Im Keller des Stadtmuseums liegen unentdeckte Schätze

dzStadtgeschichte

Sarah Schrader ist die Erste, die sich einen systematischen Überblick darüber verschafft, was alles im Keller des Stadtmuseums lagert. Dabei macht sie überraschende Entdeckungen.

Bergkamen

, 05.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielleicht hat Sarah Schrader im Keller des Stadtmuseums ja die Beute eines Bankraubs entdeckt. Aber sie lacht, als sie das sagt. Sie hat tatsächlich mehrere Tüten mit Banknoten aus der Zeit des Kaiserreiches und der Weimarer Republik gefunden. Woher die stammen ist unklar. Aber wahrscheinlich steckt eine spannende Geschichte dahinter.

Entdeckungen im Museumskeller

Das trifft auf viele Entdeckungen zu, die Sarah Schrader derzeit macht. Die Ehefrau des Museumsleiters Mark Schrader hat den Auftrag erhalten, den Museumskeller ausräumen, die dort gelagerten Gegenstände zu inventarisieren und im Nebengebäude ein regelgerechtes Magazin einzurichten.

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Fundstücke im Museumskeller

05.03.2020
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Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk
Fundstücke im Museumskeller© Stefan Milk

Über ein solches verfügt das Stadtmuseum Bergkamen bisher nicht. Im Keller lagern zwar Exponate, die nicht in der Ausstellung zu sehen sind, neben Sammlungsstücken und Alltagsgegenständen bis hin zu Nachlässen von Bergkamenern, die deren Hinterbliebenen dem Museum zur Verfügung gestellt haben. Vieles liegt schon seit Jahrzehnten dort. Sarah Schrader hat zum Beispiel Stücke entdeckt, die in Zeitungspapier aus den 80er Jahren eingepackt waren. Und manche Kiste steht wohl schon im Keller, seitdem 1965 in dem damaligen Verwaltungsgebäude die Oberadener Heimatstube eingerichtet wurde. 1989 öffnete an der Jahnstraße das Stadtmuseum.

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Fundstücke aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg

Einen systematischen Überblick darüber, was sich alles im Keller befindet, hat sich offenbar nie jemand verschafft. Diese Aufgabe obliegt nun Sarah Schrader und der Studentin Jana Franz. Sie erstellen einen Katalog, damit sich später Suchende in dem Depot auch zurecht finden. „Im Moment arbeite ich noch mit einer Excel-Liste“, sagt Sarah Schrader. Sie hofft, dass im Laufe des Jahres eine moderne Museums-Software installiert wird.

Sarah Schrader sortiert derzeit die Fundstücke aus dem Museumskeller in Bergkamen. Dabei entdeckt sie viele Zeugnisse, die vom Alltag früherer Jahrzehnte zeugen.

Studentin Jana Franz hilft beim Aufbau des Museums-Depots. © Stefan Milk

Die will auch Museumschef Mark Schrader nutzen, wenn er nach dem Umbau die stadtgeschichtliche Dauerausstellung neu gestaltet. Zu den Fundstücken zählen viele Hinterlassenschaften aus Epochen, die im Stadtmuseum bisher nur sehr sparsam dokumentiert sind. Zum Beispiel Briefe aus der Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkriegs.

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Sarah Schrader hat zudem Dinge entdeckt, die Soldaten aus Bergkamen im Zweiten Weltkrieg in der Kriegsgefangenschaft hergestellt haben: „Das sind zum Beispiel Tassen,Teller und Geschirr.“ Die kann Mark Schrader für seine Ausstellung bestens gebrauchen, weil sie die Bergkamener Geschichte viel anschaulicher erklären als etwa amtliche Dokumente und langatmige Texttafeln. Das gilt auch für andere Briefe, die Sarah Schrader im Keller gefunden hat: Sie stammen von Witwen von Bergleuten, die bei Grubenunglücken ums Leben gekommen sind.

Die Arbeit dauert noch ein paar Jahre

Bevor er sie ausstellt, muss Mark Schrader allerdings zunächst einmal herausfinden, ob die Briefescheiberinnen oder ihre Nachkommen noch leben. Auch Sarah Schrader hat noch viel Arbeit vor sich: „Das dauert ein paar Jahre.“ Wenn es ein regelrechtes Museumsarchiv gibt, will Mark Schrader es nutzen, um interessante Stücke an andere Museen zu verleihen.

Diese Puppenbett ist womöglich demnächst in der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung in Bergkamen zu sehen

Diese Puppenbett ist womöglich demnächst in der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung zu sehen © Stefan Milk

Im Gegenzug könnte er an spannende Exponate aus anderen Häusern kommen. Außerdem will er das Magazin für Ahnenforscher und Historiker öffnen.

Ob die dem Ursprung der Reichsmark-Banknoten auf die Spur kommen, ist zweifelhaft. Sarah Schrader vermutet, dass zumindest ein Teil des Geldes in den Museumskeller kam, weil es seinen Wert während der Inflation in den 20er Jahren verloren hat.

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