Karsten Willeke und seine Familie setzen bei ihren Rindern auf Mutterkuhhaltung. Nun bleibt auch der Nachwuchs auf dem Hof und wird direkt vermarktet. © Stephanie Tatenhorst
Landwirtschaft

Jungbauer Willeke aus Heil geht neue Wege beim Tierwohl

Sie leben mit, aber auch von ihren Tieren – das Tierwohl ist für Familie Willeke wichtig. Um den Rindern am Ende des Lebens eine Tortur zu ersparen, geht sie neue Wege.

Tiertransporte sind Birgit Willeke seit jeher ein Gräuel. Der Gedanke, dass aus westfälischen Schweinen ein Parmaschinken wird, ist der Heiler Bäuerin zuwider. Auf dem Hof, der seit Generationen in Familienbesitz ist, spielt das Tierwohl eine große Rolle. Auch wenn die Willekes selbst Kühe halten und somit Rind- statt Schweinefleisch produzieren, ärgerte es die Bäuerin immer, wenn das eigene Fleisch nach Süddeutschland ging. Und inzwischen versucht die Familie, lange Transportwege für Tiere und Fleisch zu vermeiden.

Entscheidung, die Tiere selbst zu vermarkten, fiel im Herbst

Die Ansichten der Mutter sog auch Jung-Landwirt Karsten Willeke quasi mit der Muttermilch auf – und im vergangenen Herbst fiel daher eine besondere Entscheidung im Familienbetrieb: Hatte der auf Mutterkühe der Rasse Limousin spezialisierte Betrieb seine Kälber bislang verkauft, damit die Mast auf anderen Betrieben fortgesetzt werden konnte, nimmt er nun davon Abstand. „Wir wollen unsere Nachzucht künftig selbst vermarkten“, sagt Karsten Willeke. Im Herbst wurden die Tiere diesmal nicht verkauft.

Während der Sommermonate leben die Tiere auf den weitläufigen Weiden in den Lippeauen. Erst im November kommen sie wieder zurück in den Stall und werden dann mit selbst angebautem Futter versorgt. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Wie so oft unterstützte der Zufall die Gedanken, die sich die Willekes schon länger machen, denn ein Ziegenhof von der Ortsgrenze Brambauer/Waltrop wollte bei Willekes Rindfleisch kaufen, um es im eigenen Hofladen zu vermarkten. „Dadurch haben wir Kontakt zu einem Metzger bekommen, der für einen Biobetrieb wie unseren zertifiziert ist“, erklärt Karsten Willeke. „Die haben den Platz, dass das Fleisch 14 Tage abhängen kann“, freut sich der Landwirt, denn das erhöht die Qualität.

Aus dem Hof Willeke wird der „Lippeauenhof“

Doch mit der Idee, tatsächlich Selbstvermarkter zu werden, kamen bei Karsten Willeke auch die Bedenken. „Was kaufen die Leute? Doch eigentlich nur die tollen Teile. Und auf den Knochen und dem Suppenfleisch bleiben wir dann selbst hängen“, sah der junge Mann vor seinem geistigen Auge nur noch Suppen und Eintöpfe auf dem eigenen Mittagstisch stehen. „Doch da hatte der Metzger die Idee, dass wir Fleischpakete anbieten könnten.“

Werden die Bullenkälber älter, kommen sie auf eine eigene Weide. Die Herde zählt inzwischen einige Tiere. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Das probierte der Landwirt nun zu Weihnachten und Ostern im erweiterten Bekanntenkreis aus – und die Idee schlug ein. „Wir bauen das nun aus und lernen immer noch dazu“, sagt Karsten Willeke. Mit dem Label „Lippeauenhof“ ist inzwischen ein Name samt Logo kreiert worden, es wurde Kontakt zu Hofläden wie Brüggemann in Oberaden und Internet-Direktvermarktern wie den Marktschwärmern aus Königsborn aufgenommen und langsam aber sicher wird der Weg zur Selbstvermarktung des Rindfleischs eingeschlagen.

Ab Herbst soll auf dem Hof geschlachtet werden

„Ab Herbst“, so schätzt Willeke, „werden wir das richtig machen können und dann wohl alle 14 Tage schlachten.“ Bis das anlaufen kann, erfolgt die Schlachtung erst, wenn ein Tier komplett verkauft ist. Sprich: Die Kunden geben Bestellungen auf – für gemischte und unterschiedlich große Fleischpakete von fünf, sieben oder zehn Kilogramm oder auch für vereinzelte Sonderwünsche wie Ochsenschwanz, Zunge, Braten oder Rouladen. Erst wenn alle Teile des Tieres verkauft sind, wird geschlachtet. „Dann haben wir kein Risiko“, erklärt Karsten Willeke.

Manche Kühe sind regelrecht verschmust und anhänglich – und auf dieser könnte Karsten Willeke sogar reiten, verrät er. Doch bei Fremden halten die Tiere erst einmal argwöhnisch Abstand. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Die Fleischpakete, die neben Braten, Steaks und Suppenfleisch auch Hackfleisch, Gulasch und Rouladen beinhalten, sind Frischware. Abgepackt und vakuumiert werden sie von der Familie selbst – und für die Direktvermarktung in den Hofläden oder bei den Marktschwärmern wird das Fleisch auf dem Hof schockgefroren. Willekes träumen davon, in nicht zu ferner Zukunft mit örtlichen Metzgern zusammenarbeiten zu können und vielleicht sogar auf dem Hof zu schlachten, um auch den letzten Transport der Tiere verhindern zu können. Dann wäre es wie früher: „Und da war ja nicht alles schlecht“, sagt Karsten Willeke.

Doch bis das soweit ist, wird noch viel Wasser die Lippe hinunterfließen und dabei so manche Rindergeneration aufwachsen. Denn die Tiere der Willekes sind in den Sommermonaten auf den Weiden in den Lippeauen – daher auch der neue Name des Hofes. Ob im Naturschutzgebiet auf Werner Stadtgebiet oder gleich am Hof neben dem Heiler Freibad, sobald das Wetter es zulässt, kommen die 30 Kühe mit ihrem Nachwuchs auf die Weiden – und erst wieder in den Stall, wenn der Winter naht. So manches Tier wird daher im Freien geboren.

Da alle Tiere zunächst acht bis zehn Monate bei den Müttern bleiben und auch danach auf dem Hof, gibt es inzwischen sogar eine kleine Herde junger Bullen. Wachsen wollen die Willekes mit ihrem Viehbestand jedoch nicht. „Dann reduzieren wir lieber die Anzahl unsere Kühe“, sagt Birgit Willeke, denn die anfallende Arbeit muss für den Hof auch zu leisten sein. Immerhin ist er ein Naturland Betrieb und wirtschaftet nach Bio-Richtlinien. Und sind die Tiere in den Wintermonaten im Stall, werden sie mit selbst angebautem Futter versorgt.

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