Kabarett aus der Schweiz: Auf die Satire-Vorlesung von Andreas Thiel folgt Nonsens

dzstudio theater

In der Schweiz ist der Kabarettist Andreas Thiel ziemlich bekannt und ziemlich umstritten. Nach seinem Auftritt im studio theater weiß das hiesige Publikum, warum das so ist.

von Rainer Larm

Bergkamen

, 22.02.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das studio theater war erstaunlich gut gefüllt, als Andreas Thiel die Bühne betrat. Andreas Thiel? Eben! Ein Schweizer Kabarettist? Da fällt einem allenfalls der Emil ein, der über Jahrzehnte mit seinem schweizer Dialekt und Sicht der Dinge die Deutschen begeisterte. Aber Thiel?

In der Schweiz ist Andreas Thiel ein Begriff

In der Schweiz ist das anders – und Thiel ein Begriff. Erst als aufstrebender junger Künstler mit Irokesenfrisur, siebenfach preisgekrönt. Und dann als Autor eines höchst umstrittenen Zeitungsartikels und als Gast einer Talkshow. Man warf ihm Fremdenfeindlichkeit vor, sah ihn als Muslim-Hasser. Erst flogen Eier, dann gab es Morddrohungen. Die Polizei musste ihn schützen. Thiel, dessen Großeltern vor den Nazis in die Schweiz flohen, um dem KZ zu entgehen, zog die Reißleine und trat nicht mehr auf. Das ist jetzt rund fünf Jahre her. Ein neues Programm gibt es immer noch nicht. Und Touren auch nicht. Doch den ein oder anderen Auftritt – wenn angefragt wird.

Kabarett-Reihe


Noch zwei Termine

  • In dieser Spielzeit stehen noch zwei Kabarett-Termine im studio theater an.
  • Freitag, 24. April: Longjohn„Mann sein – das ist echt nicht einfach!“
  • Donnerstag, 7. Mai: Jochen Malmsheimer „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“
  • Karten zum Preis von 17 bis 13 Euro (ermäßigt 12 bis 10 Euro) gibt es im städtischen Kulturreferat im Zimmer 303 im Rathaus, Tel. (02307/965 464), E-Mail a.mandok@bergkamen.de
  • Weitere Informationen unterwww.bergkamen.de/kabarett-cabaret.html

Auftritt ohne Irokesenkamm

Aber ohne Irokesenkamm. Was die Zuschauer im studio theater am Freitag hörbar bedauerten. Denn auf der Bühne stand ein Mann im schwarzen Anzug mit der Seriosität schweizer Banker. Und was Thiel darbot war weniger Kabarett denn eine philosophische Hochschul-Vorlesung über Satire. Und darin arbeitete sich der Liberale ab an so vielen aktuellen Themen - beginnend bei dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau tags zuvor. Er führte die „political correctness“ ad absurdum wie so manchen Mainstream und sezierte mit feiner Klinge nicht nur den Kapitalismus.

Das Programm machte Spaß

Es machte Spaß, dem akzentfrei Hochdeutsch sprechenden Schweizer zuzuhören, der während der gesamten Zeit auf der Bühne sich eine Flasche kalt stehenden Champagner schmecken ließ. Was nicht ohne Wirkung blieb: Zum Schluss des zweiten Teils flachte das Programm bis zum Nonsens ab – verlor aber nicht an Niveau. Ein ungewöhnlicher Abend also, der im Gedächtnis bleiben wird.

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