Kaum Stände, wenig Kunden - der Donnerstagsmarkt schrumpft zu Corona-Zeiten

dzWochenmarkt

Der Blick auf den großen Bergkamener Donnerstagsmarkt war eine echte Überraschung: kaum Stände und fast keine Kunden. Trotzdem wollen die meisten Händler auch nächste Woche wiederkommen.

Bergkamen

, 19.03.2020, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Verkehr auf der Ebertstraße tröpfelt dahin und an der Einmündung Hubert-Biernat-Straße sind noch Parkplätze frei. Schon das ist ein deutliches Zeichen, dass an diesem Donnerstag auf dem Bergkamener Wochenmarkt nichts ist wie gewohnt. Wer beim Tierarzt um die Ecke kommt wundert sich über die leere Fläche unter dem Marktdach, wo sich sonst Stände mit Stoff und Smartphone-Hüllen drängeln und sieht den Markt dann doch: Er steht nur auf der oberen Fläche und ist arg geschrumpft.

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Aus den sonst gut 100 Marktständen sind weniger als zehn geworden. Am einzigen Fischwagen, der gekommen ist, hängen Zettel mit Verhaltensmaßregeln in er Coronakrise, ergänzt durch den handschriftlichen Hinweis „Bitte zwei Meter Abstand halten“.

Die große Fläche des Stadtmarkts war fast leer. Dort, wo sich sonst tausende drängen, standen nur wenige Stände und Kunden kamen auch kaum.

Die große Fläche des Stadtmarkts war fast leer. Dort, wo sich sonst tausende drängen, standen nur wenige Stände und Kunden kamen auch kaum. © Stefan Milk

Nicht genug Kundschaft für eine Schlange

„Wenn sich hier doch einmal eine Schlange bildet, bin ich gleich da und schaffe Platz“, versichert Fischhändler und Inhaber Holger Wilk. Das muss er aber nicht: Die wenigen Kunden die etwas verloren über den großen Marktplatz laufen, reichen nicht für eine Schlange. Im Gegenteil: Die wenigen Händler sind offenbar froh, wenn einer der wenigen Kunden den Weg zu ihnen findet.

Es herrscht schon fast große Freude, wenn ein Kunde kommt. Diesmal sogar ein prominenter: Bürgermeister Roland Schäfer kauft Fisch bei Heidrun Hackländer. Angst vor Gedränge muss er nicht haben.

Es herrscht schon fast große Freude, wenn ein Kunde kommt. Diesmal sogar ein prominenter: Bürgermeister Roland Schäfer kauft Fisch bei Heidrun Hackländer. Angst vor Gedränge muss er nicht haben. © Stefan Milk

Die meisten Händler sind ausgeladen

Die meisten Händler, die sonst kommen, sind gar nicht erst angereist, weil das Ordnungsamt sie ausgeladen hat. Dabei gelten die gleichen Regeln wie bei Geschäften, erläutert Sachgebietsleiter Heiko Brüggenthies. Öffnen dürfen nur Lebensmittelgeschäfte, Drogerien oder Gartenmärkte soweit sie Pflanzen für den Garten verkaufen. Allen Händlern, die Stoffe, Kleidung, Schuhe, Handyzubehör und ähnliches anbieten, hat das Ordnungsamt von vornherein abgesagt.

Von den sonst gut 100 Händlern hätten nur noch 35 kommen dürfen. Tatsächlich gekommen sind nur die handvoll, die da sind.

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Einer von ihnen, der Blumenhändler, der Schnittblumen an eine Frau mit Mundschutz verkauft, ist ein Grenzfall. Er war einmal da, deshalb durfte er bleiben. In der kommenden Woche will er ohnehin nicht mehr kommen, sagt Brüggenthies.

Ahmad Ayzouli (l.) und Jihad Saado hatten die Desinfektionsmittel in ihrem Hähnchenstand immer griffbereit.

Ahmad Ayzouli (l.) und Jihad Saado hatten die Desinfektionsmittel in ihrem Hähnchenstand immer griffbereit. © Michael Dörlemann

Desinfektionsmittel immer griffbereit

Die meisten anderen Händler aber werden wohl wiederkommen, auch wenn ein großer Teil der Kundschaft ausbleibt. Jihad Saado und Ahmad Ayzouli von den „Lünener Grill-Hähnchen“ ärgern sich zwar, dass sie zu zweit gekommen sind, denn einer allein wäre mit dem fehlenden Andrang wohl fertig geworden. „Wir haben 90 Prozent weniger Kunden“, sagt Saado. Trotzdem geht er davon aus, dass der Stand auch am kommenden Donnerstag wieder da ist. Beide sind für die Coronakrise gerüstet und haben eine Flasche Desinfektionsmittel immer in der Tasche.

Ulla Maurischat-Potthast backt Reibeplätzchen. Sie verkauft ihren Kunden wie imer auch Kaffee. Nur bleiben dürfen sie damit nicht.

Ulla Maurischat-Potthast backt Reibeplätzchen. Sie verkauft ihren Kunden wie immer auch Kaffee. Nur bleiben dürfen sie damit nicht. © Stefan Milk

Der Plausch beim Kaffee ist gestrichen

Auch bei Ulla Maurischat-Potthast stehen sie immer griffbereit. Sie hat ihren Imbissstand geöffnet, macht Reibeplätzchen und Rühreibrötchen wie immer und verkauft Eier. Nur die fröhliche Rentnerrunde, die bei ihr Kaffee trinkt, fehlt. Es gibt erst gar keine Tische und Bänke. Einem, der Kaffee holt sagt sie, dass sie ihm einen Becher geben darf. „Aber dann musst du gleich weitergehen.“

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Sie will wiederkommen, weil ihre Eier-Kunden fast alle da waren und weil sie in Oberaden wohnt und es ohnehin nicht weit hat. „So komme ich wenigstens an die frische Luft“, sagt sie lachend.

Fischhändler Holger Wilk hat Informationszettel für seine Kunden an seinen Stand gehängt.

Fischhändler Holger Wilk hat Informationszettel für seine Kunden an seinen Stand gehängt. © Stefan Milk

Beim nächsten Mal gibt es Desinfektionsmittel - vielleicht

Gleich nebenan verkauft Mesut Erdogan Drogerieartikel: Haarfärbemittel, Rasierschaum und anderes. Es gibt sogar noch Seife. In drei Tagen bekommt er sogar noch Desinfektionsmittel. Ob er noch welches hat, wenn er in der kommenden Woche wieder in Bergkamen ist, will eine Kundin wissen. Erdogan zuckt mit den Schultern. Wer kann das schon wissen in diesen Zeiten.

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