Kampf für Naturschutz in Bergkamen ist jetzt im Kreis-Archiv dokumentiert

dzNachlass übergeben

Wer etwas über den Naturschutz in Bergkamen erfahren möchte, kann nun im Archiv des Kreises Unna nachschauen. Der Kreis verfügt jetzt über Unterlagen von einem der bedeutendsten Naturschützer der Stadt.

Bergkamen

, 27.03.2020, 12:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist Wilfried Loos ein echtes Herzensanliegen gewesen, dass diese Unterlagen archiviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Der langjährige Landschaftswächter aus Wasserkurl vermittelte, dass die Unterlagen von Helmut July jetzt im Kreisarchiv aufbewahrt werden.

Helmut July (M.) im Jahr 2001 mit der damaligen Landes-Umweltministerin Bärbel Höhn bei einem Spaziergang durch das Beverseegebiet.

Helmut July (M.) im Jahr 2001 mit der damaligen Landes-Umweltministerin Bärbel Höhn bei einem Spaziergang durch das Beverseegebiet. © Stefan Milk (Archiv)

Kämpfer für das Beverseegebiet

Der Name Helmut July ist untrennbar mit dem Beverseegebiet verbunden, heute eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete der Region. Der 2008 im Alter von 73 Jahren verstorbene Lehrer an einer Bergkamener Hauptschule hatte schon den Wert des Beversees erkannt, als Naturschutz in der Stadt noch keine Rolle spielte.

Zusammen mit dem damaligen Kreisdirektor Herbert Reiss setzte er sich dafür ein, den durch eine Bergsenkung entstandenen See zu erhalten und unter Schutz zu stellen - gegen erheblichen Widerstand. Die Mehrheit im Stadtrat verspottete den See damals noch als „Mückenloch“ , hätte ihn am liebsten zugeschüttet und dort das heutige Kraftwerk Heil errichtet.

Der Beversee und seine Umgebung sind eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete der Region. Das Kraftwerk, das dort ursprünglich entstehen sollte, liegt in Sichtweite auf der anderen Seite des Datteln-Hamm-Kanals.

Der Beversee und seine Umgebung sind eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete der Region. Das Kraftwerk, das dort ursprünglich entstehen sollte, liegt in Sichtweite auf der anderen Seite des Datteln-Hamm-Kanals. © Marcel Drawe (Archiv)

Frühes Engagement für den Insektenschutz

July, der selbst viele Jahre ehrenamtlichen Landschaftswächter war, engagierte sich aber nicht nur für den Beversee. Er war Imker und machte sich zum Beispiel schon früh Gedanken um den Insektenschutz. Einer seiner ehemaligen Schüler betreut immer noch ehrenamtlich die Ameisen auf der Halde.

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Loos und der als Naturschützer und Ornithologe bekannte Bergkamener Bernd Margenburg machten sich Gedanken, was aus Julys schriftlichem Erbe wird. Er hatte Erkenntnisse über Flora und Fauna in Bergkamen archiviert und seinen Kampf um den Beversee dokumentiert, unter anderem mit Zeitungsausschnitten aus jener Zeit.

„Wir wollten nicht, dass das verloren geht“, sagt Loos. Sie traten an die Gisela July, die Witwe von Helmut July heran. Die war gerne bereit, den Nachlass ihres Mannes an das Kreisarchiv zu geben.

Vor einigen Jahren wurde ein Weg im Berverseegebiet nach Helmut July benannt. Zur Eröffnung waren Kreisdezernent Ludwig Holzbeck, Revierförsterin Christiane Günther, sein Sohn Holger July, Gisela July und Tochter Imke July (v.l.) mit Hund „Dachs" gekommen.

Vor einigen Jahren wurde ein Weg im Berverseegebiet nach Helmut July benannt. Zur Eröffnung waren Kreisdezernent Ludwig Holzbeck, Revierförsterin Christiane Günther, sein Sohn Holger July, Gisela July und Tochter Imke July (v.l.) mit Hund „Dachs" gekommen. © Stefan Milk (Archiv)

Mehrere Regalmeter über den Kampf um die Natur

Was sie bekamen, waren nach Loos´ Angaben „mehrere Regalmeter“ Erkenntnisse über die Natur in der Region und über den Kampf, sie zu erhalten. „Damit haben wir einen wahren Schatz erhalten“, freute sich auch Kreisarchivar Josef Börste, als er die Unterlagen sichtete. Auch Loos ist zufrieden. Die rund 20 Aktenordner dokumentieren unter anderem den Kampf um den Beversee und den Romberger Wald, für den sich July ebenfalls engagierte. Es gebe sonst kaum Unterlagen über den Natur- und Umweltschutz im Kreis Unna, sagt er. „Irgendwann wäre das sonst alles verloren“, befürchtet er.

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Er sieht das Problem, dass die Erben, die möglicherweise nicht ganz so engagiert sind im Natur- und Umweltschutz, den Wert solcher Unterlagen nicht erkennen und sie irgendwann wegwerfen.

Helmut July
Biologielehrer und Kämpfer für den Naturschutz

  • Helmut July war Biologielehrer an der ehemaligen Friedrich-Harkort-Schule in Bergkamen und Naturschützer der ersten Stunden.
  • Anfangs, in den frühen 70er Jahren wurde er noch als „Chlorophyll-Apostel“ verspottet, er ließ sich aber nicht beirren.
  • Später, als das Bewusstsein für den Umwelt- und Naturschutz wuchs, machte auch die Politik in seiner Heimatstadt ihren Frieden mit ihm. 1984 war er der erste Preisträger des damals neu geschaffenen Umweltpreises der Stadt Bergkamen und bekam später die Ehrenmedaille der Stadt.
  • July war unter anderem fast 30 Jahre Landschaftswächter in Bergkamen, Mitbegründer des Naturschutzbundes Nabu in Bergkamen und Kamen und von 1984 bis 1999 Vorsitzender des Landschaftsbeirats im Kreis Unna.

Das sei bei Julys Unterlagen nicht so gewesen - und jetzt sind sie im Kreisarchiv endgültig gesichert.

In den Unterlagen lässt sich übrigens das eine Überraschende finden, das wahrscheinlich selbst vielen Bergkamenern nicht bekannt ist. In der ehemals größten Bergbaustadt Europas gab es früher nicht nur das größte zusammenhängende Waldgebiet im Altkreis Unna, das „Große Holz“, das bis auf kleine Reste hinter der gleichnamigen Halde verschwunden ist.

Größte Heidelandschaft Deutschlands

Auf dem Gebiet des heutigen gab es auch die „Reck-Kamsche Heise“, sagt Loos. Das war nach seinen Angaben sogar das größte zusammenhängende Heidegebiet in ganz Deutschland. Wer genau hinschaut und sich mit der Natur auskennt, kann Spuren davon nach Loos´ Angaben sogar noch in der Bergkamener Landschaft finden. „An manchen Grabenrändern hat sich die typische Vegetation für solche nährstoffarmen Heidelandschaften noch gehalten“, sagt er.

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