Die Platanen in der Russelstraße. Von den 48 über 100 Jahre alten Bäumen in der Straße sollen nach den Plänen der Stadt 41 gefällt werden. Als Ersatz sollen elf kleinkronige Bäume dienen. © Michael Dörlemann
Baumbestand

Kahlschlag bei Platanen in der Siedlung Schönhausen geplant

Die Platanen in der Siedlung Schönhausen sind über 100 Jahre alt. Wenn es nach den Plänen der Stadt geht, werden 83 von ihnen abgeholzt. Das Grün in den Straßen soll künftig völlig anders aussehen.

Als die Stadt Bergkamen vor mehr als drei Jahren ein Gutachten zum Baumbestand in der Russelstraße und im oberen Teil der Hansemannstraße in Auftrag gab, war noch die Rede davon, dass grundsätzlich jeder Baum erhaltenswert ist. Das Konzept, das ein Kamener Landschaftsarchitekt aufgestellt hat und von der Stadtverwaltung befürwortet wird, sieht jedoch ganz anders aus: Fast alle der mehr als 100 Jahre alten Platanen an den beiden Straßen sollen gefällt werden. Es sind zwar Ersatzpflanzungen geplant, aber mit viel weniger Bäumen als bisher.

Die Stadtverwaltung will das Konzept in der kommenden öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz an diesem Donnerstag, 17. Juni, um 17 Uhr in der Römerberg-Sporthalle in Oberaden vorstellen. Die vom Baudezernat favorisierte Variante sieht vor, dass von den 51 Platanen in der Oberen Hansemannstraße 42 gefällt werden. Lediglich neun von am oberen und unteren Ende der Straße sollen stehen bleiben und eine Art „Baumtor“ bilden.

Die Bäume spenden Schatten und im Sommer Verdunstungskühle für die alten Zechenhäuser. Einige haben aber nur kleine Baumscheiben. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Die Pläne für die Russelstraße sehen ähnlich aus. Dort sollen von 48 Platanen sieben als Baumtor erhalten bleiben und 41 gefällt werden.

Konzept sieht Nachpflanzungen mit viel weniger Bäumen vor

Das Konzept sieht zwar Nachpflanzungen vor, aber mit viel weniger und völlig anderen Bäumen, die keine große Krone haben wie die Platanen. In der Hansemannstraße sollen statt der 42 gefällten lediglich 14 neue Bäume gepflanzt werden – wahrscheinlich Pyramiden-Hainbuchen, die schlank und ohne Krone wachsen. Es sollen außerdem 22 sogenannte „Großsträucher“ hinzukommen. In der Russelstraße sollen anstelle der gefällten 41 insgesamt elf Bäume nachgepflanzt werden. Der Gutachter schlägt Säulen-Feldahorn vor.

Davon, dass das Konzept mit den Anwohnern diskutiert und abgestimmt werden soll, bevor es beschlossen wird, ist offenbar nicht mehr die Rede. Laut Beschlussvorschlag des Baudezernats soll der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz die Konzeption nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern die Vorgehensweise „befürworten“. Es ist nur noch die Rede davon, dass die Stadtverwaltung den Auftrag bekommt, die Einwohner von Schönhausen über die vorgeschlagene Konzeption zu informieren und sie mit der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Unna abzustimmen.

CDU will Beschluss erst nach der Bürgeranhörung

Dieses Vorgehen ruft schon jetzt bei Teilen des Stadtrats Widerspruch hervor. Die CDU-Fraktion hat einen Antrag gestellt, dass es vor einer Beratung und dem Beschluss über ein Konzept eine Bürgerversammlung mit den Bewohnern von Schönhausen geben soll. Erst wenn sie ihre Meinung zu dem Konzept gesagt haben, sollen Ausschüsse und Stadtrat darüber beraten und Maßnahmen beschließen.

Je nach Haustyp stehen die Platanen zum Teil sehr dicht an der Fassade. Wenn sie weniger als zwei Meter entfernt sind, fürchten Hauseigentümer um das Fundament. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Der Grund für den vorgeschlagenen Kahlschlag sind Probleme, die Bäume an den Fundamenten einiger Häuser und bei den Leitungen machen, die durch die Straßen verlaufen. An einigen Häusern wurden die Bäume vor dem Ersten Weltkrieg – also vor mehr als 100 Jahren – mit einem Abstand von weniger als zwei Metern gepflanzt. Eigentümer beklagen oder befürchten, dass die Wurzeln ins Fundament der alten Zechenhäuser wachsen.

Bei der Bestandsaufnahme hat der Gutachter außerdem festgestellt, dass es Wurzeleinwüchse in der Kanalisation gibt – auch in den städtischen Kanälen. Außerdem werde an einigen Stellen durch die Baumwurzeln das Pflaster hochgedrückt.

Der Gutachter bemängelt auch, dass Wurzeln an einigen Stellen das Pflaster hochdrücken. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Die Wirkung der Bäume auf das Kleinklima in der Siedlung spielt in der Untersuchung aber offenbar keine Rolle – obwohl die Stadt auch das angekündigt hatte.

Erste Maßnahmen schon Ende 2021

Die Stadt hat es offenbar eilig mit der Umsetzung des neuen Konzepts. Sie geht davon aus, dass die Umsetzung mit dem Fällen der ersten Bäume bereits Ende des Jahres in der Russelstraße beginnen kann. Die Bäume in den Straßen sollen abschnittsweise gefällt und das neue Grünkonzept umgesetzt werden.

Für das Fällen sind Ersatzpflanzungen notwendig, die mit der Unteren Landschaftsbehörde abgestimmt werden müssen. Die meisten Bäume, die als Ersatz vorgesehen sein könnten, werden aus Platzmangel aber wohl nicht in Schönhausen stehen.

Günstig sind die Baumfällungen und der Umbau der beiden Straßen übrigens nicht: Sie kosten den Steuerzahler nach Schätzungen des Landschaftsarchitekten in der Hansemannstraße über 766.000 Euro und in der Russelstraße knapp 740.000 Euro – zusammen mehr als 1,5 Millionen Euro. Eine Beteiligung der Anwohner an den Kosten ist nach Angaben der Stadt nicht vorgesehen.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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