An der Fassade des Rathaus-Centers erinnert nichts mehr daran, dass hier bis Ende April eine Kaufland-Filiale war. Nun bekommen die Mitarbeiter ihre Kündigungen. © Stefan Milk
Geschlossener Einkaufsmarkt

Kaufland kündigt Mitarbeitern – aber die stehen nicht mit leeren Händen da

Das Kapitel Kaufland in Bergkamen-Mitte ist endgültig beendet: Das Unternehmen kündigt allen Mitarbeitern betriebsbedingt. Gleichwohl habe der Betriebsrat einen Erfolg erzielt, meint Verdi.

Der Kaufland-Markt in Bergkamen ist seit fast drei Monaten geschlossen. In diesen Tagen bekommen die früheren Mitarbeiter höchst unangenehme Post von ihrem Arbeitgeber: Kaufland verschickt betriebsbedingte Kündigungen.

Immerhin stehen die Entlassenen nicht mit ganz leeren Händen da. Wie die Pressestelle von Kaufland auf Anfrage mitteilte, hat sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat auf einen Sozialplan geeinigt. Über die Inhalte sind die Mitarbeiter am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung informiert worden.

Karsten Rupprecht, der bei der Gewerkschaft Verdi für Kaufland zuständig ist, sieht darin einen Verhandlungserfolg des Betriebsrates. Das hängt zum einen mit der Höhe der Abfindungen zusammen: „Die sind sehr ordentlich und liegen deutlich über den Regel-Abfindungen“, sagte Rupprecht im Gespräch mit der Redaktion.

Alle Mitarbeiter haben Anspruch auf eine Abfindung

Vor allem aber, so der Verdi-Mann, habe jeder Kaufland-Beschäftigte Anspruch auf eine Zahlung, wenn er aus dem Unternehmen ausscheide. Bisher habe Kaufland seinen Mitarbeitern Ersatzarbeitsplätze in anderen Märkten angeboten. „Jetzt haben die Beschäftigten die Wahl“, sagte Rupprecht.

Endzeitstimmung im Erdgeschoss des Rathaus-Centers in Bergkamen. Während die letzte Kunden am letzten Tag noch etwas ergattern wollen, sind viele Geschäfte im Vorkassenbereich schon dunkel.
Endzeitstimmung im Erdgeschoss des Rathaus-Centers. Während die letzte Kunden am letzten Tag noch etwas ergattern wollen, sind viele Geschäfte im Vorkassenbereich schon dunkel. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Kaufland-Zentrale betonte in ihrer Stellungnahme, sie halte „selbstverständlich“ an dem Ziel fest, „jedem Mitarbeiter eine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit anzubieten“ und habe den Mitarbeitern „zugesichert, einen Wechsel in eine andere Filiale zu prüfen“.

Die Frage, wie viele Mitarbeiter schon in andere Märkte gewechselt sind und wo diese sich befinden, ließ Kaufland unbeantwortet. Einige hätten das Angebot wohl angenommen, sagte Rupprecht.

Dennoch hält der Gewerkschafter die Kaufland-Offerte für problematisch. Und zwar nicht nur, weil es in unmittelbarer Nachbarschaft von Bergkamen nur eine überschaubare Zahl von Kaufland-Filialen gibt und die Menschen deshalb in weiter entfernten Märkten arbeiten müssten. „Kaufland kann gar kein verbindliches Angebot machen“, sagte Rupprecht.

Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber

Kaufland hat seine Märkte in verschiedenen, rechtlich unabhängigen Gesellschaften organisiert. Ein Bergkamener, der beispielsweise zu einer Filiale in Dortmund wechseln wolle, habe es mit einem neuen Arbeitgeber zu tun, erläuterte Rupprecht: „Er muss sich dort bewerben.“

Der Einstellung müsse der Betriebsrat der entsprechenden Gesellschaft zustimmen. Wenn es auch interne Bewerbungen gebe, hätten die Arbeitnehmer-Vertreter ein Problem.

Wie viele Menschen genau von den Kündigungen betroffen sind, ließ sich nicht exakt ermitteln. In der Kaufland-Filiale haben rund 100 Menschen gearbeitet. Einige von ihnen haben zwischenzeitlich selbst gekündigt und sich einen anderen Job gesucht.

Die regulären Mitarbeiter waren schon seit Mai 2020 nicht mehr an ihrem regulären Arbeitsplatz. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Kaufland-Mitarbeiter konnten schon seit Mai 2020 nicht mehr an ihren Arbeitsplatz. Kaufland lehnte damals die Forderung des Betriebsrates nach einer Betriebsvereinbarung zum Schutz vor dem Coronavirus ab. Im Gegenzug verweigerten die Arbeitnehmervertreter die Zustimmung zu den Dienstplänen. Die Mitarbeiter wurden freigestellt, bekamen aber ihr Grundgehalt weiter. Den Geschäftsbetrieb hielten Aushilfen mit Werkvertrag aufrecht.

Zahlreiche Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht brachten keine Lösung. Zwischenzeitlich klagte knapp die Hälfte der Beschäftigten auf Auflösung des Betriebsrates. Im März kündigte Kaufland die Schließung des Marktes an.

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Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne

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