Kampfhühner und Nackthalskämpfer: Skurrile Tiere beim Geflügeltag in Weddinghofen

dzWeddinghofener Geflügeltag

Überall auf dem Hof der Düchtings gackert, gurrt und quakt es. Der siebte „Weddinghofener Geflügeltag“ zieht nicht nur Züchter an, auch fachfremde Besucher sind bei den Düchtings zu Besuch.

von Niklas Mallitzky

Weddinghofen

, 05.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer durch die Pfalzstraße fährt, würde auf den ersten Blick wohl nicht vermuten, dass sich hier ein landwirtschaftlicher Betrieb befindet. Doch genau hier findet man den Hof von Rainer Düchting, Zuchtwart und Schriftführer des RGZV „Weddinghofen“. Am Samstag veranstaltet der Verein dort auch den mittlerweile siebten Weddinghofener Geflügeltag, bei dem die sieben aktiven, im Verein verbliebenen Züchter ihre Tiere ausstellen.

Indische Laufenten vor dem Haus

Ein wenig skurril wirkt es schon, vor dem direkt neben dem Hof befindlichen Mehrfamilienhaus Enten auf dem Rasen zu beobachten. Noch skurriler sehen die Enten selbst aus, mit ihrem flaschenförmigen Körper und dem aufrechten Gang mit hochgerecktem Kopf. Die indische Laufente hat so kleine Flügel, dass sie damit nur flattern könne, erklärt Dirk Düchting, erster Vorsitzender des Vereins und der Bruder von Rainer Düchting: „Das kommt aber so gut wie nie vor.“ Deswegen könne er die Enten auch einfach einzäunen, ohne dass ein Dach darüber sein müsste.

Rund 80 Besucher bestaunen die Vogelvielfalt am Samstag, nicht alle von ihnen seien selber Züchter, so der erste Vorsitzende: „Heute kommen auch Leute, die eigentlich nichts mit unserem Hobby zu tun haben. Dafür eignet sich der Geflügeltag natürlich ausgezeichnet, denn wir können viel erklären.“

Dirk Düchting ist wie sein Bruder ein ausgesprochener Kampfhuhn-Liebhaber. Das klingt erstmal martialisch und in anderen Ländern werden die Tiere von ihren Züchtern tatsächlich aufeinander gehetzt „Das ist in einigen Ländern immer noch ein großes Geschäft“, so Düchting. Von derlei barbarischen Praktiken distanzieren sich die Brüder aber ausdrücklich: „In Deutschland ist das schon lange verboten und das ist auch gut so.“ Doch es gibt noch viele andere Gründe, eben solche Hühnerrassen zu züchten.

Kampfhühner und Nackthalskämpfer: Skurrile Tiere beim Geflügeltag in Weddinghofen

Lia (9) streichelt auf dem Geflügeltag die Zwergente von Sarah Schiele. © Stefan Milk Stefan Milk

Züchter informieren über Madagaskar Nackthalskämpfer

Besonders auffällig sind die Madagaskar Nackthalskämpfer. Wie der Name schon sagt, haben die Hühner einen nackten Hals und stehen aufrecht. Auch das restliche Federkleid ist relativ spärlich und dünn. Auf Zuchtwettbewerben sind die Tiere nicht zugelassen, weil Farbe und Form der Hühner zu unterschiedlich seien, um daraus allgemeine Kriterien für den Wettbewerb ableiten zu können. Doch die Größe mache sie für die Fleischgewinnung interessant, außerdem seien die Tiere sehr zutraulich. Ein weiterer Vorteil ist das Sozialleben solcher Hühner, denn anders als bei anderen Rassen, ist bei den Kämpfern auch das männliche Tier an der Aufzucht beteiligt. So könne man die Hühner bedenkenlos im Freien laufen lassen, auch mit dem Nachwuchs, so Düchting: „Die Männchen verteidigen den Nachwuchs vor Angreifern, da hat dann selbst ein Habicht kaum eine Chance, ein Jungtier zu erwischen.“

Taubenfleisch als Tombola-Gewinn

Die Düchtings sind schon seit ihrer Kindheit begeisterte Geflügelzüchter. Uwe Hünerbein ist erst seit Anfang des Jahres aktiv dabei, er hat die Tiere von seinem verstorbenen Vater übernommen. Schon früher habe er seinem Vater bei der Zucht geholfen, erinnert er sich: „Die Tiere zu verkaufen, wäre mir zu Schade gewesen.“ Deswegen kümmert er sich jetzt um die rund 14 Italiener-Hühner und 13 Hessischen Kröpfer, eine Taubenrasse. Sehr zur Freude seiner Enkelin, die würde Eier aus dem Supermarkt mittlerweile kategorisch ablehnen. „Das Eigelb der Italiener ist fast rot, das ist auch geschmacklich ein Unterschied.“

Neben der Schau haben die Vereinsmitglieder auch eine keine Tombola vorbereitet. Jörg Gansen ist einer der glücklichen Gewinner und darf sich über gefrorenes Taubenfleisch freuen. „Das kommt in die Suppe“, so Gansen. „Das Fleisch verleiht dem Ganzen einen kräftigeren Geschmack.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sprachprojekt in der Grundschule

Warum auch deutsche Eltern am Rucksack-Projekt für den Spracherwerb teilnehmen

Meistgelesen