Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

In Bergkamen gibt es zu wenig passende Wohnungen für Senioren

dzAltenhilfeplanung

Menschen über 60 stellen etwa ein Drittel der Bergkamener Bevölkerung. Viele von ihnen möchten gerne früher oder später in eine barrierefreie Wohnung ziehen. Das Angebot ist bisher schlecht.

Bergkamen

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Bürgerinformation zum neuen Baugebiet an der Hermann-Stehr-Straße in Oberaden am Mittwochabend war ein wenig symptomatisch für den Umgang mit dem Thema „barrierefreies Bauen“. Erst als Bürger danach fragten, machten die Planer auch dazu Aussagen – die jedoch eher vage blieben. Sie würden sich mit dem Thema beschäftigen, versicherten die Planer.

Anteil der Älteren wächst

Dabei wird das Thema in den kommenden Jahren drängend, wie die Bevölkerungsprognose und eine Befragung von Bergkamener Bürgern über 60 Jahre durch die Forschungsgesellschaft für Gerontologie an der TU Dortmund zeigt. Die Prognose zeigt, dass der Anteil der Menschen zwischen 60 und 79 an der Bergkamener Gesamtbevölkerung in den kommenden Jahren von 22,7 auf 28,4 Prozent steigt. Der Anteil der Über-80-Jährigen steigt nach der Berechnung von IT.NRW im gleichen Zeitraum von 6,5 auf 7,6 Prozent. Wie die Befragung zeigt, wünschen sich fast alle Über-60-Jährigen bei einem Wohnungswechsel eine barrierefreie Wohnung, fast ein Drittel hätten sogar betreutes Wohnen oder sogenanntes „Wohnen mit Service“.

In Bergkamen gibt es zu wenig passende Wohnungen für Senioren

Häuser mit steilen Treppen sind für Senioren oft nicht geeignet. Nicht immer ist der Einbau eines Treppenlifts möglich. © picture alliance / dpa-tmn

Viele Altbauten in der Stadt

Falls sie so etwas suchen, werden sie in Bergkamen Probleme haben: Trotz der Kriegszerstörungen sind 57,6 Prozent aller Wohnhäuser vor 1949 gebaut worden. Modern, ab Baujahr 2005 und damit möglicherweise barrierefrei sind nur 1,8 Prozent – oder in absoluten Zahlen 374.

Planung soll Bedürfnisse von Senioren verinnerlichen

„Diese hohen Zahlen bei den Altbauten haben mich selbst überrascht“, sagt Sozialdezernentin Christine Busch, die Auswertung und Befragung im Rahmen der Altenhilfeplanung in Auftrag gegeben hat. Ihr ist klar, dass sich die meisten Altbauten und auch die Gebäude, die bis Ende der 70er Jahre entstanden sind nicht, oder nur schwer barrierefrei umbauen lassen. Sie fordert deshalb Konsequenzen bei allen Handelnden. „Dass wir die Bedürfnisse von Senioren berücksichtigen, muss unser verinnerlichtes Verhalten werden“, sagt sie.

In Bergkamen gibt es zu wenig passende Wohnungen für Senioren

Ein großer Teil der Bergkamener Wohnhäuser ist über 70 Jahre alt, wie die Häuser in den Zechensiedlungen. Sie lassen sich nicht oder nur mit großem Aufwand barrierefrei umbauen. © Stefan Milk

Alle Bereiche betroffen

Das gilt ihrer Ansicht nach nicht nur für die Planung von neuen Wohngebieten und Wohnhäusern, sondern für alle Bereiche der öffentliche Planung. Die Über-60-Jährigen beklagen zum Beispiel fehlende Ruhebänke im Stadtgebiet, die Anzahl und den Zustand öffentlicher Toiletten. Probleme machen auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln – besonders im Stadtteil Oberaden – oder die Beleuchtung von öffentlichen Plätzen und Parkanlagen. „Das sind alles Dinge, auf die wir direkt Einfluss haben“, mahnt Busch.

Miethöhe wird immer mehr zum Problem

Beim Wohnen sieht sie in den kommenden Jahren nicht nur Probleme mit barrierefreiem, sondern auch mit bezahlbarem Wohnraum auf die Stadt zukommen. Die jetzige Rentnergeneration habe überwiegend noch eine sehr gute Rente, die meist auch für die Miete für eine moderne barrierefreie Wohnung ausreicht – wenn sie auf dem Markt zu haben ist. Das sieht in zehn Jahren schon ganz ander aus, fürchtet die Sozialdezernentin. Dann spielen der Mietpreis und der Energieverbrauch mit den damit verbundenen Nebenkosten eine wesentlich größere Rolle.

Deshalb soll die Stadt bei den großen Vermietern nicht nur darauf drängen, dass Wohnungen barreirefrei umgebaut werden, sondern auch, dass die Mieten trotzdem bezahlbar bleiben.

LEG ist mittlerweile sensibilisiert

Bei den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften wie der UKBS findet sie dafür auch offene Ohren, sagt sie. Die LEG, mittlerweile Bergkamens größter Vermieter, ist für das Thema mittlerweile auch sensibilisiert. Sie schickte eine Vertreterin zur Auftaktveranstaltung zur Altenhilfeplanung und hat diverse Projekte gestartet – zum Beispiel Rollatorengaragen vor Miethäusern.

Lesen Sie jetzt