In der Backinsel gibt es nicht nur Frisches aus dem Ofen, sondern ganz viel Integration

Integration im Café

Das Café Backinsel an der Präsidentenstraße ist schon länger eine feste Größe für die Awo-Integrationsagentur. Nach dem Besitzerwechsel im Januar ist diese Beziehung noch einmal enger geworden.

Bergkamen

, 17.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine echte Insel an der Präsidentenstraße in Bergkamen: Die Backinsel dient dem Awo Integrationsbüro als Stützpunkt für Veranstaltungen.

Eine echte Insel an der Präsidentenstraße: Die Backinsel dient dem Awo Integrationsbüro als Stützpunkt für Veranstaltungen. © Marcel Drawe

„Das hätte überhaupt nicht besser für uns laufen können“, freut sich Irina Kholyavitskaya von der Integrationsagentur der Awo. Nicht nur, dass sich ihr Büro und die Backinsel an der Präsidentenstraße in nächster Nachbarschaft befinden. Seit Anfang des Jahres ist die Integrationsarbeit noch enger an das Café geknüpft. Im Januar haben nämlich Lejla Azimi und ihr Mann Said Hamid die Backinsel übernommen. Die neuen Eigentümer kommen selbst aus Afghanistan und kennen die Sorgen und Nöte von Zugewanderten genau.

Café und Integrationsagentur Hand in Hand

Das Café in unmittelbarer Nachbarschaft der Integrationsagentur ist schon lange ein zentraler Treffpunkt und Veranstaltungsort für eine Vielzahl von Thementagen. So etwa auch die Info-Veranstaltung für Frauen „Selbstbewusst und sicher im Alltag“. „Hierbei geht es darum die Möglichkeit zu Begegnungen und Austausch für geflüchtete Frauen zu bieten“, erklärt Irina Kholyavitskaya.

Die Infoveranstaltung für Frauen im Café Backinsel am 12. März leitete Referentin Lejla Azimi (5. v.l.), die seit Januar die Backinsel in Bergkamen betreibt.

Die Infoveranstaltung für Frauen im Café Backinsel am 12. März leitete Referentin Lejla Azimi (5. v.l.), die seit Januar die Backinsel betreibt. © privat

Es geht um die zentralen Fragen: „Was darf ich?“ „Was kann ich tun?“ „Wie kann ich zeigen, dass ich Teil der Gesellschaft bin und hier Anerkennung verdiene?“

Bei der Info-Veranstaltung handelt es sich um eine Maßnahme von „KOMM AN NRW“, die von der Integrationsagentur der AWO Unterbezirk Ruhr-Lippe-Ems in Bergkamen organisiert wird. Es ist auch kein einmaliger Nachmittag, sondern eine ganze Reihe von Informationsveranstaltungen, die den geflüchteten Frauen dabei helfen, ihre Rechte und Pflichten in Deutschland zu verstehen und wahrzunehmen und ihr Leben später selbstbestimmt gestalten zu können.

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Es besteht eine Scheu, sich Hilfe zu suchen

Die Erfahrung in der Integrationsarbeit zeigt: Die meisten geflüchteten Frauen fühlen sich in Deutschland zwar durchaus willkommen, scheuen jedoch aus unterschiedlichen Gründen die gezielte Inanspruchnahme einer gesetzlichen Unterstützung oder Hilfe der Einheimi­schen. Für viele Geflüchtete sei es demnach eben schwer, hier wirkliche Beziehungen aufzubauen.

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Zugewanderte Frauen, die bereits länger in Deutschland leben, engagieren sich als Referentinnen und helfen den geflüchteten Frauen, verschiedene Themen zu besprechen: wie sie Karriere in Deutschland gemacht haben und wie erfolgreiche Integration aus ihrer Sicht funktionieren kann. Aufgrund ihrer eigenen Migrationserfahrung, ihrer Mehrsprachigkeit, aber besonders durch ihre Erfahrung des Ankommens und Fremdseins, können sie die Zugewanderten ganz anders begleiten als jemand, der diese Erfahrung nicht gemacht hat.

Referentinnen machen Frauen stark

Im Februar lautete das Thema „Mehr Selbstbewusstsein in einfachen Schritten: Übungen zu Stärkung und Selbstwertschätzung“. Tatjana Maisinger erzählte über ihre eigene Erfahrung vom Ankommen in Deutschland bis zur Gründung selbständiger Existenz.

Na klar, neben dem Veranstaltungsort gibt es in der Backinsel in Bergkamen auch etwas leckeres zu Essen: Said Hamid Azimi in seiner Arbeitsecke, in der er alles frisch zubereitet.

Na klar, neben dem Veranstaltungsort gibt es in der Backinsel auch etwas leckeres zu Essen: Said Hamid Azimi in seiner Arbeitsecke, in der er alles frisch zubereitet. © Marcel Drawe

Nachdem der Vortrag der Frau aus der Nordkaukasischen Region Russlands, im Februar noch im AWO-Treffpunkt, in der Präsidentenstraße 46, abgehalten werden musste – „wir waren damals mit dem Café Backinsel einfach noch nicht soweit nach dem Betreiberwechsel“, erklärt Kholyavitskaya –konnte jetzt die Veranstaltungsreihe wieder im Café stattfinden. Was liegt da näher als die frisch gebackene Café-Betreiberin zu Wort kommen zu lassen. „Stress und Angst im Alltag reduzieren, Beratung und eine gesetzliche Unterstützung bekommen“ war also das nächste Thema, zu dem Lejla Azimi, die zugewanderten Frauen am 12. März eingeladen hatte.

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Mit dem Termin noch einmal Glück gehabt

„Da haben wir gleich noch einmal Glück gehabt, dass die Veranstaltung noch geklappt hat, jetzt ist ja schließlich erstmal alles abgesagt“, berichtet Kholyavitskaya. Doppelt gut, denn das Café war gut besucht, es kamen Frauen aus Afghanistan, Iran, Aserbaidschan und Syrien zusammen und konnten sich in einer gemütlichen Atmosphäre aktiv zum Thema austauschen. Sie alle verbindet die Hoffnung, dass aus den erfolgreichen Beispielen Lehren gezogen werden könnten und dass sie es auch schaffen, ein neues Leben aufzubauen und Teil der Gesellschaft zu werden.

Weitere Termine

Planungen schon bis zum Jahresende

  • Weitere Infoveranstaltungen für Frauen sind im Oktober dieses Jahres geplant.
  • Am 7. September um 17.30 Uhr wird in der Backinsel das internationale Musikfest gefeiert
  • Am 3. Dezember begrüßen die Kinder ab 17 Uhr in der Backinsel den Advent mit Spielen und viel Gesang
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