Der BUND schlägt vor, reine Stein-Vorgärten in künftigen Baugebieten zu verbieten. Gartenbauer halten aber nichts davon, Steinbeete komplett zu verteufeln – wenn sie richtig angelegt sind.

Bergkamen

, 05.07.2019, 16:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gartenbauerin Simone Röttger kann Steingärten durchaus etwas abgewinnen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie richtig angelegt sind und dass sie ein Gestaltungselement von mehreren im Garten bleiben. Sie müssten eine wasserdurchlässige Folie haben, erläutert sie, die mit Pflanzlöchern versehen ist. Dort sollten auch Blühpflanzen wachsen, die Insekten Nahrung bieten.

Auch Röttger selbst hat solche Flächen in ihrem privaten Garten. Auf zwei kleinen Beeten liegen Steine. Auf dem einen sprießen ein immergrüner Busch und eine „Fette Henne“, deren Blüten gerne von Insekten angesteuert werden.

Stadtverwaltung regt Verbot an, SPD unterstützt es

Wenn es nach der Bergkamener Stadtverwaltung geht soll es künftig aber zumindest keine reinen Steingärten mehr in Neubaugebieten geben. In den Bebauungsplänen soll verboten werden, dass Garten- und Vorgartenflächen überwiegend mit Schotter oder Kies bedeckt sind, wie es in Mode gekommen ist. Sie folgt damit einem Einwohnerantrag der Ortsgruppe des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland). Dass der Vorschlag der Stadtverwaltung eine Mehrheit im Stadtrat bekommt, darf schon jetzt als sicher gelten. Die SPD-Fraktion, die über die absolute Mehrheit im Stadtrat verfügt, hat ihre Zustimmung nach einem Gespräch mit Silvia Lippert vom BUND signalisiert.

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Bedenken gegen rechtliche Durchsetzbarkeit

Bergkamen würde damit dem Vorbild einiger anderer Städte folgen: Xanten und Dortmund beispielsweise haben schon beschlossen, reine Stein-Vorgärten per Bebauungsplan zu verbieten. In Bremen ist ein solcher Beschluss in Vorbereitung. Es gibt aber auch Kommunen, die diesen Schritt nicht gewagt haben, obwohl sie ihn unter Umwelt-Gesichtspunkten für richtig halten. Fröndenberg hat verzichtet, weil die Stadt ein solches Verbot für rechtlich nicht durchsetzbar hielt.

In Neubaugebieten in Bergkamen soll es keine reinen Stein-Vorgärten mehr geben

Dem BUND und der Stadt geht es vor allem darum, solche Steinwüsten in Vorgärten zu verhindern. Sie sollen in Neubaugebieten im Bebauungsplan ausgeschlossen sein. Solche Flächen sind übrigens nicht so pflegeleicht, wie viele glauben. © picture alliance/dpa

Baudezernent sieht gute Gründe für Verbot

Auch der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters sieht durchaus, dass es nicht einfach ist, ein solches Vebot durchzusetzen. Der Stadtrat muss laut Baugesetzbuch beim Aufstellen eines Bebauungsplans alle Interessen gegeneinander abwägen. Wenn er Steingärten verbieten will, muss er gute Gründe dafür anführen. Peters glaubt allerdings im Gegensatz zu seinen Kollegen in Fröndenberg, dass es solche guten Gründe gibt. Dabei geht es vor allem darum, dass das Wasser auf solchen Flächen nicht oder nicht so gut versickert. Der Stadtbetrieb Entwässerung (SEB) hält das für ein Problem: Bei einem Starkregen verstärkt sich die Gefahr von Überschwemmungen. Hinzu kommt, dass sich der Straßenraum durch die Schotterflächen aufheizt und sich bei heißem Wetter zusätzliche Hitzeinseln bilden können.

Es muss um die öffentliche Daseinsvorsorge gehen

Peters mag die geschotterten Vorgärten zwar auch ästhetischen Gründen nicht, hält das aber nicht für ein stichhaltiges Argument. „Wenn wir solche Flächen verbieten, muss es um die öffentliche Daseinsvorsorge gehen und nicht um den Geschmack“, sagt er.

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Kein Verbot außerhalb von Neubaugebieten

Eine Möglichkeit, Schottergärten auch in den schon bebauten Bereichen der Stadt zu verbieten, sieht die Stadtverwaltung dagegen nicht. Dort setzt die die stadt eher auf Beratung. Wenn Hauseigentümer nachfragen, will die Stadt von Schottergärten abraten und ihnen den Tipp geben, auch Umelt-gesichtspunkte bei der Gestaltung einzubeziehen.

In Neubaugebieten in Bergkamen soll es keine reinen Stein-Vorgärten mehr geben

Die Folie unter den Steinen muss wasserdurchlässig sein. dann kann zumindest der größte Teil des Regens versickern. © Stefan Milk

Steingarten ist nicht so pflegeleicht wie viele denken

Dabei kann auch ein Gespräch mit dem Experten helfen. So pflegearm, wie viele meinen, sind die Steingärten gar nicht, sagt Armin Clemens, Bauleiter bei der Bergkamener Gartenbaufirma Röttger. „es ist zum Beispiel erheblich schwieriger, Laub zu beseitigen“, sagt Clemens. Es einfach abharken, wie bei einem normalen Gartenboden ist nicht möglich. Dabei wird auch die Steinschicht zerstört. Außerdem stimmt es nicht, dass auf solchen Flächen kein Unkraut wächst, auch wenn unter den Steinen eine Folie verlegt ist. Durch den Wind und Vögel gelangen auch Samen auf die Fläche – und wenn sie austreiben, lassen sie sich ebenfalls viel schwieriger wieder entfernen als von normalem Gartenboden. Auch der Boden ist nicht so lebendig wie in Gartenerde. Würmer beispielsweise mögen Steinbeete nicht.

Der erste Fehler ist die falsche Folie

Trotzdem hält auch Clemens Steinbeete für ein Gestaltungsmittel, wenn sie richtig angelegt sind und wenn sie den Garten nicht dominieren.

Simone Röttger aber fürchtet, dass viele, die sich einen Stein-Vorgarten selbst anlegen schon bei der Folie den ersten Fehler machen. Sie nehmen oft Folien, die kein Wasser durchlassen – und dann handelt es sich einfach nur um eine versiegelte Fläche.

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