Kaufland-Beschäftigte fordern: „Wir wollen endlich wieder arbeiten“

dzStreit im Supermarkt

Im Kaufland-Markt an der Töddinghauser Straße in Bergkamen ist die Belegschaft freigestellt. Grund ist ein Streit zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung. Die Beschäftigten wollen wieder arbeiten – die Kunden murren.

Bergkamen

, 19.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast jeden Nachmittag versammelt sich ein Teil der Belegschaft aus dem Kaufland-Markt im Rathaus-Center an der Töddinghauser Straße auf dem oberen Parkdeck. Mit Schutzmasken und ausreichendem Sicherheitsabstand wollen sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen. „Wir wollen endlich wieder arbeiten“, sagt Alexandra Wille, die sonst für die Obst- und Gemüseabteilung im Markt zuständig ist.

Zurzeit sind sie und ihre Kollegen freigestellt, weil sich Geschäftsleitung und Betriebsrat über die Einsatzpläne und über eine Betriebsvereinbarung über ein Sicherheitskonzept in Zeiten der Corona-Pandemie streiten. Zunächst hatte Kaufland einen Teil der Belegschaft freigestellt und seit Montag alle 108 Mitarbeiter des Marktes. Stattdessen sind neue Mitarbeiter mit einem Werkvertrag im Markt beschäftigt.

Auch ein Teil der Kunden ist unzufrieden mit den Verhältnissen im Kaufland im Rathaus-Center. Unter anderem ist die Frische-Theke geschlossen.

Auch ein Teil der Kunden ist unzufrieden mit den Verhältnissen im Kaufland im Rathaus-Center. Unter anderem ist die Frische-Theke geschlossen. © Michael Dörlemann

Die Frischetheke im Markt ist zurzeit geschlossen

Das merken auch die Kunden – und murren. Ein Gang durch den Markt zeigt warum: Die Frischetheke, an der es sonst Fleisch, Wurst und Käste gibt ist dunkel. An der Seite klebt ein Schild, wonach die Theke bedauerlicherweise geschlossen sei.

Auch sonst scheint nicht alles glatt zu laufen im Markt: An der Hygienestation am Eingang fehlt am Montag das Papier, mit dem die Einkaufswagen desinfiziert werden können. Es scheint auch niemand darüber zu wachen, dass sich Kunden die Hände vor dem Betreten des Marktes desinfizieren und dass jeder einen Einkaufswagen nimmt. Kunden bereichten von teilweise leeren Regalen – und zwischen den Kühlregalen kämpfen zwei Mitarbeiter mit Mundschutz mit einem riesigen Haufen Pappkartons.

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„Uns blutet das Herz, wenn wir das sehen“, sagt eine der festen Kaufland-Mitarbeiterinnen. Sie und die anderen haben sich an diesem Dienstag getroffen, um mit dem Betriebsrat zu reden. Er soll von seiner – aus ihrer Sicht – unnachgiebigen Haltung abrücken.

Dem Betriebsrat geht es nach eigenen Angaben darum. Beschäftigte und Kunden zu schützen. Zumindest ein Teil der Belegschaft hält die getroffenen Maßnahmen aber für ausreichend – zumindest wenn sie kontrolliert werden.

Dem Betriebsrat geht es nach eigenen Angaben darum. Beschäftigte und Kunden zu schützen. Zumindest ein Teil der Belegschaft hält die getroffenen Maßnahmen aber für ausreichend – zumindest wenn sie kontrolliert werden. © Stefan Milk

Gewerkschaft Verdi verteidigt den Betriebsrat

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi gibt es für den Betriebsrat aber gute Gründe, die Auseinandersetzung mit der Geschäftsleitung zu suchen. Aus ihrer Sicht gibt es zwei entscheidende Streitpunkte, wie Karsten Rupprecht sagt. Er ist bei Verdi in Dortmund für den Einzelhandel zuständig. Nach Rupprechts Angaben hat der Betriebsrat fehlerhafte Einsatzpläne bemängelt und sich geweigert, sie zu unterschreiben und er fordert eine Betriebsvereinbarung über Maßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion.

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Mit der zweiten Forderung ist er zwar schon in zwei Instanzen vor dem Arbeitsgericht gescheitert, aber nach Rupprechts Angaben nicht so eindeutig, wie es den Anschein hat. „Das Landesarbeitsgericht in Hamm hat drei Stunden versucht, dass sich auch der Arbeitgeber bewegt“, sagt er.

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Beschäftigte fühlen sich als Druckmittel missbraucht

Dem Betriebsrat geht es nach seinen Angaben darum, dass es umfassende Hygienekontrollen für Kunden vor dem Betreten des Marktes gibt oder dass die Doppelkassen nur einfach besetzt werden, um Ansteckungen zu vermeiden.

Kaufland in Bergkamen
Zweiter Kaufland-Markt ist von Streit nicht betroffen

  • In Bergkamen gibt es zwei Kaufland-Märkte.
  • Neben dem Kaufland-Markt im Rathaus-Center gibt es noch einen weiteren Markt im Einkaufszentrum an der Bummansburg in Bergkamen-Rünthe.
  • Der Rünther Markt ist erst vor gut einem Jahr nach einem kompletten Neubau wieder eröffnet worden.
  • Nach Angaben von Kaufland ist er von der Auseinandersetzung nicht betroffen.

„Das wollte die Geschäftsleitung aber angesichts des Andrangs vor den Feiertagen nicht garantieren“, sagt Rupprecht.

Die Kaufland-Pressestelle sicherte zwar auch eine Stellungnahme auf eine schriftliche Anfrage per Mail zu, meldete sich aber bis zum Dienstagnachmittag nicht zurück.

Die Beschäftigten haben unterdessen mehr und mehr Angst um ihren Job. Sie fühlen sich als Druckmittel der streitenden Parteien missbraucht. „Wir appellieren an beiden Seiten, dass wir endlich wieder arbeiten können“, sagt Danilo Alves.

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