in Ordnung halten können. Sie gibt zehn einfache Tipps und erklärt, wie zum Beispiel die Küche ohne viel Aufwand sauber bleibt. © Stefan Milk
Ordnung halten

Kein Chaos im Lockdown: Expertin gibt Familien 10 einfache Tipps für ein ordentliches Zuhause

Sigrid Brandt ist Aufräumcoach und weiß, wie man jetzt im Lockdown die Ordnung zu Hause bewahrt. Sie gibt Familien einfache Tipps an die Hand – hat aber auch einen wichtigen Appell.

Bevor Aufräumcoach Sigrid Brandt erklärt, wie Familien es schaffen können, dass während des Lockdowns zu Hause nicht das große Chaos ausbricht, hat sie einen Apell. Eine Botschaft, die in die ganz andere Richtung geht: „Wie wichtig ist das Aufräumen und Entrümpeln jetzt?“, fragt sie.

Gerade in Zeiten von Corona sollte man sich auf das besinnen, was man hat und froh darüber sein. „Wir sollten uns jeden Tag mehrmals bewusst machen, wofür wir dankbar sein sollten“, sagt Brandt. Das kann zum Beispiel der sichere Arbeitsplatz sein, die gesunde Familie etc.

Ordnung halten zu müssen sei etwas, das viele von ihren Eltern übermittelt bekommen haben. Doch dieses Anspruchsdenken darf man in diesen Zeiten, in denen viele Familien mit doppelt- und dreifacher Belastung mit Homeoffice, Homeschooling und Haushalt auch einmal loslassen, findet Brandt.

In Sigrid Brandts Wohnung ist es ordentlich – aber auch nicht immer. „Ich bin auch nur ein Mensch und mein Tag hat auch nur 24 Stunden“, sagt sie. Gerade jetzt, wo viele eine Menge anderer Sorgen haben, ist es okay, wenn es zu Hause auch mal nicht perfekt aussieht. © Stefan Milk © Stefan Milk

Freilich solle man jetzt nicht die Hände in den Schoß legen und nichts tun, „aber gerade jetzt in dieser Zeit sollte man Prioritäten setzen“, so Brandt. Die Gesundheit und Auslastung der Kinder gehe vor, da könne man die Kinderzimmertür auch mal zu machen. Zusätzlichen Stress, weil es zu Hause mal chaotisch aussieht, können jetzt weder Kinder noch die Eltern gebrauchen.

Das Ganze gelassener zu sehen sollte aber auch nicht dazu führen, dass nun das große Chaos ausbricht. Und das zu vermeiden muss gar nicht aufwendig oder stressig sein – wie die Tipps, die Brandt Familien mit an die Hand gibt, zeigen:

10 Ratschläge, um dem Chaos zu Hause einfach vorzubeugen

1. Klare Strukturen: Zunächst einmal ist es laut Brandt wichtig, dass Eltern eine eigene Struktur haben und vorleben. „Ich gebe vor, was ich möchte und was, wann Priorität hat“, sagt Brandt. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Dinge ihren festen Platz haben sollten, damit Kinder genau wissen, wo etwas hingehört. Eltern sollten ein Ordnungssystem schaffen, das die Kinder kennen und woran sie sich orientieren können.

2. Kinder einbinden: Dazu passt, dass Kinder wunderbar in die Hausarbeit eingespannt werden können, wie Brandt sagt. Als ihre Tochter etwa vier Jahre alt war, konnte sie schon helfen, die Spülmaschine auszuräumen und wusste, wo alles hingehört. „Kinder können mehr, als wir denken“, sagt Brandt.

3. Freude beim Aufräumen: Ein sehr wichtiger Punkt ist für Brandt, die Kinder zu loben und das Aufräumen oder Entrümpeln zu einer schönen Beschäftigung werden zu lassen. So könne man einmal in der Woche ein Entrümpelungs-Event veranstalten. „Mit Musik und einem leckeren Essen als Belohnung. Oder ein Kinoabend mit Popcorn vor dem Fernseher“, schlägt Brandt vor.

