Die einen gehen auf die Straße, um zu demonstrieren, die anderen entwickeln konkrete Ideen für den Klimaschutz. Junge Energie-Scouts sollen Unternehmen beim Energiesparen voranbringen.

Rünthe

, 16.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor der Bergkamener Firma Bulten GmbH liegen schwere Zeiten. Das machte Werkleiter Frank Welzel nur allzu deutlich. Die Firma stellt unter anderem Schrauben und Bolzen her, ein großer Abnehmer ist die Autoindustrie. Die stagniere derzeit und auch die Dieselthematik belastet die Branche. Bulten wird das zu spüren bekommen.

„Das ist keine kurzfristige Erscheinung. Das wird uns die nächsten Jahre begleiten“, sagte Welzel beim IHK-Wirtschaftsgespräch in dieser Woche, dessen Gastgeber Bulten war. Nicht alle Unternehmen werden es durch diese schwere Phase schaffen, meint Welzel.

Jetzt lesen

Bulten soll aber zu denen gehören, die durchhalten. Mit Produktionswerken in Nordamerika, Rumänien und Russland beliefere Bulten Märkte direkt vor Ort, es werde an neuen Technologien wie etwa der Einsatz von Robotern gearbeitet und auch Nachhaltigkeit ist ein großes Thema in der Firma.

Und ausgerechnet bei diesem wichtigen Thema könnten nun Azubis das Unternehmen voranbringen. Als Energie-Scouts sollen sie Energieeinsparpotenziale in der Firma erkennen und nutzen. Bulten könnte so nicht nur Kosten einsparen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen.

Azubis erarbeiten als Energie-Scouts ein eigenes Projekt

Das Projekt ist Teil der bundesweiten Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (MIE) und wird von der IHK zu Dortmund in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW und der Effizienz-Agentur NRW durchgeführt.

Bei der IHK Dortmund durchlaufen die Azubis aus Bergkamen Workshops, in denen sie etwas über die Themen Energiewende und Klimaschutz lernen.

Sie erwerben zudem Kompetenzen in den Bereichen Projektmanagement und Präsentationstechniken. „Das erlernte Wissen wird von den zwei bis drei Auszubildenden des Unternehmens in einem eigenen Effizienzprojekt als Team praktisch angewandt“, heißt es in dem Aufruf der IHK für die nächste Projektrunde 2019/2020.

In diesem großen Unternehmen treiben bald Jugendliche den Klimaschutz voran

An dem Wirtschaftsgespräch der IHK Dortmund in dieser Woche nahmen Dominik Stute, Dunja Faust, Wulf-Christian Ehrich, Frank Welzel und Dr. Hans-Joachim Peters (v.l.) teil. © Stefan Milk

Der Aufruf richtete sich an alle Unternehmen, gestartet ist das Projekt vor kurzem. Aus Bergkamener ist nur ein Unternehmen dabei: Bulten. Es ist die erste Firma aus Bergkamen, die Energie-Scouts ausbilden lässt. Profitieren werden davon nicht nur die Firma, sondern auch die Azubis selbst.

Es handelt sich zudem um einen Wettbewerb, bei dem die Ergebnisse der Projekte am Ende im Rahmen einer Abschlussveranstaltung in der IHK vorgestellt werden. „Die beiden durch eine Jury gekürten Siegerteams haben die Möglichkeit, im Sommer/Herbst 2020 an der Bundes-Bestenehrung in Berlin und an der NRW-Bestenehrung in Düsseldorf teilzunehmen“, so die IHK.

Bulten als Vorbild für andere Bergkamener Firmen

Bei dem Projekt geht es aber sicherlich nicht nur ums Gewinnen. Es soll auch ein Motivationsmotor sein. Die Scouts sollen selber Verbesserungen in ihren Ausbildungsbetrieben vorschlagen und vornehmen, aber auch die anderen Mitarbeiter für Energie- und Ressourceneffizienz sensibilisieren. Und auch andere Bergkamener Firmen sollen angeregt werden, Energie-Scouts auszubilden. „Es ist ein Appell an alle Unternehmen - auch die ganz kleinen“, sagt Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Dortmunder IHK.

In diesem großen Unternehmen treiben bald Jugendliche den Klimaschutz voran

Noch bringen in der Firma Bulten Gabelstapler, die von Menschen gesteuert werden, die Produkte von A nach B. Bald könnten die Transporte automatisch gesteuert werden. Das Unternehmen arbeitet an neuen Technologien, will aber die Mitarbeiterzahl halten. © Stefan Milk

Auch er nahm an dem Wirtschaftsgespräch teil. Laut Ehrich, der 16 Jahre lang für den Standort Bergkamen zuständig war, sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit längst in großen und kleineren Bergkamener Unternehmen angekommen. Die Firmen seien bereit, dafür zu investieren - zum Beispiel in Fotovoltaikanlagen.

Dass das Thema nicht neu für hiesige Unternehmen wie Bulten ist, wird schnell deutlich, wenn man auf die vergangenen Jahre blickt. Bereits im Jahr 2016 wurde Bulten vom Kreis Unna mit der Klimaschutzflagge geehrt, weil die damals neu angeschafften Waschanlagen aus vielerorts ungenutzter Abwärme Energie gewinnen.

Dass Bulten aber längst noch nicht fertig ist, nachhaltiger und energiesparender zu produzieren, machte nicht nur Welzel vor den Gästen des Wirtschaftsgespräches deutlich. Bald könnten die Projekte der Energie-Scouts für sich sprechen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kohlekraftwerk Heil
Bürgermeister: Kohle-Entschädigung muss Bergkamen zumindest indirekt zugute kommen
Hellweger Anzeiger Paul Hildebrandt AG
Essbares Füllmaterial: Wie eine Verpackungsfirma in Zeiten des Klimawandels wächst
Hellweger Anzeiger Abrissarbeiten
Mit vielen Bildern: Die alte City ist in wenigen Tagen aus Bergkamen verschwunden
Hellweger Anzeiger Eishalle am Häupenweg
Erst zum Training in die Eissporthalle – dann zum Wettkampf auf die Winterwelt