Jugend mit Musik begeistern

dz35 Jahre Yellowstone

„Früher war es unser einziger Wunsch, einmal im Yellowstone aufzutreten“, erinnert sich Sebastian Gluche. Der Posaunist hat sich für sein letztes Konzert einen besonderen Ort ausgesucht. Denn der Soundclub feiert sein 35-jähriges Jubiläum.

von Niklas Mallitzky

Bergkamen

, 07.10.2018, 14:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dreizehn Jahre rocken die „Awesome Scampis“ schon quer durch Deutschland. Auch Sebastian Gluche war seit der ersten Stunde mit dabei, nun reicht es ihm. „Ich habe einfach in der letzten Zeit gemerkt, dass nicht mehr so heiß auf das Musikmachen bin wie früher“, berichtet der 34-Jährige am Samstagabend. „Also musste ich die Konsequenz ziehen. Es wäre einfach nicht fair meinen Bandkollegen gegenüber gewesen, dann noch weiter zu machen.“ Mit seinem Abgang wolle er sich und ihnen viel Stress und Streit ersparen. „Den gibt es immer, wenn einer nicht voll mitzieht und das ist verständlich.“

Als sie vor 13 Jahren zum ersten Mal gemeinsam Musik machten, hatten die Scampis nur ein Ziel, einen Auftritt im Yellowstone. „Wir waren damals fasziniert von den übrigen Bands, die dort so auftraten. Das wollten wir auch erleben.“ Bei dem Gedanken an die alte Zeit muss Gluche lachen, mittlerweile ist die Band ein begehrter Gast bei ganz unterschiedlichen Konzerten und Festivals. Trotzdem wollten sie ihren letzten, gemeinsamen Auftritt mit Gluche nirgendwo anders haben. „Hier haben wir unsere Wurzeln, wurden quasi geboren. Dann soll es hier auch zu Ende gehen.“ Natürlich falle es ihm schwer, berichtet der Posaunist, besonders wenn man wie an diesem Abend so viele, alte Freunde treffe. „Trotzdem ist es für mich Ok. Hätte ich ein schlechtes Gefühl gehabt, wäre ich geblieben.“

Die Scampis treten an diesem Abend als Headliner auf, drei Bands sorgen vorher für Stimmung. Mit dabei ist auch der Rapper Konz, er bietet ein Kontrastprogramm zum sonst dominanten Gitarrensound. Der junge Rapper kann mit Trap der Extraklasse aufwarten, sein Talent steht außer Frage. Schon seit seiner Kindheit ist er im Yellowstone aktiv, hat dort eine musikalische Entwicklung durchgemacht. „Früher hab ich Hardcore und Punk gemacht“, erinnert er sich im Gespräch hinter den Kulissen. „Dann hab ich hier an einem Hip Hop Workshop teilgenommen, seitdem ist das meine Leidenschaft.“ Der Gitarrenmusik habe er vorerst den Rücken gekehrt. „Ich will mich ganz auf eine Sache konzentrieren und das ist jetzt Rap.“

Konz und Gluche werden an diesem Abend nicht müde, die Arbeit von Jugendtreffleiter Hartmut Dietrich zu loben. David Zolda, der seit Jahren die Jugendkulturarbeit unterstützt, stimmt den Musikern zu. „Auch ich hab als Jugendlicher nach Auftrittsmöglichkeiten gesucht, Hartmut war sofort mit von der Partie.“ Aus dem einmaligen Engagement wurden regelmäßige Konzerte. „Hartmut hat sich immer für die Jugendlichen eingesetzt, für mich früher genauso wie für die Jungs heute.“

Dietrich hält sich derweil lieber im Hintergrund. Wenn er während der Konzerte nicht die Technik bedient, macht er Fotos von den Bands. Es seien nicht nur die vielen Kurse, die Dietrich unter der Woche für Kinder und Jugendliche anbiete, die seine Arbeit so besonders machen würden. „Hartmut hat immer ein offenes Ohr für die Jugendlichen, auch Alltagsprobleme löst er gemeinsam mit ihnen“, so Zolda. Konz, Gluche und Zolda – die Drei stehen auch für dreieinhalb Jahrzehnte gelungener Jugendarbeit in Oberaden. Zum Jubiläum bleibt deshalb alles beim alten, erklärt Zolda. „Wir machen heute, was wir am besten können; Jugendliche mit Musik begeistern.“

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