4. Nicht alles auf einmal: Egal ob bei einer großen Aufräumaktion oder dem aufräumen zwischendurch: Brandt empfiehlt, sich nicht zu große Ziele zu stecken, sondern sich immer kleinere Bereiche vorzunehmen. Es helfe auch Kindern, ihnen zu sagen, was genau sie heute aufräumen sollen. „Räum dein Zimmer auf“, sei der falsche Ansatz. „Man sollte konkret werden und genaue Anweisungen geben“, so Brandt. Alles auf einmal aufräumen? „Darauf hat doch keiner Lust.“

5. Rituale erschaffen: Sigrid Brandt schwört auf Rituale, die den Alltag erleichtern. Je nach Beruf und Tagesrhythmus kann es immer feste Zeiten geben, wann etwa die Küche aufgeräumt wird. Das kann abends nach dem Abendessen passieren oder direkt am Morgen. Beides ist in Ordnung, aber zu lange sollte man nicht damit warten, denn dann wird der Ärger über die Unordnung nur größer.

6. Jeden Tag ein bisschen: Wie schon erwähnt, sollten sich Familien gerade jetzt nicht zu viel auf einmal aufhalsen. Stattdessen hilft neben einer etwas umfassenderen Aufräumaktion am Wochenende kleine Etappen unter der Woche. Eine Familie könne sich jeden Abend 15 Minuten Zeit nehmen und einen bestimmten Bereich in Ordnung bringen. „Es muss nicht immer viel sein“, sagt Brandt. Und wenn es nur 15 Minuten sind, ist es auch leichter, sich dafür zu motivieren.

Ein Kinderzimmer darf auch mal chaotisch aussehen. Nimmt das aber Überhand, sollten Eltern ihrem Nachwuchs nach und nach einzelne Bereiche vorgeben, die sie in einer bestimmten Zeit aufräumen sollen. Sonst wird es zu viel, die Kinder haben keine Lust und das Aufräumen kann zu Streit führen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

7. Am Ball bleiben: Damit wären wir auch schon am nächsten Punkt: Wer sich vornimmt, jeden Abend 15 Minuten lang mit der Familie aufzuräumen, der sollte das auch durchziehen. Stichwort: Klare Struktur.

8. Loben: Dieser Aspekt ist Brandt sehr wichtig. Kinder bräuchten Erfolgserlebnisse – nicht nur beim Aufräumen, sondern auch bei anderen Dingen. Das tut auch Erwachsenen gut. Generell ist Brandts Devise, sich auf das Positive zu fokussieren, auch in dieser Zeit. Sie freut es zum Beispiel, dass ihre Tochter, die in einer anderen Stadt studiert, zurzeit von zu Hause aus lernt.

9. Spielzeug umlagern: Aufräumen und Ordnung halten ist die eine Sache, Entrümpeln eine andere. Auch Brandt kann sich manchmal nur schwer von Dingen trennen. Es gibt aber noch die Möglichkeit, einen Teil der Spiele in Kartons zu packen und auf den Dachboden oder woanders zu lagern. Dann könne man die Spielzeuge nach und nach austauschen und die Kinder erfreuen sich erneut an den fast vergessenen Teilen, die im Keller geschlummert haben.

10. Alt gegen Neu: Noch ein Tipp, der eine große Entrümpelungs-Aktion vielleicht gar nicht erst notwendig macht. „Immer wenn etwas Neues gekauft wird, muss etwas Altes gehen“, sagt Brandt. So können sich die Spielzeuge oder andere Dinge gar nicht erst anhäufen und vielleicht überlegt man sich dann zweimal, ob das neue Teil wirklich gebraucht wird. Ein Tipp, der sicherlich nicht nur beim Spielzeugkauf anwendbar ist.

Sigrid Brandt richtet sich auf ihrer Homepage direkt an Familien

Sigrid Brandt wird künftig auf ihrer Homepage, die aktuell erneuert wird, und auch bei Facebook regelmäßig Tipps und erste Ansätze zum Thema Aufräumen und zum Entrümpeln des Haushaltes, aber auch der Psyche geben. Die Expertin plant Blogeinträge in denen sie sich auch speziell an Familien richtet.

Die Bergkamenerin bietet freilich auch persönliche Beratungen an, sowie Gespräche in der Gruppe und hilft auch vor Ort beim Entrümpeln – wenn nicht gerade eine Pandemie das Land in Atem hält. Mehr Infos zu ihr und ihren Angeboten gibt es unter sbbrandt.de, erreichbar ist sie unter [email protected]oder telefonisch unter Tel. (0170) 4168299.

Bei all dem Ehrgeiz, der Familien jetzt vielleicht packt und der sicherlich auch mal ganz gut tut, sei aber noch einmal daran erinnert, dass jetzt nicht alles perfekt laufen und aussehen muss – oder wie Brandt es sagt: „Man muss auch mal Fünfe gerade sein lassen.“

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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