Bevor Sarah Schrader ins Stadtarchiv wechselte, hielt sie die Inventur im Museumsmagazin ab. Als Archivarin hat sie es mit etwas anders gearteten Objekten zu tun. © Stefan Milk
Neue Stadtarchivarin

Im Lockdown entdecken viele Ahnenforscher das Stadtarchiv

Im Stadtarchiv lagern nur verstaubte Akten, die keinen interessieren? Das sieht nicht nur die neue Archivarin Sarah Schrader anders. Bei ihr melden sich viele Menschen, die nach Ahnen forschen.

Gerade erst hat die neue Stadtarchivarin Sarah Schrader eine Anfrage aus den Niederlanden bekommen. Eine Familie suchte Spuren ihres Urgroßvaters. Mit solchen Dingen befasst sich Schrader, die zu Jahresbeginn die Nachfolge des langjährigen Stadtarchivars Martin Litzinger angetreten hat, häufiger. Das Archiv im Rathaus ist das offizielle Gedächtnis der Stadt. Aber es steht auch allen Bürgern und historisch Interessierten offen.

Wobei das mit dem „offen stehen“ in der Pandemie so eine Sache ist. In normalen Zeiten empfängt Schrader Besucher im Stadtarchiv – nach Voranmeldung, versteht sich. Wegen Corona ist das derzeit in den engen Räumen nicht möglich. Aber die Archivarin nimmt Anfragen entgegen: Per Mail, Telefon und auch per Brief. Die kommen zum Teil von Institutionen wie dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Dessen Historiker arbeiten gerade an einem Projekt zum Thema Kriegsgefangene, berichtet Schrader. Und natürlich hat sie auch das Bergkamener Stadtmuseum, das ihr Ehemann Mark leitet, bei der Ausstellung zum 75. Jahrestages des Grubenunglücks auf Grimberg 3/4 unterstützt.

Bei Ahnenforschung helfen Geburts- und Todesurkunden

Aber im Moment melden sich auch häufig private Ahnenforscher. Schrader nimmt an, dass das mit dem Lockdown zusammenhängt. Die Leute haben viel Zeit, um sich mit ihren Vorfahren zu beschäftigen. Wenn die in Bergkamen gelebt haben, ist das Stadtarchiv eine gute Anlaufstelle. Hier befinden sich die sogenannten Personenstandsregister aus Bergkamen und seinen Vorgängergemeinden. Sie gehen zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Und wenn man eine Geburts- oder eine Todesurkunde hat, ist das schon einmal ein wichtiger Ansatzpunkt.

Manchmal muss Schrader die Suchenden aber auch an andere Archive verweisen. „Dokumente aus Rünthe, die aus der Zeit von vor 1912 stammen, liegen beispielsweise in Hamm“, sagt sie.

Archivarin Sarah Schrder mit alten Personenstandsregistern (Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden). © Privat © Privat

Aber oft kann sie den Ahnenforschern auch weiterhelfen. Vor allem, wenn die etwas genauere Angaben haben. „Ein Geburtsdatum ist schon hilfreich“, sagt Schrader. Aber selbst, wenn die Anfragenden nur einen Namen kennen, macht sich Schrader auf die Suche. Solche Recherchen gehören zum spannenden Teil des Berufs der Archivarin.

Schicksale in den beiden Weltkriege

Viele Menschen interessieren sich für das Schicksal ihrer Vorfahren im Ersten oder Zweiten Weltkrieg. Oft wissen sie nur, dass die Soldaten irgendwann vermisst wurden. In einem konkreten Fall konnte Schrader jetzt helfen. Anhand einer Sterbeurkunde fand sie heraus, an welchem Ort ein Bergkamener im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Für die Familie ist das eine sehr wichtige Information.

Von Haus aus ist Schrader allerdings eher in der Antike als in der Neuzeit beheimatet. Sie hat in Bonn Archäologie, Alte Geschichte und Ägyptologie studiert. Danach arbeitete sie unter anderem im Stadtarchiv Duisburg.

Dass die neue Stadtarchivarin mit dem Leiter des Stadtmuseums Mark Schrader verheiratet ist, kann für die Zusammenarbeit der beiden historischen Institutionen der Stadt nur gut tun. © Stefan Milk © Stefan Milk

Nach Bergkamen kam sie zum ersten Mal 2015, als sie im Stadtmuseum die Sonderausstellung „Von Asciburgium bis Oberaden. Leben in den Römischen Lagern“ mitgestaltete.

Nun also ist sie für das historische Gedächtnis der Stadt zuständig. Inzwischen hat sie sich im Archiv eingearbeitet, auch wenn sie noch längst nicht alle Archivalien kennt: „Dafür ist der Bestand zu umfangreich.“ Aber dem einen oder anderen Ahnenforscher hat sie schon weitergeholfen. Auch denen aus dem Nachbarland „Da bin ich fündig geworden: Der Urgroßvater ist von Bergkamen in die Niederlande ausgewandert.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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