Pfarrer Mandelkow: „Homosexuelle Lebenspartner Kitas und Feuerwehrautos gleichstellen“

dzKirchlicher Segen

Papst Franziskus sorgt mit seinen Worten über homosexuelle Lebenspartner für Bewegung in der katholischen Kirche. Dechant Paul Mandelkow macht deutlich: Bislang wird Feuerwehrautos und Kitas mehr Respekt gezollt.

Unna, Fröndenberg, Holzwickede

, 26.10.2020, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Homosexuelle Lebensgemeinschaften haben „das Recht auf eine Familie“. Mit diesem Zitat ließ Papst Franziskus liberale, aber vor allem konservative Vertreter in der katholischen Kirche aufhorchen. Was aber könnte sich künftig ändern?

„Homosexuelle Lebenspartner sind, wie der Papst es sagt, auch zu würdigen – und das müssen die Leute auch spüren.“
Paul Mandelkow, Dechant im Dekanat Unna

„Das wird die Diskussion neu beleben“, ist sich Paul Mandelkow sicher. Der Dechant im Dekanat Unna und Pfarrer im Pastoralen Raum Unna-Fröndenberg-Holzwickede verweist darauf, dass die Deutsche Bischofskonferenz bzw. das Erzbistum Paderborn einheitliche Leitlinien für die Gemeinden vor Ort ausgeben müssten. In den Pfarreien wird sich also nicht automatisch etwas nach den Äußerungen des Oberhirten aus Rom etwas ändern.

Treue und Verantwortung wie bei Ehepaaren

Persönlich, so Mandelkow, befürworte er die Erklärungen des Papstes.

„Persönlich fände ich es schön, wenn der Lebensbund von homosexuellen Menschen zumindest eine Segenshandlung haben könnte“, so Mandelkow, der sich für eine „Segensfeier, um deren Bund zu stärken“, ausspricht.

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Wer sich in einer dauerhaften Partnerschaft zu einem anderen Menschen bekenne, beweise seine Treue und Verantwortung wie heterosexuelle Paare auch.

Die Gesellschaft sei heute schon einen großen Schritt weiter. Homosexuell zu sein, „heißt nicht, dass man dauernd seinen Partner wechselt“, so der Pfarrer. Man spreche auch längst nicht mehr von einer krankhaften Veranlagung.

Homosexuelle Paare wünschen sich kirchlichen Segen

Der Wunsch von zwei Männern oder zwei Frauen, den kirchlichen Segen zu erhalten, werde durchaus an die Pfarrer des Pastoralen Raums herangetragen. Bislang habe die katholische Kirche aber nichts dergleichen anzubieten.

Mandelkow: „Dafür haben wir im Moment keinen Ritus.“

Offizielle Formulare – bundesweit einheitlich, ob für Unna oder München – gebe es dagegen für die Segensspende für einen Kita-Neubau oder ein in Dienst gestelltes Feuerwehrfahrzeug, weist Mandelkow auf eine Schieflage hin.

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„Die Möglichkeit, Kinder zu bekommen, ist für die katholische Kirche ganz wesentlich.“
Paul Mandelkow

„Homosexuelle Lebenspartner sind, wie der Papst es sagt, auch zu würdigen – und das müssen die Leute auch spüren“, findet der Dechant. Eine völlig andere Frage sei aber, ob homosexuellen Paaren auch das Sakrament der Ehe gespendet werden darf.

Als Kirche nicht noch mehr Akzeptanz verlieren

„Die Möglichkeit, Kinder zu bekommen, ist für die katholische Kirche ganz wesentlich“, sagt Pfarrer Mandelkow dazu – auch wenn dazu selbst zwischen Mann und Frau nur die theoretische Möglichkeit ausreiche.

Man müsse daher „eine andere Form finden“. Mandelkow räumt ein, dass die katholische Kirche „immer länger braucht“. Sie müsse sich aber auch in dieser Frage bewegen, um nicht an Akzeptanz in der Gesellschaft zu verlieren.

Auf eine diese Bewegung nach dem Papstwort zum Umgang mit homosexuellen Lebenspartnerschaften hoffe er daher: „Das ist dringend ausbaufähig.“

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