Kaufland-Mitarbeiter dürfen wieder arbeiten – aber nicht im Markt in Bergkamen-Mitte

dzKonflikt um Corona-Schutz

Im Streit zwischen Betriebsrat und Kaufland Bergkamen-Mitte beteuern beide Seiten Verhandlungsbereitschaft, kommen sich aber nicht näher. Nun macht das Unternehmen den Mitarbeitern ein Angebot.

Bergkamen

, 24.07.2020, 13:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mitarbeiter von Kaufland in Bergkamen-Mitte können bald wieder zur Arbeit gehen, wenn sie wollen. Aber wohl nicht an ihrem gewohnten Arbeitsplatz im „Rathaus-Center“ an der Töddinghauser Straße.

Vielmehr bietet der Handelskonzern ihnen an, in umliegenden Filialen tätig zu werden. Auf diese Weise, sagte der Leiter der Kaufland-Pressestelle Rüdiger Teutsch, wolle Kaufland den Druck von seinen Bergkamener Mitarbeitern nehmen.

Die sind seit Anfang Mai freigestellt, weil sich Geschäftsleitung und Betriebsrat von Kaufland Bergkamen-Mitte über Maßnahmen zum Schutz vor Corona streiten. Der Betriebsrat fordert, diese in einer Betriebsvereinbarung festzuschreiben. Darauf will sich Kaufland nicht einlassen.

Die Kaufland-Mitarbeiter aus Bergkamen-Mitte könnten in umliegenden Märkten tätig werden.

Die Kaufland-Mitarbeiter aus Bergkamen-Mitte könnten in umliegenden Märkten tätig werden. © Stefan Milk

Als Grund nannte Teutsch, dass sich die behördlichen Vorgaben zum Coronaschutz häufig ändern und das Unternehmen drauf reagieren müsse. Der Betriebsrat verweigert deshalb die Zustimmung zur Dienstplanung. Kaufland hält den Betrieb mit Aushilfen aufrecht.

Kaufland rechnet offenbar nicht mit einer schnellen Lösung

Laut Teutsch ist Kaufland weiter verhandlungsbereit. Da das Unternehmen seinen Beschäftigten nun alternative Arbeitsplätze ermöglicht, scheint es nicht mit einer schnellen Einigung zu rechnen. Aus Sicht des Unternehmens würden die Verhandlungen dadurch erschwert, dass der Betriebsrat auch Forderungen stelle, die den Tarifvertrag betreffen – und der gelte nicht nur für die Beschäftigten in Bergkamen, sondern für alle rund 60.000 Kaufland-Mitarbeiter.

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Nach Kaufland-Angaben fordert der Betriebsrat, zusätzliche Urlaubstage und Pausenzeiten in die Betriebsvereinbarung aufzunehmen. Die Vorsitzende des Betriebsrates bestritt dies auf Anfrage: Der jüngste Maßnahmen-Katalog, den der Betriebsrat vorgeschlagen habe, enthalte keine zusätzlichen freien Tage. Allerdings fordere der Betriebsrat zusätzliche „Atempausen“, in denen sich die Beschäftigten von der Arbeit mit Masken erholten könnten.

Arbeitsschutzexpertin macht Vorschläge

Die aktuelle Verhandlungsposition des Betriebsrates beruht auf Vorschlägen, die eine Arbeitsschutzexpertin der Technologieberatungsstelle des DGB nach einem Ortstermin gemacht hat. Nach Angaben von Kaufland geht das 35-seitige Papier über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. So solle die Zahl der gleichzeitig zugelassenen Kunden auf 250 reduziert werden.

Nach den aktuellen Regeln dürfen laut Teutsch 450 Menschen in den Markt. So viele seien auch zu normalen Zeiten so gut wie nie gleichzeitig beim Einkaufen. Sollte die Zahl jedoch zu stark gesenkt werden, sieht Kaufland die Grenzen der Wirtschaftlichkeit erreicht.

Der einzige Markt mit so einem Konflikt

Nach Unternehmens-Angaben ist Kaufland in Bergkamen-Mitte die einzige von rund 670 Filialen, in der die Mitarbeiter wegen des Konflikts über den Corona-Schutz freigestellt sind. Insgesamt gäbe es im Konzern etwa 500 Betriebsräte.

Möglicherweise sind die Fronten bei Kaufland in Bergkamen-Mitte deshalb so verhärtet, weil bereits seit 2019 Arbeitsschutz-Verhandlungen über eine „allgemeine Gefahrensbewertung“ in dem Markt laufen.

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Offenbar hat die Arbeitnehmerseite aber kein Interesse daran, den Konflikt völlig eskalieren zu lassen. So sagten Mitarbeiter, die mit dem Kurs des Betriebsrates nicht einverstanden sind, eine zunächst für vergangenen Diensttag geplante Demonstration nach einer Intervention des Unternehmens wieder ab. Die Frage, so Teutsch, sei gewesen, ob seine Aktion hilfreich sei.

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