Impfkampagne im Gesundheitszentrum am Nordberg: Medizinstudentin Melissa Papok impft eine Frau – eine von etwa 400 Patientinnen und Patienten, die an diesem Samstag in der Bergkamener Praxis geimpft werden. Im Hintergrund Ärztin Maren Herschel © Udo Hennes
Corona-Pandemie

Impfen gegen Corona: „Wir sind Ärzte, wir ziehen das durch“

Das Gesundheitszentrum am Nordberg impft an diesem Samstag bis zu 400 Menschen gegen Corona. Das ist nur möglich, weil die Mitarbeiter ihre Freizeit opfern und viele freiwillig helfen.

Im Gesundheitszentrum am Nordberg scheint an diesem Samstag das Chaos zu herrschen. Vor der Tür auf dem Herbert-Wehner-Platz steht eine kleine Schlange von Wartenden. In der Praxis stehen in jedem Raum und in jedem Flur Stühle, immer in Corona-gerechtem Abstand, auf denen jemand sitzt. Dazwischen laufen Ärzte, Praxispersonal und Helfer von rechts nach links und von links nach rechts, die an der Kleidung als Mitglieder der Malteser zu erkennen ist.

Was so chaotisch wirkt ist in Wirklichkeit Teil eines nahezu perfekt durchchoreographierten Plans, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit gegen Corona zu impfen. Seit das Gesundheitszentrum vor einigen Tagen bekanntgegeben hat, dass es jeden gegen Corona impft, ganz gleich ob er Patient ist oder nicht, hat es bis Montagnachmittag schon 1600 Anfragen nach einem Impftermin gegeben. „Es kommen Menschen aus dem ganzen Kreis Unna, es gibt sogar Anfragen aus Münster“, berichtet der Arzt Detlef Kobusch, Gründer und Mitinhaber des Gesundheitszentrums.

Zum Impfteam in der Praxis gehören auch zwei Medizinstudentinnen und die Maltester aus Arnsberg, die freiwillg helfen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Jetzt arbeiten Kobusch und sein Praxisteam mit allen verfügbaren Ressourcen daran, dass niemand, der einen Termin möchte, abgewiesen werden muss. In den Räumen der Praxis sind ständig drei Ärztinnen und Ärzte im Einsatz, ein Arzt hält sich in Reserve. Zum Impfen hat die Praxis jeden mobilisiert, der impfen kann und darf. Melissa Papok beispielsweise ist Medizinstudentin im klinischen Semester. Sie hat sich freiwillig gemeldet, weil ihre Mutter in der Praxis arbeitet.

Maren Herschel, Ärztin und Mitinhaberin des Gesundheitszentrums hat die Malteser aus Arnsberg um Hilfe gebeten, bei denen sie schon seit ihrer Jugend Mitglied ist. Die Malteser kommen an diesem und dem kommenden Samstag, um zu helfen. Sie weisen die Impfwilligen ein, teilen ihnen einen Platz zu, setzen Impfspritzen und haben einen Arzt mitgebracht, der ebenfalls einspringt.

Am Tresen am Praxiseingang werden die Impfunterlagen geprüft. In der Praxis haben sich Menschen aus der ganzen Region zum Impfen angemeldet. © Udo Hennes © Udo Hennes

Diese Hilfe ist wohl notwendig. Das Praxisteam sei schon an der Belastungsgrenze, sagt Kobusch. Die Weihnachtsfeier am Freitagabend, durchgeführt unter 2Gplus (geimpft und getestet) ist verkürzt worden, damit alle am Samstag fit sind zum Impfen. „Wir sind Ärzte. Wir ziehen das durch, auch wenn wir auf dem Zahnfleisch gehen“, sagt er. Er geht davon aus, dass etwa 40 bis 60 Menschen in der Stunde im Gesundheitszentrum geimpft werden. An diesem Samstag werden es etwa 350 bis 400 sein.

Bei den Patienten, die geimpft werden, erntet das Impfteam Dankbarkeit. Sie sei froh, dass sie den Termin bekommen habe, sagt Silvia Schwarz aus Bergkamen, die auf einem der Stühle darauf wartet, dass sie beim Impfen an der Reihe ist. Bei ihren Hausarzt habe sie sich bisher vergeblich um einen Termin bemüht. Beim Impfportal des Kreises habe sie es erst gar nicht versucht, weil die Termine so schnell ausgebucht sind. „Ich bin froh, dass die Mitarbeiter hier ihr Wochenende opfern, um Menschen impfen zu können“, sagt sie.

Die Platanen-Apotheke gegenüber vom Gesundheitszentrum stellt gleich die Impfzertifikate aus. Yasemin Canti (r.) überreicht sie an Doris Schlossarek (M.) und Karin Roden, die aus Südkamen zum Impfen gekommen sind. © Udo Hennes © Udo Hennes

Die Mitarbeiter der Arztpraxis und die Malteser sind nicht die einzigen, die dazu bereit sind. Auch die Platanen-Apotheke gegenüber ist geöffnet. Alle die geimpft sind, können sich dort ihr Impfzertifikat abholen, damit sie es in die App aufs Handy hochladen können. „So lange drüben geimpft wird ist auch immer jemand hier“, sagt Inhaberin Maria Happe.

Kobusch fürchtet nur noch eins: Dass das Gesundheitszentrum auch von den Lieferschwierigkeiten beim eigentlich ausreichend vorhandenen Impfstoff betroffen sein könnte.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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