Im neuen Bergkamener Rathaus soll es keine Hindernisse für Behinderte mehr geben

dzBarrierefrei

Das Bergkamener Rathaus ist allenfalls in Ansätzen barrierefrei und behindertengerecht. Das soll sich allerdings mit dem geplanten Umbau oder Neubau ändern.

Bergkamen

, 25.10.2019, 13:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sehbehindert ist oder mit einem großen Elektrorollstuhl unterwegs ist, hat schon Probleme, überhaupt ins Bergkamener Rathaus zu kommen. Der Weg vom Busbahnhof zum Rathaus-Eingang ist mit dem Blindenstock nicht zu ertasten, weil die entsprechenden Markierungen fehlen. Sehbehinderte, die es bis zum Fahrstuhl geschafft haben, bekommen immerhin eine Ansage, in welcher Etage er gerade hält.

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Eingang für große Rollstühle zu schmal

„Auch für große Elektrorollstühle ist der Eingang wohl zu schmal“, sagt Thomas Hartl, der Leiter Innere Verwaltung bei der Stadtverwaltung. Er sieht allerdings wenig Möglichkeiten, diesen Zustand kurzfristig zu ändern. Bekanntlich steht das in der ersten Hälfte der 70er-Jahre gebaut Bergkamener Rathaus ohnehin zur Disposition. Die Stadt will prüfen lassen, ob ein kompletter Umbau mit einer Erweiterung durch einen Anbau günstiger ist oder ob das Rathaus gleich durch einen Neubau ersetzt wird.

Im neuen Bergkamener Rathaus soll es keine Hindernisse für Behinderte mehr geben

Die meisten Besucher gehen schnell durch das Rathaus-Foyer, meist zum Bürgerbüro oder zu den Fahrstühlen. Für Menschen mit Behinderungen kann der Weg zum Problem werden. © Stefan Milk

Pläne für das neue Rathaus

Da das schon in den nächsten zwei bis drei Jahren geplant ist, hält Hartl es nicht für gerechtfertigt, das alte Rathaus noch komplett barrierefrei umzubauen – einschließlich der Eingangstüren. Beim Umbau oder Neubau soll die Barrierefreiheit aber auf jeden Fall in der Planung berücksichtigt werden. „Das Rathaus wird dann auf jeden Fall komplett barrierefrei. Für Gehbehinderte, aber auch für Sehbehinderte und Gehörlose“, versichert Hartl.

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Sehbehinderter Mitarbeiter

Die Stadtverwaltung hat bereits einige Erfahrungen gesammelt, denn sie beschäftigt auch selbst Mitarbeiter mit Behinderungen. Ein Mitarbeiter in der Telefonzentrale der Stadtverwaltung ist beispielsweise ebenfalls sehbehindert. Er kommt jeden Tag mit dem Bus aus Unna zur Arbeit ins Bergkamener Rathaus und finde sich dort mittlerweile problemlos zurecht, berichtet der Leiter Innere Verwaltung.

Der Mitarbeiter kennt sich mittlerweile sogar so gut aus, dass er Botengänge in andere Abteilungen übernehmen kann – zum Beispiel, wenn er bei den Wahlen hilft.

Probleme wie im Bergkamener Rathaus gibt es auch in anderen Städten. Frank Vehlow, der neue Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Unna berichtet, dass seine Heimatstadt Lünen vor einem besonderen Problem steht: Das Rathaus steht unter Denkmalschutz und darf deshalb nicht ohne Weiteres umgebaut werden. Zumindest für Blinde und Sehbehinderte hat Vehlow eine Idee: „Man kann die Markierungen auch einfach auf dem Boden aufkleben.“

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