Der Hausverwalter hat erstmals den Sanierungsaufwand für die wegen Brandschutzmängeln geräumten Häuser benannt. Es steht fest: Bis sie wieder bezogen werden können, wird viel Zeit vergehen.

Bergkamen

, 19.06.2019, 16:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bewohner der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße müssen lange warten, bis sie in ihre Wohnungen zurückkehren können. Hausverwalter André Beckschulte geht davon aus, dass die Beseitigung der Brandschutzmängel mindestens ein halbes Jahr dauert. Das ist nicht das einzige Problem: Bevor Sanierungsarbeiten beginnen können, müssen erst die Wohnungseigentümer zustimmen – ob einstimmig oder zumindest mit großer Mehrheit muss nach Beckschultes Angaben noch juristisch geklärt werden. Das größte Hindernis für viele Eigentümer dürfte die Finanzierung der Sanierungskosten sein, zu deren Höhe der Hausverwalter noch nichts sagen wollte. Er verwies darauf, dass die Kosten noch nicht exakt durchgerechnet sind. „Die bisherige Kostenschätzung ist noch sehr vage“, sagt er. Aus den Reihen der Eigentümer war zu hören, dass es um ein bis zwei Millionen Euro geht.

Alle Wohnungen gehören Einzeleigentümern

Insgesamt befinden sich 60 Wohnungen in den beiden achtstöckigen Häusern an der Töddinghauser Straße, die alle in der Hand von Einzeleigentümern sind. Nach Schätzungen der Stadt ist etwa die Hälfte von Eigentümern selbst bewohnt. Die andere Hälfte ist vermietet. Die Stadt hatte sie am 14. Mai wegen Brandschutzmängeln für unbewohnbar erklärt und innerhalb weniger Stunden räumen lassen.

In diesem Jahr kann niemand in die geräumten Häuser zurück

Die beiden geräumten Häuser gehören zu den höchsten Wohnhäusern in Bergkamen. Auf acht Etagen gefinden sich insgesamt 60 Wohnungen. Die 95 Bewohner mussten sie am 14. Mai, vor gut fünf Wochen, innerhalb weniger Stunden verlassen. © Borys P. Sarad

Brandsachverständiger stellt seine Erkenntnisse vor

Beckschulte hatte die Wohnungseigentümer am Dienstagabend in einer mehrstündigen Sitzung erstmals über die Erkenntnisse informiert, die ein Brandsachverständiger hat. Die Hausverwaltung hatte dazu den ehemaligen Leitenden Brandschutzdirektor der Stadt Hamm, Wilhelm Tigges, eingeschaltet. Außerdem hatte Beckschulte zu der Eigentümerversammlung einen Rechtsberater und einen Versicherungsmakler eingeladen.

In diesem Jahr kann niemand in die geräumten Häuser zurück

Die Bewohner dürfen nur noch in die Häuser, wenn sie etwas aus den Wohnungen benötigen. In den vergangenen Tagen fahren immer häufiger auch Umzugswagen vor, weil die Mieter etwas Neues gefunden haben. © Borys P. Sarad

Viele Eigentümer dürften Probleme mit der Finanzierung haben

Das größte Problem für viele der Eigentümer dürfte sein, die erforderlichen Mittel für die Brandschutzsanierung aufzubringen. Bei den Eigentümern handle es sich um Menschen mit sehr unterschiedlichen Vermögensverhältnissen, mit unterschiedlichen Nutzungsansprüchen und einer sehr unterschiedlichen Altersstruktur. Es gibt ältere Eigentümer, die ein schon lange in ihrer Wohnung leben und kein großes Interesse haben, sie zu verlassen – und jüngere, die sie erst vor relativ kurzer Zeit gekauft haben. Hinzu kommen die Eigentümer, die ihre Wohnung vermietet haben.

In diesem Jahr kann niemand in die geräumten Häuser zurück

Die Flure wirken noch immer wohnlich und aufgeräumt. Ein Wachdienst sorgt dafür, dass niemend einbricht und plündert. © Borys Sarad

Fehlender Brandschutz ist nicht versichert

Es ist schon sicher, dass dafür keine Versicherung aufkommt. „Die Versicherung trägt nur die Kosten für die Schäden, die durch den Brand entstanden sind“, sagte der Hausverwalter. Es ist auch höchst unsicher, ob ein Verursacher für die Brandschutzmängel in den Häusern haftbar gemacht werden kann. Die Gebäude sind zwar aus heutiger Sicht schon problematisch konstruiert – aber sie sind auch schon 45 Jahre alt. Beckschulte geht auch davon aus, dass es schwierig wird nachzuweisen, dass bestimmte Umbauten in den Häusern für die Brandschutzmängel verantwortlich sind – und dass die Verursacher für die Mängel haftbar sind. Dazu sei im Laufe der 45 Jahre wahrscheinlich viel zu viel in den Häusern umgebaut worden, vermutete der Verwalter. Fraglich ist auch, was mit den Häusern geschieht, wenn sich nicht alle Wohnungseigentümer damit einverstanden erklären, die Sanierungskosten zu tragen.

Beschluss in nächster Versammlung im Juli geplant

Beckschulte will den Eigentümern Zeit geben, sich ihr Vorgehen zu überlegen. Er will am 23. Juli eine ordentliche Eigentümerversammlung einberufen, in der ein verbindlicher Beschluss gefasst werden soll. Bis dahin will er Beschlussvorschläge zusammen mit dem Eigentümerbeirat vorbereiten.

In diesem Jahr kann niemand in die geräumten Häuser zurück

Andreas Cieluch (l.) und sein Sohn Adam packen zusammen. Cieluch war zusammen mit seiner Frau Mieter in einem der beiden Häuser. Jetzt zieht er in eine andere Wohnung um. © Borys Sarad

Viele Mieter suchen eine neue Wohnung

Zu den Problemen der Eigentümer dürfte beitragen, dass sich immer mehr Mieter entschließen, eine neue Wohnung zu suchen und umzuziehen. Solange die Wohnungen für unbewohnbar erklärt sind müssen sie ohnehin keine Miete mehr bezahlen.

15 Bewohner leben noch in der Notunterkunft

Die meisten der insgesamt 95 Bewohner sind vorübergehend bei Verwandten und Freunden untergekommen. Insgesamt 15 von ihnen wohnen auch immer noch in der städtischen Notunterkunft an der Fritz-Husemann-Straße. Darunter sind Mieter, aber auch einige Wohnungseigentümer. Außerdem hat die Stadt eine Familie mit drei Kindern in einer angemieteten Wohnung untergebracht. Möglicherweise kommt ein weiterer Bewohner hinzu. Er war wegen der Räumung nach Frankfurt gegangen, will nach Angaben von Bürgermeister Roland Schäfer aber wieder nach Bergkamen zurück.

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