Den Kindern aus der „Villa Kunterbunt“ stinken die Hundehaufen auf dem benachbarten Bolzplatz. Deshalb starten das Familienzentrum und das städtische Kinder- und Jugendzentrum eine Aktion. © Marcel Drawe
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Hundehaufen-Hilferuf aus der Kita: „Hier spielen Kinder!“

Die Kinder auf aus der „Villa Kunterbunt“ können nicht auf dem benachbarten Bolzplatz spielen, weil der von Tierhaltern als Hundeklo missbraucht wird. Kita und Stadt setzen jetzt ein Zeichen.

Eigentlich liegt der Bolzplatz an der August-Bebel-Straße ja ideal für die Awo-Kita „Villa Kunterbunt“. Die Kinder müssen eigentlich nur durch ein Tor im Zaun gehen, um sich auf der Rasenfläche auszutoben. Eigentlich.

Anja Wagner und ihre Kolleginnen aus dem Familienzentrum lassen ihre 60 Schützlinge aber schon länger nicht mehr auf dem Bolzplatz spielen: „Der hat sich zu einer Freilauffläche für Hunde entwickelt“, sagt die Kita-Leiterin. Und allzu viele Hundehalter lassen die ekligen Hinterlassenschaften ihrer Tiere einfach liegen.

Zwei Transparente sprechen eine deutliche Sprache

Wer das jetzt noch tut, hat entweder Sehschwierigkeiten oder ist einfach böswillig. Denn nun stehen zwei große Transparente am Eingang zum Bolzplatz: „Hier spielen Kinder!“ ist darauf zu lesen. Und: „Das ist kein Hundeklo.“

Das Kinder- und Jugendbüro der Stadt reagiert auf diese Weise auf den Hundehaufen-Hilferuf aus der „Villa Kunterbunt.“ Jugendamts-Mitarbeiter Christian Scharwey kann sich gut vorstellen, solche Plakate auch auf anderen Bolz- und Spielplätzen aufzustellen. „Die Hundehaufen sind ein Dauerthema“, sagt er. Das Kinderbüro bekomme häufig Meldungen von den jeweiligen Ortsvorstehern der Stadtteile.

Die Kinder, ihre Erzieherinnen und die Vertreter der Stadt hoffen, dass die Hundehalter Rücksicht auf die Spielenden nehmen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Auf dem Bolzplatz an der August-Bebel-Straße scheint es aber besonders schlimm zu sein. „Wir sehen, dass es oft die selben Leute sind, die ihre Hunde laufen lassen“, sagt Wagner. Wenn man sie anspreche, werde man ignoriert. Scharwey will deshalb in der nächsten Woche auch Flugblätter in die Briefkästen in der Siedlung werfen, die die Anwohner auffordern, den Bolzplatz aber natürlich auch die übrige Umgebung sauber zu halten.

Auch tierlose Menschen vermüllen die Gegend

Und dieser Aufruf richtet sich keineswegs nur an disziplinlose Hundehalter. Denn es gibt ganz offensichtlich auch tierlose Menschen, die keine Rücksicht auf andere nehmen und ihren Abfall einfach in die Gegend werfen. Davon können Anja Wagner und ihre Kolleginnen ebenfalls ein Lied singen. Wegen der Hundehaufen auf dem Bolzplatz weichen sie auf die Spielplätze in der näheren Umgebung aus: „Dort gibt es oft ein Müllproblem“, sagt sie.

Wer diese Schilder missachtet, hat entweder eine Sehschwäche oder handelt rücksichtslos. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Das ärgert auch Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD), der sich das Thema öffentliche Sauberkeit auf die Fahne geschrieben hat. Und er weiß, dass in solchen Fällen schnell der Ruf nach dem städtischen Ordnungsdienst laut wird.

Aber der könne in einer 50.000-Einwohner-Stadt nicht immer alles kontrollieren. Und um einen Müll- oder Hundehaufen-Sünder ein Bußgeld zu verpassen, müsse er auf frischer Tat ertappt werden. Das sei so gut wie nie der Fall.

Ein Appell an die Bürger, ihre Stadt sauber zu halten

Schäfer sieht in der Aktion einen Appell an die Bürger, ihre Stadt sauber zu halten. Das könne auch bedeuten, meint das Stadtoberhaupt, dass man einen Hundehalter anspricht, der sein Tier einfach in die Gegend machen lässt. „Dann fühlen sie sich meist ertappt“, sagt der Bürgermeister. Er habe selbst einen Hund und nehme zum Spaziergang immer Plastikbeutel mit, sagt Schäfer – so wie die Mehrheit der vernünftigen Hundehalter.

Das Kinder- und Jugendbüro will deshalb keine falschen Symbole setzen. Man habe überlegt, an der August-Bebel-Straße eine Box mit kostenlosen Hundekot-Beutel aufzustellen, sagt Scharwey. Aber das wäre genau das verkehrte Zeichen: „Das hier ist ein Bolzplatz und keine Hundefreilauffläche.“

Für Fragen und die Meldung von Schäden und Verunreinigungen auf städtischen Spielflächen steht das Kinder- und Jugendbüro unter Tel. 02307/965-381 zur Verfügung.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne

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